Rennbericht

WEC 6h Austin

WEC Austin 2026: Riesenpech für Toyota bringt Ferrari den Sieg

Der Toyota #7 rollt zwölf Minuten vor Schluss in Führung liegend aus - Ferrari holt den Sieg, BMW kommt in der WM mit einem blauen Auge davon

Heiko Stritzke

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Veröffentlicht: 07.09.2026, 01:03

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WEC Austin 2026: Riesenpech für Toyota bringt Ferrari den Sieg

Der Ferrari #50 profitierte vom großen Pech von Toyota

Foto: FIA FIA

Wieder einmal gibt es ein Drama um Toyota in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC): Beim Lone Star Le Mans war der Toyota #7 (Conway/Kobayashi/de Vries; DNF) auf dem Weg zu einem sicheren Sieg, als bei Nyck de Vries zwölf Minuten vor Schluss das Hydrauliksystem versagte. Statt eines wichtigen Sprungs in Richtung WM-Titel gab es Tränen beim Niederländer, der zuvor überragend gefahren war. (Ergebnis)

Es ist das zweite Mal, dass der Toyota #7 einen sicher geglaubten Sieg in Austin verliert. 2024 lag die #7, damals noch im Vorgängermodell GR010 Hybrid, ebenfalls auf Siegkurs, als Kamui Kobayashi eine umstrittene Strafe für zu geringes Verzögern unter doppelt gelb geschwenkten Flaggen erhielt.

"Ein trauriges Ende eines großartigen Tages. Wir haben alles gegeben und alles richtig gemacht. Ich hatte ein großartiges Auto und konnte abliefern, als es zählte. Aber leider ist das ein technischer Sport und leider hat uns die Technik heute im Stich gelassen", so ein erstes Statement von de Vries, als er sich einigermaßen beruhigt hatte.

Profiteure des Dramas waren Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen, die im Ferrari 499P #50 den Sieg einfuhren, obwohl sie zwischenzeitlich auf einer falschen Strategie unterwegs waren. Das Rennen fand bei maximal 34 Grad Celsius bei fast schon kühlen Temperaturen nach der bisherigen Woche statt. Dafür war die Luftfeuchtigkeit relativ hoch, da es vor dem Rennen geregnet hatte.

Den zweiten Platz hätte der Alpine #35 (da Costa/Milesi/Habsburg; 3.) geholt, der durch einen Fehler beim Überrunden nach dem letzten Restart den Sieg auf der Strecke an den Ferrari verlor. Am Ende spielte das keine Rolle, weil er eine 5-Sekunden-Strafe für einen Unsafe Release erhielt. Den zweiten Platz erbte damit der Cadillac #38 (Bamber/Bourdais/Aitken).

Zwei Safety-Car-Phasen bringen #50 wieder ins Spiel

Das Rennen war in zwei Hälften gesplittet. In der ersten Hälfte, deren erste Runden bei noch teils nasser Strecke absolviert wurden, versuchten vier Hypercars eine alternative Strategie mit früherem Boxenstopp: der Ferrari #50, der Toyota #8 (Buemi/Hartley/Hirakawa; 6.), der Cadillac #12 (Stevens/Nato/R. Taylor; 9.) und der AF-Corse-Ferrari #83 (Ye/Kubica/Hanson; 13.).

Diese Strategie sollte sich nicht auszahlen, als kurz vor Halbzeit eine Safety-Car-Phase mit vorhergehendem VSC ausgerufen wurde, weil an diversen Stellen auf der Strecke Dinge in Ordnung gebracht werden mussten. Die vier Fahrzeuge fielen zurück. Nur der Ferrari sollte sich davon wieder erholen.

Die scheinbare Entscheidung um den Rennsieg fiel nach dem Restart, als Nyck de Vries sich innerhalb einer halben Stunde von Platz drei aus an die Spitze setzte. Er überholte dabei den Alpine #35 und den Cadillac #38. Der Toyota TR010 Hybrid hatte in dieser Phase frischere Reifen, war aber auch insgesamt das stärkste Paket im Renntrimm - insbesondere mit de Vries am Steuer.

Eingangs der letzten Stunde gab es eine weitere Safety-Car-Phase, als der ASP-Lexus #78 (van Rompuy/David/Masson; DNF) sich nach einer notdürftigen Reparatur zum zweiten Mal seiner Motorhaube entledigte. Somit wurde das Rennen in einem 46-Minuten-Sprint entschieden.

De Vries hatte das Geschehen im Zielsprint fest im Griff und verwaltete seinen Vorsprung, bis das Drama zuschlug. Dahinter setzte sich Milesi an die zweite Position, weil Nielsen, der sich mit einer guten Pace und der richtigen Strategie bis zur zweiten Safety-Car-Phase schon wieder auf Platz drei nach vorn gefahren hatte, einen etwas schwachen Restart hatte.

Bei der ersten Überrundung von LMGT3-Fahrzeugen nach dem Restart geriet Milesi neben die Strecke, was Nielsen ausnutzen konnte. Durch die Strafe gegen Alpine wäre das Manöver gar nicht nötig gewesen, verhalf dem Ferrari aber zu freier Fahrt zum Sieg.

Keine Punkte für Top 3 der Meisterschaft

Weiter auf das erste WEC-Podium warten muss Aston Martin. Zwar holten die Valkyrie zwei Trainingsbestzeiten, doch im Rennen fehlte wieder das letzte bisschen. Der Aston Martin #007 (Tincknell/Gamble; 4.) zeigte ein fehlerfreies Rennen. Das Duo egalisierte damit sein bestes Ergebnis nach den 6 Stunden von Spa.

Auf Platz fünf kam der Alpine #36 (Makowiecki/Gounon/Martins) ins Ziel. Victor Martins hatte riesiges Pech beim letzten Boxenstopp, den er kurz vor dem VSC absolvierte. Unter VSC musste er dann für ein kurzes Nachfüllen noch einmal reinkommen. Wäre das VSC früher ausgerufen worden, hätte Alpine wohl beide Fahrzeuge aufs Podium gebracht.

Das Gleiche gilt für den Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi; 11.), für den das Rennen in einem Desaster mit null Punkten endete. Nachdem die #50 im ersten Teil des Rennens "off sequence" gegangen war, war es die #51, die diesen Trick nach dem ersten Safety-Car versuchte - und durch das zweite VSC damit komplett auf die Nase fiel.

Damit kam der BMW #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde; 12.) mit einem blauen Auge aus einem Wochenende, an dem für BMW nichts drin war. Ob WRT den M Hybrid V8 einfach nicht auf den Circuit of the Americas abstimmen konnte oder es an der Balance of Performance (BoP) lag, lässt sich nicht nachvollziehen, da die WEC die BoP 2026 geheim hält.

Jedenfalls verfehlte die #20 die Punkteränge und war auch weniger konkurrenzfähig als das Schwesterfahrzeug #15 (Magnussen/Marciello/D. Vanthoor; 8.). Der Toyota #7 vergab hier einen Elfmeter für eine ordentliche WM-Führung.

Das beste Ergebnis des noch jungen Programms feierte der Genesis #17 (Lotterer/Derani/Jaubert; 7.), aber auch hier wäre mehr drin gewesen. Andre Lotterer verlor in der Startphase bei einem Angriff auf Molina um den dritten Platz die Kontrolle und drehte sich. Dafür gab es auch noch eine kleine Zeitstrafe beim anschließenden Boxenstopp.

Von hinten konnte sich der GMR-001 nicht mehr richtig nach vorne fahren und profitierte am Ende von einer Strafe gegen den Cadillac #12. Dieser wäre eigentlich Siebter geworden, erhielt jedoch fünf Sekunden für Verlassen der Strecke mit Vorteil.

Immerhin einen Punkt erkämpfte sich der Peugeot #94 (Duval/Jakobsen/Pourchaire; 10.) an einem weiteren mühsamen Wochenende für Peugeot Sport. Hier ruht die Hoffnung weiter auf dem Evo-Modell, das vor kurzem getestet wurde.

Aston Martin bringt GT-Sieg durch

Die Aston Martin Vantage AMR LMGT3 Evo waren die dominante Fraktion am ganzen Wochenende. Ian James, Zacharie Robichon und Mattia Drudi holten sich den LMGT3-Sieg, nachdem sie im Qualifying noch dem Schwesterfahrzeug #23 (Newell/Barrichello/Adam; 3. LMGT3) den Vortritt lassen mussten.

"Wir waren in den vergangenen Jahren immer nah dran und haben es immer knapp verpasst. Heute hat endlich mal alles funktioniert. Wir waren schnell, hatten eine saubere Strategie und haben keine Fehler gemacht", freut sich Mattia Drudi. Für The Heart of Racing (THOR) war es ein Heimsieg, obschon die Teambasis sich am anderen Ende der Vereinigten Staaten von Amerika befindet.

Ayhancan Güven musste im Manthey-Porsche #91 (Cottingham/Boguslawski/Güven; 2. LMGT3) am Ende vorsichtig agieren, denn der Porsche 911 GT3 R LMGT3 hatte weniger Energie im letzten Stint zur Verfügung als die unmittelbaren Gegner. Der DTM-Meister fuhr den zweiten Rang aber gekonnt nach Hause und hielt Eduardo "Dudu" Barrichello im Aston Martin #23 auf Distanz.

Bei den GT-Fahrzeugen blieben sogar die besten vier Fahrzeuge aus der Tabelle ohne Punkte. In die Punkteränge kamen beide Ferrari, beide Ford, beide Mercedes-AMG und der Garage-59-McLaren #58 (West/Gehrsitz/Goethe; 8. LMGT3).

Nur acht Autos kamen in der Führungsrunde ins Ziel. Großes Pech hatte Marvin Kirchhöfer im Garage-59-McLaren #10 (Au/Fleming/Kirchhöfer; 17. LMGT3), der nach dem Restart mit dem Proton-Ford #88 (Gattuso/Levorato/Sargeant; 9. LMGT3) von Logan Sargeant aneinandergeriet und sich einen Reifenschaden einfing. Der Ford war zu dem Zeitpunkt wegen einer Reparatur in der Anfangsphase gar nicht in der Führungsrunde.

Auch Porsche musste das in der Meisterschaft besser platzierte Auto abschreiben: Ricardo Pera erwischte nach knapp zwei Stunden einen Baguette-Randstein und zerstörte sich die Spurstange des Manthey-Porsche #92 (Shahin/Pera/Lietz; 15. LMGT3). Die TF-Sport-Corvette #34 (Dempsey/Yoluc/Eastwood; 14. LMGT3) verlor mehrere Runden durch die Reparatur der Aufhängung.

Ein Rennen zum Vergessen erlebten die BMW M4 LMGT3 Evo, die beide schon in der ersten Stunde alle Chancen verloren. Dabei spielte sich ein Drama um Anthony McIntosh ab. Sein WRT-BMW #69 (McIntosh/Thompson/Harper; 11. LMGT3) zog sich im Zweikampf einen Reifenschaden zu. Der Rauch drang ins Cockpit ein, was für den Imola-Sieger Atemprobleme bedeutete.

Er schleppte den Boliden an die Box, quälte sich dort aber erstmal aus dem Cockpit. Er stieg wieder ein, weil kein Teamkollege bereitstand. Die ganze Episode kostete zwei Runden. Ebenfalls noch in der ersten Stunde erwischte es den WRT-BMW #32 (Leung/Gelael/Farfus; 16. LMGT3) mit Leistungsverlust. Der FIA-Drehzahlsensor hatte sich verabschiedet.

Das nächste Rennen der WEC sind die 6 Stunden von Fuji am 27. September.

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