WRC Rallye Finnland 2022: Ott Tänak bezwingt die Lokalmatadore

Ott Tänak feiert bei der Rallye Finnland seinen zweiten Saisonsieg in der WRC - Kalle Rovanperä baut mit Rang zwei WM-Führung weiter aus

WRC Rallye Finnland 2022: Ott Tänak bezwingt die Lokalmatadore
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Hyundai-Pilot Ott Tänak hat am Sonntag die Rallye Finnland, achter Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2022 gewonnen und damit seinen zweiten Saisonsieg gefeiert. Tänak hatte schon bei der zweiten Wertungsprüfungen (WP) die Führung übernommen und diese im Anschluss nicht mehr abgegeben, musste sie aber drei Tage lang entschlossen gegen die beiden Toyota-Piloten und Lokalmatadore Kalle Rovanperä und Espekka Lappi verteidigen.

Nach 22 Wertungsprüfungen (WP) über eine Gesamtdistanz von 323,61 Kilometern hatte der Este 6,8 Sekunden Vorsprung vor Rovanperä, der mit Rang zwei und dem Sieg bei der Powerstage seine ohnehin schon deutliche Führung in der WM-Wertung weiter ausbaute und nun schon 94 Punkte Vorsprung auf Tänak hat. Lappi rettete trotz eines Überschlags bei der vorletzten WP mit einem stark demolierten Toyota Rang drei ins Ziel.

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Elfyn Evans (Toyota) musste sich nach einem Aufhängungsdefekt am Samstag mit Rang vier begnügen, Fünfter wurde nach einer allenfalls durchwachsenen Leistung Thierry Neuville (Hyundai). Takamoto Katsuta (Toyota), Gus Greensmith im besten M-Sport-Ford sowie mit Teemu Suninen (Hyundai) und Emil Lindholm (Skoda) die Top 2 der WRC2-Wertung und Jari Huttunen (Ford) bei seinem ersten Start im Rally1-Auto komplettierten die Top 10.

Dritter Finnland-Sieg für Tänak

Für Tänak war es nach 2018 und 2019 bereits der dritte Sieg bei der Rallye Finnland und der insgesamt 16. in der WRC. "Die Toyota-Jungs haben mir am Freitag zu Beginn etwas Hoffnung gemacht, und wir haben unsere Chance gesehen. Von da an haben wir gepusht, aber alles, was ich in diesen schwierigen Zeiten sagen möchte, ist, dass ich alles meiner Frau zu verdanken habe. Sie hat mich so sehr unterstützt und ich bin wirklich stolz auf sie - ich liebe sie so sehr", so die ersten Worte des Rallysiegers.

Kalle Rovanperä, Jonne Halttunen, Toyota Gazoo Racing WRT Toyota GR Yaris Rally1

Kalle Rovanperä, Jonne Halttunen, Toyota Gazoo Racing WRT Toyota GR Yaris Rally1

Foto: Toyota Racing

Tänak fühlte sich am Freitag laut eigener Aussage nicht hunderprozentig wohl im Auto und musste teils mehr riskieren als ihm lieb war, um die Toyota-Piloten in Schach zu halten. Zunächst hießen seine Verfolger Lappi und Evans, während Rovanperä am Freitag einen leichten Rückstand anhäufte, der dem Nachteil als erster Starter geschuldet war.

Am Samstag drehte der junge Finne aber auf und hielt den Druck auf Tänak hoch. Insgesamt gewann Rovanperä acht WP und damit eine mehr als Tänak, doch es gelang ihm nicht die Lücke zum Esten zuzufahren.

Lappi demoliert den Toyota vor der Powerstage

"Ich hätte mir natürlich einen Heimsieg gewünscht, aber wenn man sich die Situation ansieht, denke ich, dass wir nach dem Auftakt am Freitag ziemlich gut abgeschnitten haben", sagt Rovanperä. "Wir haben uns zurückgekämpft und sind immer noch ganz nah dran. Ich denke also, wir können stolz auf das sein, was wir getan haben."

Als Dritter fuhr Lappi bei seinem fünften Saisonstart zum zweiten Mal auf das Podium. Dieses Ergebnis hätte der Finne am Schlusstag aber fast noch weggeworfen. Bei der vorletzten WP rutschte er mit seinem Toyota von der Straße und überschlug sich mehrfach. Dabei wurde das Auto schwer beschädigt.

 

Die Powerstage fuhr Lappi ohne Windschuztscheibe und Heckflügel. Da auch der Kühler leckte, füllte der Finne mehrere Wasserflaschen in einem See. Am Ende rettete Lappi aber 16,9 Sekunden vor Evans ins Ziel. "Es gab eine Spurrille, in die wir hineingerieten und sofort ins Schlingern gerieten. Ich habe auf dem Video gesehen, dass wir uns dreimal überschlagen haben. Ich weiß nicht, was ich sagen soll - es tut mir leid für das Team, dass ich das Auto kaputt gemacht habe, aber es ist gut, hier zu sein", sagt Lappi.

Evans hatte seine Chance auf ein Top-3-Resultat am Samstag bei der 17. WP verloren. Beim Anschlag an einen Stein beschädigte Evans die linke Hinterradaufhängung seines Toyota, die er zusammen mit Beifahrer Scott Martin unter Verwendung eine Spanngurtes notdürftig reparierte. "Nicht das Wochenende, das wir uns gewünscht haben, aber zumindest sind wir hier", so der Waliser.

Neuville erneut nicht auf Top-Niveau

Neuville hatte zwar die erste WP am Donnerstag gewonnen, war jedoch insgesamt in Finnland nicht konkurrenzfähig und verlor WM-Rang zwei um einen Punkt an Teamkollege Tänak. "Es war ein hartes Wochenende, aber das wussten wir schon, als wir hierher kamen. Mit Estland waren es zwei aufeinanderfolgende Rallyes mit einem ähnlichen Profil, bei denen ich immer ein wenig zu kämpfen hatte. Jetzt geht es nach Ypern und wir werden versuchen, dort einen guten Job zu machen", blickt der Belgier auf seine Heimrallye.

Für M-Sport verlief die Rallye Finnland durchweg enttäuschend. Technische Probleme an den Fahrzeugen und Fehler der Fahrer sorgten dafür, dass die Pumas des britischen Teams im Kampf um die vorderen Platzierungen keine Rolle spielten. Besonders ärgerlich war aus Sicht des Teams ein Fahrfehler von Craig Breen am Samstag.

Bei der zwölften WP fuhr der Ire auf Gesamtrang fünf liegend zu schnell in eine Linkskurve und rutschte in eine angrenzende Böschung, wo er an einem Stein anschlug und das rechte Hinterrad des Autos abriss. Ein Fahrfehler, den Teamchef Richard Millener bei 'WRC live' ungewohnt offen kritisierte.

Debakel für M-Sport und Oliver Solberg

"Die Böschung ist schon eine Weile da. Das ist ein Fehler, den wir nicht sehen sollten", hält Millener fest. "Ich verstehe, dass er versucht, die Positionen zu erreichen, die wir sehen wollen, aber Ausfälle sind zehnmal schlimmer als alles andere, deshalb ist es frustrierend." Ins Bild passte da auch, dass Pierre-Louis Loubet aufgrund von technischen Problemen nicht zur Powerstage antreten konnte.

Craig Breen, Paul Nagle, M-Sport Ford World Rally Team Ford Puma Rally1

Craig Breen, Paul Nagle, M-Sport Ford World Rally Team Ford Puma Rally1

Foto: M-Sport

Ein Debakel erlebte bei der Rallye Finnland auch Oliver Solberg (Hyundai). Am Freitag rutschte der Schwede nur wenige Meter nach dem Start der ersten WP des Tages von der Strecke und überschlug sich mehrfach. Da bei dem Unfall der Überrollkäfig des Autos beschädigt wurde, war die Rallye für Solberg zu Ende, kaum dass sie begonnen hatte.

In der Fahrerwertung führt fünf Rallyes vor dem Saisonende wie schon erwähnt weiter Rovanperä (198 Punkte) vor Tänak (104) und Neuville (103). Bei den Herstellern hat Toyota mit 339 Punkten weiter eine klaren Vorspurng vor Hyundai (251). M-Sport rangiert mit 174 Punkten abgeschlagen auf Rang drei.

Fortgesetzt wird die WRC-Saison 2022 vom 18. bis 21. August. Dann steht mit der Ypern-Rallye in Belgien der zweite Asphalt-Lauf der Saison auf dem Programm.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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