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WEC-Premierensieg für Cadillac-LMDh durch Jota in Sao Paulo

Durchbruch für den Cadillac V-Series.R in der Langstrecken-Weltmeisterschaft: Jota Sport holt Doppelsieg in Interlagos - Mick Schumacher erkämpft Punkte

WEC-Premierensieg für Cadillac-LMDh durch Jota in Sao Paulo

Alex Lynn, Norman Nato und Will Stevens bescherten dem Cadillac V-Series.R den ersten WEC-Sieg

Foto: FIA FIA

Cadillac hat geliefert: Jota Sport feierte mit dem V-Series.R bei den 6 Stunden von Sao Paulo einen Doppelsieg. Erstmals gelang es dem General-Motors-Ableger, den bislang häufig nur angedeuteten Speed über ein gesamtes Rennen hinweg in ein Topresultat umzuwandeln. Einen ähnlichen Durchbruch erlebte auch ASP mit dem Lexus RC F LMGT3, der die GT-Kategorie erstmals gewann. (Ergebnis)

Für Entwicklungsfahrer Alex Lynn ist es der größte Moment seiner Karriere: "Dies ist nun mein drittes Jahr, in dem ich mit diesem Auto Rennen fahre, und mein viertes Jahr, in dem ich es fahre. Und persönlich ist das für mich eine große Genugtuung. Wissen Sie, es war eine lange Reise mit Cadillac, und endlich ein Rennen der WEC-Meisterschaft zu gewinnen, ist etwas Besonderes. Ich habe viele Stunden damit verbracht, das Auto zu fahren und daran zu arbeiten, und das bedeutet mir alles."

Wie schon bei den 24 Stunden von Le Mans verlor Cadillac die Führung direkt in der ersten Runde, als Julien Andlauer im Porsche #5 (Andlauer/Christensen; 3.) vorbeiging und diese fast zwei Stunden lang verteidigte. Das Rennen verlief nahezu durchgängig unter grüner Flagge - lediglich vier sehr kurze Full-Course-Yellow-Phasen zum Einsammeln von Trümmerteilen unterbrachen den Rhythmus.

Zwar war Porsche phasenweise ebenbürtig, doch zeigte sich bald, dass Cadillac im Reifenverschleiß überlegen war. Nach rund 100 Minuten geriet Andlauer zunehmend unter Druck.

Der entscheidende Wechsel an der Spitze erfolgte beim zweiten Boxenstopp: Der Cadillac #12 (Lynn/Nato/Stevens; 1.) übernahm die Führung per Undercut, während sich der Schwesterwagen #38 (Bamber/Bourdais/Button; 2.) auf der Strecke gegen den Porsche durchsetzte.

#12 siegt trotz Durchfahrtsstrafe

Danach kristallisierte sich auch Cadillac-intern die Hackordnung heraus. Die von der Pole gestartete #12 war klar das schnellere Fahrzeug und setzte sich sukzessive ab. Zwar musste die Crew nach der ersten Stunde eine Durchfahrtsstrafe hinnehmen, weil die Reifendrücke in den Runden 7 bis 14 unter dem zulässigen Minimum lagen. Doch dank einer cleveren Strategie kehrte der Wagen noch vor Halbzeit wieder an die Spitze zurück - und fuhr von da an alles in Grund und Boden.

Es ist der erste Sieg für den Cadillac V-Series.R in der Langstrecken-Weltmeiserschaft (WEC), zweieinhalb Jahre nach dem Debüt des Fahrzeugs. Für Jota ist es der zweite Gesamtsieg in der Hypercar-Klasse nach dem Sensationserfolg mit dem privaten Porsche 963 in Spa 2024.

Dass Cadillac in Interlagos zu den Favoriten zählte, war angesichts der Balance of Performance (BoP) keine Überraschung, das Ausmaß der Dominanz allerdings schon. "Wir fahren lediglich gegen Porsche, und das auch nur ein kleines bisschen", staunte Jenson Button während des Rennens im Interview. Am Ende musste sich seine #38 dem Angriff der auf kühler Strecke wiedererstarkten #5 nochmals erwehren, rettete den Doppelsieg aber ins Ziel.

Wie erdrückend die Dominanz des Cadillacs #12 war, zeigen diese Zahlen: Trotz der Durchfahrtsstrafe fuhren die Sieger 57,016 Sekunden auf ihre zweitplatzierten Teamkollegen heraus. Nur drei Autos blieben in der Führungsrunde. Alles bis Platz 6 wurde zweimal überrundet, alle Fahrzeuge ab Platz elf hatten sogar drei Runden Rückstand. Ohne die Durchfahrtsstrafe hätte die #12 alle Gegner überrunden können.

Zwar hilft die kompakte Streckenlänge in Interlagos dabei, größere Abstände aufzubauen. Dennoch erinnerten die Zeitdifferenzen stellenweise eher an frühere Langstreckenrennen, in denen Zuverlässigkeit über allem stand.

BMW fängt noch Peugeot ab

Porsche musste sich mit den Plätzen drei und vier begnügen. Während die #5 ein geradliniges Rennen absolvierte, musste sich die #6 (Estre/L. Vanthoor; 4.) vom siebten Startplatz nach vorne arbeiten.

Dabei erwies sich vor allem der Peugeot #93 (di Resta/Jensen; 7.) als harter Gegner: Der 9X8 verfügte über mehr Topspeed, sodass Laurens Vanthoor fast 100 Minuten benötigte, um eine Lücke beim Überrunden zu finden. Die #94 (Duval/Jakobsen; 6.) wurde später per Strategie ausgehebelt.

Peugeot schien lange auf dem Weg zu den Plätzen fünf und sechs - bis der BMW #20 (Rast/Wittmann/S. van der Linde; 5.) mit einer energiesparenden Strategie auf dem Radar auftauchte. In der zweiten Rennhälfte tankte sich das WRT-Team an einem 9X8 vorbei und schnappte sich den anderen auf der Strecke.

Für Peugeot war es dennoch das erste nennenswerte Resultat 2025. Nach technischen Problemen und falscher Strategie in Spa, als man schon einmal konkurrenzfähig war, und der Chancenlosigkeit in Le Mans durfte das französische Werksteam endlich einmal mit beiden Fahrzeugen reichlich Punkte sammeln.

Der andere BMW M Hybrid V8, die #15 (D. Vanthoor/Magnussen/Marciello; 17.), kam schon neun Minuten nach dem Start an die Box und verlor 19 Runden mit einem Bremsproblem.

Ferrari mit Schadensbegrenzung

Bester Ferrari 499P war der private AF-Corse-Einsatz #83 (Kubica/Ye/Hanson), der den achten Rang holte. Der Siegerwagen von Le Mans war erneut der konkurrenzfähigste 499P. Die Werkswagen konnten im Rennen nicht an die Pace anknüpfen, die sie einmal im dritten Training angedeutet hatten.

Die Werkswagen hatten zudem keine sauberen Rennen: Die #50 (Fuoco/Molina/Nielsen; 12.) wurde beim Überrunden am Heck getroffen, als eine Corvette hinter dem Ferrari zu früh einscherte. Das beschädigte Hypercar wurde per "Spiegeleiflagge" an die Box beordert, der Zeitverlust war erheblich.

Die #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi; 11.), vom vorletzten Platz ins Rennen gegangen, war auf dem Weg zu einem Punkteresultat. Sie erhielt aber in der letzten Stunde eine Durchfahrtsstrafe, weil Alessandro Pier Guidi den Proton-Porsche #99 (Jani/Pino/Varrone; 10.) im Zweikampf von der Strecke drängte.

Zwischen die beiden privat eingesetzten Hypercars schob sich der Alpine #36 (Gounon/Makowiecki/Schumacher; 9.) und sicherte sich zwei Punkte. Am Ende lag der gelbe Ferrari nur 0,754 Sekunden vor Schlussfahrer Mick Schumacher. Mit einem besseren Startplatz wäre es wohl der achte Platz geworden.

Der Alpine #35 (Chatin/Habsburg/Milesi; DNF) schied als einziges Hypercar aus. Ein Defekt im Hybridsystem aktivierte das rote Warnsignal, woraufhin das Auto sicherheitshalber aus dem Rennen genommen wurde.

Toyota völlig chancenlos

Keine Reise wert war Sao Paulo für Toyota. Der Toyota #8 (Hartley/Hirakawa; 15.) wurde schon in der Startphase durchgereicht. Die #7 (Conway/Kobayashi/de Vries; 14.) startete von ganz hinten und konnte sich nie in Szene setzen. Ohne Safety-Cars war an ein Aufholen nicht zu denken - das Ergebnis: null Punkte.

Natürlich ist die schlechte Performance auch auf die BoP zurückzuführen, doch selbst im Vergleich zu den noch schlechter eingestuften Ferrari 499P blieb Vorjahressieger Toyota blass.

Aston Martin war, wie in der Longrun-Analyse angekündigt, auf die Distanz noch nicht stark genug, um aus eigener Kraft um Punkte zu kämpfen. Dennoch sah Sao Paulo den bisher stärksten Auftritt der Valkyries. Der Aston Martin #009 (Riberas/Sörensen; 13.) ließ beide Toyota hinter sich.

Die #007 (Tincknell/Gamble; 16.) wurde durch eine Kollision beim Überrunden in einen Dreher gezwungen, als Francesco Castellacci nicht damit rechnete, dass Harry Tincknell in der Ferradura versuchen würde zu überholen.

Lexus bringt es endlich durch

Auch in der LMGT3-Klasse gab es einen Premierensieg mit V8-Saugmotor: Petru Umbrarescu, Clemens Schmid und Jose Maria Lopez bescherten Auto Sport Promotion (ASP) und dem Lexus RC F LMGT3 den ersten WEC-Erfolg.

Der Lexus #87 bestimmte das Geschehen an der Spitze von Beginn an. Umbrarescu ging schnell an Debütant Anthony McInstosh im von der Pole gestarteten RSL-Aston-Martin #10 (Mcintosh/Barrichello/Hasse-Clot; 3. LMGT3) vorbei.

Wie der spätere Hypercar-Sieger kassierte auch der ASP-Lexus eine Durchfahrtsstrafe, in diesem Fall wegen eines Tempolimit-Verstoßes in der Boxengasse. Doch auch das brachte den souveränen Triumph nicht mehr in Gefahr. Der Vorsprung im Ziel: 37,716 Sekunden.

Lange Zeit sah es nach einem Lexus-Doppelsieg aus, doch der Schwesterwagen #78 (Robin/Gehrsitz/Nakayama) fiel im letzten Renndrittel zurück und wurde am Ende als Fünfter gewertet. Nutznießer war die TF-Sport-Corvette #81 (van Rompuy/Andrade/Eastwood; 2.), die ihr zweites Podestergebnis in Folge einfuhr.

Sao Paulo eskaliert dank Barrichello-Podium

Ein emotionaler Höhepunkt des Rennens spielte sich hinter den Top Zwei ab: Obwohl sich McIntosh rund 80 Minuten nach dem Start drehte und der Aston Martin bis auf Platz zwölf zurückfiel, kämpfte sich Racing Spirit of Leman eindrucksvoll zurück.

Eine Durchfahrtsstrafe gegen den Manthey-Porsche #85 (C. Martin/Frey/Gatting; 4. LMGT3) wegen eines FCY-Verstoßes brachte den RSL-Aston wieder in Reichweite zu den Podiumsplätzen. Mit dem gesamten brasilianischen Publikum im Rücken begann die Jagd auf die noch drittplatzierten "Iron Dames".

Rund zweieinhalb Minuten vor dem Ziel machte Lokalmatador Eduardo "Dudu" Barrichello alles klar: Im direkten Duell setzte er sich gegen Michelle Gatting durch, die noch unter ihrem gebrochenen Fuß litt. Beim Publikum brachen alle Dämme, als der Aston Martin #10 erst vorbei ging und dann als Dritter über die Ziellinie fuhr. Das Podium für Barrichello wurde zum emotionalen Höhepunkt des Tages.

Hinter dem zweitplatzierten Lexus kam der Manthey-Porsche #92 (Hardwick/Pera/Lietz; 6. LMGT3) trotz großen Erfolgsballasts ins Ziel und sammelte wichtige Punkte für den Titelkampf. Dahinter reihten sich die zweite Corvette, beide McLaren sowie der WRT-BMW #46 (Al Harthy/Rossi/K. van der Linde; 10. LMGT3) ein.

So großartig das Heimspiel für Dudu Barrichello lief, so enttäuschend verlief es für Augusto Farfus. Der im auffälligen Brasilien-Design gehaltene WRT-BMW #31 (Shahin/Ebrahim/Farfus) kam nicht über Platz zwölf hinaus. Eine komplette Nullnummer gab es für Proton: Beide Ford Mustang LMGT3 schieden mit technischen Defekten aus.

Der sechste Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft steigt am 7. September mit dem Lone Star Le Mans in Austin. In der texanischen Spätsommerhitze wartet dann das nächste 6-Stunden-Rennen.

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