WEC-Chef Neveu: Formel E ist Marketing, kein Sport

geteilte inhalte
kommentare
WEC-Chef Neveu: Formel E ist Marketing, kein Sport
Autor: Heiko Stritzke
Co-Autor: Gabriel Lima
31.03.2018, 12:17

WEC-Boss Gerard Neveu sieht in der Formel E keinen Konkurrenten, obwohl Audi und Porsche gewechselt sind - Mit Sport habe sie nichts zu tun

Die LMP1-Hybridkategorie der Langstrecken-Weltmeisterschaft hat sich binnen zwei Jahren von einer boomenden Kategorie zu einem großen Sorgenkind gewandelt. Von ehemals vier Herstellern ist nur noch einer übrig geblieben. Neben Fehlern beim ACO, die zweifellos gemacht wurden (Damit hat sich mit unser Schwesterportal 'Motorsport-Total.com' ausgiebig befasst), hat der Le-Mans-Veranstalter aber auch Pech gehabt: Erst kam der Dieselskandal bei Volkswagen, dann ein urplötzlicher politischer Schwenk in Richtung Elektromobilität.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Die Formel E kann sich über einen riesigen Zulauf von Herstellern freuen. Jeder Autokonzern kann so plötzlich relativ kostengünstig zeigen, etwas für Elektromobilität zu tun - ganz gleich, ob ein Systemwechsel in der Automobilwelt ansteht oder nicht. Audi und Porsche haben sogar die Fronten gewechselt: Formel E statt WEC. Elektro ist "in" - zumindest für die Marketingexperten der Automobilbranche. Motorsport, in dem noch ein Verbrennungsmotor zu hören ist, wird dort hingegen zunehmend als Dinosaurier wahrgenommen - selbst mit Hybridtechnik.

"Sie veranstalten Marketing-Events in Städten und keinen wirklichen Motorsport. Den machen wir." - Gerard Neveu

WEC-Chef Gerard Neveu sieht die Formel E trotzdem nicht als direkten Konkurrenten an. Zwar gibt er sich versöhnlich mit der Rennserie von Alejandro Agag, zeigt aber auch gleichzeitig, was er von der ihr hält. "Das ist unmöglich miteinander zu vergleichen", sagt er gegenüber 'Motorsport.com'. "Sie veranstalten Marketing-Events in Städten und keinen wirklichen Motorsport. Den machen wir. Schlussendlich ergänzen sich unsere Aktivitäten, ohne in Konflikt miteinander zu stehen."

Neveu und ACO-Chef Pierre Fillon suchen derzeit verzweifelt nach Wegen, wieder Hersteller in die LMP1-Kategorie zu locken. Schwierig, wenn die alle in der Formel E sind. Auch Peugeot hat man gerade an die Elektromobilität verloren: Obschon der ACO einen ganzen Reglements-Entwurf auf die Löwen zuschusterte, machen sie lieber Elektromobilität in der Rallycross-Weltmeisterschaft ab 2020.

 

DS E-TENSE FE 19
DS E-TENSE FE 19

Foto DS Automobili

"Das (die Herstellersuche; Anm. d. Red.) ist eine permanente Aufgabe", sagt der 52-Jährige. "Wir hatten zahlreiche Meetings mit der Technischen Kommission und Hersteller-Vertretern. Wir konzentrieren uns mit den neuen Regeln für 2020 darauf." Einer Regeldiktatur sagt er ab - das funktioniere im Motorsport nicht mehr. "Wir werden die Entscheidung auf der Basis von Diskussionen und Prioritäten fällen." Derzeit zeichnet sich ein Schritt in Richtung GTP ab - Prototypen mit einem Wiedererkennungswert für Hersteller nach DPi-Vorbild.

Nächster WEC Artikel
WEC-BoP Spa-Francorchamps: Deutliche Änderungen gegenüber IMSA

Previous article

WEC-BoP Spa-Francorchamps: Deutliche Änderungen gegenüber IMSA

Next article

Ferrari 488 GTE absolviert Shakedown in Fiorano

Ferrari 488 GTE absolviert Shakedown in Fiorano

Artikel-Info

Rennserie WEC
Urheber Heiko Stritzke
Artikelsorte News