Grasser-Team begräbt DTM-Pläne mit Lamborghini: "Verstehe Kalender nicht"

Warum das österreichische Grasser-Team nun doch nicht mit Lamborghini in die DTM einsteigt, welche Hürden unüberwindbar waren und wie man nun für 2021 plant

Grasser-Team begräbt DTM-Pläne mit Lamborghini: "Verstehe Kalender nicht"

Vergangenen Oktober sorgte das österreichische Grasser-Team für Aufsehen, als man an einem DTM-Einstieg mit dem Lamborghini Huracan Interesse zeigte. Doch jetzt offenbart Teamchef Gottfried Grasser, dass das Vorhaben gescheitert ist. "Wir hätten es gerne gemacht, aber wir kommen mit der Finanzierung nicht zurecht", stellt er im Gespräch mit 'Motorsport.com' klar.

"Wenn der Hersteller nichts Großartiges macht, kann man das vergessen. In unserem Fall würde der Hersteller das Projekt zwar mit einem kleinen Beitrag supporten, aber es ist dennoch leider nicht darstellbar", so Grasser. "Wenn du nicht den richtigen Fahrer hast, der das ganze Geld mitbringt - oder einen entsprechenden Werks-Support -, dann wird es nicht funktionieren."

Am Ende gab laut dem Teamchef, dessen Rennstall in der kommenden Saison vier Boliden im GT-Masters, zwei Boliden in der GT-World-Challenge Europe und ebenfalls zwei Boliden in der US-amerikanischen IMSA-Serie ins Rennen schickt, die Kalenderplanung der DTM-Dachorganisation ITR den Ausschlag, dass der Traum platzte.

"Da ist das Projekt für mich innerlich gestorben"

"Als ich den Terminkalender gesehen habe, ist das Projekt für mich innerlich gestorben", verweist Grasser auf den 6. November. "Da haben wir gesagt, wir hören auf damit." Hintergrund sind die zahlreichen Terminkollisionen zwischen der DTM und den SRO-Serien sowie dem GT-Masters, die bereits die DTM-Pläne des Audi-Kundenteams WRT durchkreuzt hatten.

"Wenn man GT-World-Challenge Europe, GT-Masters und eventuell noch IMSA fährt, dann gibt es kaum einen DTM-Termin ohne Überschneidung", seufzt Grasser. "Man bräuchte also ein komplettes zusätzliches Team - vom Truck bis zum Personal. Du kannst überhaupt keine Synergien nutzen. Das macht es doppelt schwierig."

Die SRO-Serien von Stephane Ratel (GT-World-Challenge Europe und Intercontinental GT-Challenge) und das GT-Masters haben ihre Termine hingegen aufeinander abgestimmt, wodurch es keine einzige Überschneidung gibt. "Und selbst bei der IMSA gibt es nur zwei - mit allen Events", ergänzt Grasser. "Und das bei 26 Wochenenden. Das ist sensationell. Und bei der DTM gibt es bei neun Events acht Überschneidungen."

DTM-Kalender sorgt für Unverständnis

Die DTM-Kalenderplanung sorgt beim Teamchef des unweit des Red-Bull-Rings ansässigen Rennstalls für Verwunderung. "Ich verstehe nicht, warum so ein Kalender rausgegeben wird", sagt er. "Ich hätte mich anstelle der DTM bemüht, dass ich gerade mit dem GT-Masters und der GT-World-Challenge nicht im Clinch bin, denn das sind die eingesessenen GT3-Serien in Europa."

Zudem habe es auch andere Gründe gegeben, die es seinem Team erschwerten, ein Paket für die DTM zu schnüren. "Mir tut es ein bisschen Leid, denn das Konzept ist gut", sagt Grasser. "Aber die Vorbereitungsphase war zu kurz, dann gab es die ganzen Änderungen - zuerst Autos ohne Traktionskontrolle und ABS, dann doch mit. Und dann noch die späte Bekanntgabe des Kalenders. Man hätte früher anfangen müssen, dann wäre vielleicht etwas gegangen."

Dennoch wünscht er der DTM "alles Gute" und hofft, dass Landsmann Gerhard Berger ein ordentliches Feld auf die Beine stellt. Das GT-Masters muss sich diesbezüglich keine Sorgen machen, denn kurz vor Weihnachten vermeldete der ADAC, dass bereits 33 Boliden eingeschrieben sind. "Es ist brutal", sagt Grasser. "Wir haben vier Autos genannt - und beim vierten Auto mussten wir fast schon streiten. Das haben wir nur bekommen, weil wir von Anfang an in dieser Serie mit dem Lamborghini dabei sind. Wenn wir neu eingestiegen wären, hätten wir keine Chance gehabt."

Ohne Vollprofi im Auto in der DTM "um die goldene Ananas"

Warum man dieses Jahr gleich vier Autos an den Start bringe? "Wir hätten auch sechs bringen können", schmunzelt der ehemalige Rennfahrer. "Die Nachfrage ist im GT-Masters extrem gut. Alleine weil du zwei Fahrer pro Auto hast, ist der Finanzierungsbedarf ein ganz anderer. Dadurch ist es viel einfacher darstellbar."

Das habe auch damit zu tun, dass man in der DTM mit Halbprofis, die Geld mitbringen, keine Chance habe, um den Titel zu fahren. "Zumindest zwei, drei Autos werden dort mit Vollprofis besetzt sein", ist Grasser sicher. "Was will man dann mit einem Semiprofi? Dann fährt man um die goldene Ananas mit", sagt er.

Im GT-Masters sei die Situation "genau umgekehrt. Dort bringt der Semiprofi zwar nicht das Budget mit, das du in der DTM für ein Auto bräuchtest, aber er bringt die Hälfte bis zwei Drittel mit, fährt aber die Saison mit einem Vollprofi. Das macht er gerne, weil er sich mit ihm das Auto teilt und von ihm lernt. Dieser Lerneffekt fällt in der DTM weg."

Mit Bildmaterial von ADAC.

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