WRC-Manager über COVID-Krise: "Haben Kalender auf den Kopf gestellt"

Peter Thul von der WRC Promoter GmbH spricht über die Herausforderung durch die COVID-19-Pandemie, blickt aber zuversichtlich auf die Durchführung der Saison 2021

WRC-Manager über COVID-Krise: "Haben Kalender auf den Kopf gestellt"

Vor fast genau einem Jahr wurde die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) mitten während der Rallye Mexiko voll von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie erwischt. Es folgte eine fast fünf Monate lange Rennpause und ein Restkalender mit vier Läufen, von denen nur die Rallye Türkei und die Rallye Italien so im ursprünglichen Kalender vorgesehen war.

"Für uns war die Herausforderung vom ersten Tag an, dass wir der einzige Outdoor-Sport sind, der nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet", beschreibt Peter Thul, Direktor bei der WRC Promoter GmbH im Rahmen der 'Autosport International Connect'-Onlinemesse die Schwierigkeiten für die Rallye-WM.

"Wir haben Prüfungen in der freien Natur und sind nicht wie die Formel 1 innerhalb eines Fahrerlagers und einer Rennstrecke, die durch Zäune und Tore geschützt ist. Wir müssen also garantieren, dass wir dem Land, das wir besuchen, keine Probleme bereiten", erklärt Thul die Herausforderungen.

Warum die Corona-Pause der WRC so lange dauerte

Deshalb dauerte die Corona-Pause der WRC auch länger als bei anderen Serien. Während Formel 1 und MotoGP im Juli 2020 wieder den Rennbetrieb aufnahmen, wurde die WRC-Saison erst Anfang September mit dem neuen WM-Lauf in Estland fortgesetzt.

"Es ging in den Gesprächen mit der FIA und den Herstellern darum, die Bedürfnisse der Veranstalter zu verstehen", sagt Thul. "Wir haben den Kalender dann auf den Kopf gestellt und geschaut, wo wir unter welchen Bedingungen fahren können."

Unter dem Strich kam die WRC im Jahr 2020 noch auf sieben Rallyes - was freilich auch der Tatsache zu verdanken war, dass vor Beginn der Pandemie schon drei Rallyes gefahren wurden. Die Fortführung der Saison war allerdings mit einigen Opfern verbunden, und daran ändert sich auch im Jahr 2021 vorerst nichts.

Bis Mitte des Jahres sind alle Rallyes gesichert

"Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass die Rallye Monte Carlo für Zuschauer gesperrt werden würde und alle zu Hause bleiben müssten, hätte ich es nicht für möglich gehalten - aber es ist passiert", sagt Thul. "Das macht uns stolz auf die Zusammenarbeit zwischen der FIA, den Veranstaltern, den Organisatoren und den Fans."

2021 wurden mit der Rallye Monte Carlo und der Arctic-Rallye in Finnland die ersten beiden Läufe ohne Zuschauer ausgetragen. Die Durchführung der nächsten Rallyes ist laut Thul aktuell nicht gefährdet.

"Die Rallye Kroatien steht im April an und es gibt zwei Konzepte: Sie können es ohne Zuschauer machen, aber sie hoffen auf Zuschauer. Aber sie wird stattfinden", sagt er. "Die Rallye Portugal will es mit Zuschauern machen, aber sie sind auch darauf vorbereitet, es ohne Zuschauer zu machen.

Fragezeichen hinter der Safari-Rallye

"Dann haben wir Italien, die es schon vergangenes Jahr gemacht haben, also habe ich gesagt, lasst uns die ersten fünf machen, die absolut funktionieren werden", blickt der Manager zuversichtlich auf die erste Saisonhälfte.

Wie es danach weitergeht, steht freilich noch in den Sternen. "Dann haben wir die Safari-Rallye Kenia, bei der es im Moment ganz gut aussieht. Aber niemand hat eine Kristallkugel und kann sagen, was zu diesem Zeitpunkt [im Juli] passiert", so Thul. "Wir sind entschlossen, diese legendäre Rallye wieder aufleben zu lassen und werden es tun, wenn es sicher ist.

Grundsätzlich ist Thul davon überzeugt, dass in der WRC-Saison 2021 mindestens zwölf Veranstaltungen durchgeführt werden. "Wir haben einige sehr gute Veranstaltungen, die bereit sind, einzuspringen. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob es Absagen gibt, da niemand weiß, was passieren wird, aber wir sind für diese Art von Kalender gut vorbereitet."

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.

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