Vincent Vosse warnt vor Egoismus bei Konvergenz 2030: Denkt an die WEC
Die Konvergenz der Hypercar-Konzepte LMH und LMDh für die Saison 2030 laufen auf Hochtouren - WRT-Teamchef ruft auf, das Wohl des Sports an erste Stelle zu stellen
Vincent Vosse fordert die Hersteller dazu auf, das Wohl der WEC nicht zu vergessen
Foto: SRO/JEP SRO/JEP
WRT-Teamchef Vincent Vosse appelliert an die Hersteller in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), bei den Konvergenzgesprächen für die Saison 2030 das Wohl der Serie über die eigenen Interessen zu stellen. Nachdem erste Hersteller bereits rote Linien gezogen haben, mahnt der Belgier: Das Wohl der WEC steht auf dem Spiel.
Frisch vom großen Sieg bei den 6 Stunden von Spa in der Langstrecken-Weltmeisterschaft, spricht Vosse über den Stand diverser Projekte und die bevorstehenden Highlights.
Frage: Es war ein arbeitsreiches Jahr für Sie - wie läuft es?
Vincent Vosse: "Großartig! Das ist genau das, was wir uns vorgenommen haben, also sind wir glücklich!"
Frage: Endlich der erste WEC-Sieg in Spa-Francorchamps - wie haben Sie das erlebt?
Vosse: "Es war brillant, mit einer exzellenten Strategie. Nach dem Qualifying waren wir sehr enttäuscht, aber letztendlich wussten wir, dass wir ein starkes Auto für das Rennen hatten."
"Als die Startnummer 20 an die Box kam, gingen wir ein Risiko ein, weil wir nicht mehr so viele Runden übrig hatten wie die anderen, um stark ins Ziel zu kommen. Aber alles hat perfekt funktioniert und die Nummer 15 konnte sich ebenfalls nach vorne kämpfen. Durch den zweiten Platz konnte sie die Nummer 20 sogar abschirmen, die dadurch Sprit und Energie sparen konnte, um es ohne weiteren Stopp ins Ziel zu schaffen."

Historisch: BMW holte erstmals seit Le Mans 1999 einen Gesamtsieg in einem ACO-sanktionierten Rennen bei den 6h Spa
Foto: FIA WEC/DPPI
Frage: Wie wichtig ist das IMSA-Programm für den Informationsaustausch?
Vosse: "Der Informationsfluss könnte nicht besser sein. Die Mitarbeiter sind dabei ebenfalls eine riesige Hilfe, wie zum Beispiel der Technische Direktor, der für beide Programme derselbe ist. Mit zwei Teams haben wir mehr Daten, aber es gibt auch Leute, die an beiden Projekten arbeiten, was hilft, alles optimal miteinander zu verknüpfen."
Frage: Hilft Ihnen das auch dabei, sich zu verbessern, jetzt wo Sie die EVO-Version des M Hybrid V8 einsetzen?
Vosse: "In bestimmten Situationen definitiv ja, obwohl wir das Gefühl haben, dass wir im Qualifying in Bezug auf Pace und Fahrbarkeit etwas eingebüßt haben. Jedenfalls denke ich, dass wir in einer guten Position sind, und genau das wollten wir erreichen."
Frage: Haben Sie sich schon neue Joker-Evo-Optionen angesehen?
Vosse: "Im Moment würde ich sagen, nein. Aber ich gehöre nicht zum technischen Personal von BMW, daher kann ich das nicht im Detail beantworten."
Frage: Was halten Sie von dem bald in Kraft tretenden neuen Reglement in Bezug auf eine mögliche Konvergenz?
Vosse: "Das Management von BMW nimmt an den entsprechenden Meetings teil; ich konzentriere mich auf mein eigenes Team. Aber ich glaube, es ist extrem wichtig, ein gutes Maß an Konvergenz zu erreichen: Das Potenzial ist da, und es würde die Dinge für alle einfacher machen. Aktuell gibt es zwei Kategorien, LMDh und LMH, das ist uns allen bewusst."
"In Zukunft wäre es für alle besser, wenn diese zu einer einzigen Klasse verschmelzen würden. Heute ist Ferrari das Siegerauto; ich weiß, was sie gerne hätten und was für alle anderen am besten wäre. Ich sage ganz einfach, dass Konvergenz im besten Interesse der Meisterschaft ist und alle darauf hinarbeiten sollten, ohne nur an ihren eigenen Vorteil zu denken."
Frage: Hängt das Problem der Konvergenz auch mit der Kostendiskrepanz zusammen?
Vosse: "Ich denke, es liegt an der WEC, der FIA und dem ACO, den besten Weg zu finden, um die Kosten von LMDh und LMH anzugleichen, sodass es für alle akzeptabel ist. Das Wohl der Meisterschaft und des Sports steht auf dem Spiel."
"Sehen Sie sich den Erfolg der GT3 an: Diese Autos sind seit 20 Jahren auf der Strecke und erfreuen sich bester Gesundheit. Manchmal wurden Risiken eingegangen, aber die Plattform ist außergewöhnlich. Und wir sollten mit den Hypercars das Gleiche tun."
Frage: Sind Sie besorgt?
Vosse: "Die Meisterschaft ist momentan extrem stark. Aber wenn man sich auf einem so hohen Niveau bewegt, steigt das Risiko, dass Dinge schiefgehen oder auseinanderbrechen. Wir müssen sehr vorsichtig sein. Jeder hat gesehen, was passiert ist, als Porsche und Alpine sich damals zurückgezogen haben. McLaren und Ford kommen dazu, Genesis ist dieses Jahr dazugestoßen, aber wir müssen behutsam agieren."
Frage: Um zu den GT3 zurückzukehren: Die 24 Stunden von Spa rücken näher - ein Rennen, das WRT schon länger nicht mehr gewonnen hat...
Vosse: "Generell ist es für uns das wichtigste Rennen. Es ist unser Heimrennen und liegt uns sehr am Herzen. Wir haben es bei unserem zweiten und vierten Anlauf unter immensem Druck gewonnen. Bei vielen Ausgaben lagen wir in Führung, ohne das Ergebnis am Ende ins Ziel zu retten."
"Ich glaube nicht, dass es in Spa so etwas wie das perfekte Rennen gibt. Natürlich würde ich am liebsten gewinnen, aber ich erinnere mich an 2021: Wir waren nicht die Schnellsten, haben aber jede Entscheidung goldrichtig getroffen und wurden Zweiter. Ehrlich gesagt, ziehe ich dieses Resultat einem Sieg mit einer Runde Vorsprung vor, weil es mich mit Stolz erfüllt und ich den puren Rennsport liebe."
Frage: Glauben Sie, es gibt dieses Jahr eine Chance auf den Sieg?
Vosse: "Ich hoffe, ein Auto zu haben, mit dem wir um den Sieg kämpfen können. Ich weiß nicht, ob die Situation besser sein wird als letztes Jahr, und ich glaube auch nicht, dass die Testergebnisse schon aussagekräftig genug sind, um zu verstehen, in welchem Szenario wir uns befinden werden. Wir für unseren Teil haben uns gut vorbereitet. Wir haben eine starke Fahrerbesetzung und ein starkes Auto, das siegfähig ist. Den Rest werden wir sehen, wenn wir vor Ort sind."
Frage: Zuerst steht jedoch Le Mans an...
Vosse: "Wir wissen ganz genau, dass wir uns aus Schwierigkeiten heraushalten und mit einem starken Auto ins Ziel kommen müssen. Warten wir ab, wie sich der Kampf zwischen LMH und LMDh entwickelt. Meine persönliche Meinung ist, dass es an der Zeit ist, dass ein LMDh-Auto einen Sieg einfährt."
"Das Wichtigste ist, dass es ein tolles Spektakel für alle wird, so wie wir es in Spa gesehen haben. Es war ein enger Kampf mit verschiedenen Strategien, aber einem ähnlichen Leistungsniveau. In Le Mans wird es meiner Meinung nach schwierig, über das gesamte Rennen hinweg etwas Ähnliches zu sehen, aber wir alle wissen, was für eine Art von Event die 24 Stunden sind."
Frage: Auch in der LMGT3 wird das Ziel der Sieg sein...
Vosse: "Natürlich, wir wollen immer gewinnen. Das haben wir schon in der LMP2 gemacht und das setzen wir jetzt in der Hypercar- und GT-Klasse fort. Es wird eine hart umkämpfte Herausforderung!"
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