Fahrer warnen vor "Monsterkalender": "Qualität statt Quantität!"

Wie sich die Formel-1-Fahrer über weitere Tripleheader und immer größere Rennkalender äußern und warum zwischendurch mal eine Pause notwendig ist

Fahrer warnen vor "Monsterkalender": "Qualität statt Quantität!"

"Ich liebe es, Rennen zu fahren, und ich freue mich immer, wenn ein Rennen ansteht. Es gibt nichts, was ich lieber tun würde als Rennen zu fahren." Diese Aussage stammt von Lance Stroll, doch sie könnte auch von jedem anderen Formel-1-Fahrer sein. Denn jeder der 20 Fahrer tut gerne, was er in der Formel 1 tun kann: schnell fahren. Inzwischen aber folgt auf eine solche Aussage meist ein "Aber". Denn die Belastung für Fahrer und Teampersonal nimmt immer weiter zu.

Bei 22 Rennen in der Saison 2021 und 23 in der Saison 2022 wird den Mitarbeitern im Formel-1-Zirkus immer noch mehr abverlangt. Und so sehr die Fahrer sich auf das Plus an Streckenaction freuen, so sehr appellieren sie nun an die Formel 1. Stroll etwa meint: "Man sollte das große Ganze nicht aus den Augen verlieren."

"Es braucht eine Balance für all die Leute, die in der Formel 1 arbeiten. Sie reisen um die Welt und ihre Familien sitzen zuhause. Die Formel 1 muss auch mal Pause machen, damit man mal andere Dinge tun kann", so der Aston-Martin-Fahrer. Wenn der Kalender immer weiter ausgeweitet werden, dann könnte es "lächerlich" werden, meint Stroll.

Giovinazzi gesteht: Am Montag bist du platt

Antonio Giovinazzi von Alfa Romeo gesteht sogar ganz offen, dass es ihm schon jetzt manchmal zu viel wird: "Wenn du an einem Montag nach dem Rennen nach Hause kommst, dann fühlst du dich wie tot. Wenn also so viele Rennen auf dem Programm stehen, ist das nicht so toll."

Doch Giovinazzi und seine Fahrerkollegen sind sich darin einig, dass die Fahrer nicht die größte Belastung zu ertragen haben. "Als Fahrer", sagt Giovinazzi, "kommst du Mittwochabend oder Donnerstag an der Strecke an und bist am Sonntagabend wieder weg. Das macht es einfacher für uns, nicht aber für viele andere Mitglieder des Teams."

Laut McLaren-Fahrer Daniel Ricciardo sind die Mechaniker der Teams "am meisten gefordert", weil sie oftmals als Erste anreisen und als Letzte abreisen, dazwischen praktisch pausenlos unter Strom stehen und lange Arbeitstage haben. "Das schlaucht schon", sagt Ricciardo.

Was ist wichtiger: Finanzielle Interessen oder die Gesundheit?

Das sieht auch Mick Schumacher so. Er könne zwar in seinem ersten Jahr in der Formel 1 noch nicht allzu viel darüber sagen, aber natürlich zeige sich auch innerhalb des Haas-Teams, "wie es alle zu schaffen macht", erklärt Schumacher. Er fügt hinzu: "Ich sehe, dass es hart ist. Und manchmal ist es besser, Qualität statt Quantität zu haben."

Letzteres aber steht im Kontrast zu den Plänen von Liberty Media, den Rennkalender immer weiter auszubauen auf bald 23 Grands Prix. Stroll kann diesen Trend nachvollziehen: "Die Formel 1 ist nun mal ein Business. Und es gibt einen finanziellen Anreiz, die Anzahl der Rennen zu erhöhen und den Sport expandieren zu lassen, möglichst viele Länder zu besuchen." Das dürfe aber nicht zulasten der Teilnehmenden geschehen.

Denn auch die Fahrer geben an, dass Tripleheader und immer noch mehr Rennen ihre Spuren hinterlassen. "Die ganzen Verpflichtungen drumherum, diese externen Faktoren, auch das kann dich müde machen", sagt Ricciardo. "Der Kalender macht dich müde, denn die Formel 1 ist so intensiv, die Rennen sind körperlich anspruchsvoll."

Sein McLaren-Teamkollege Lando Norris ergänzt: "Es ist ja nicht so, dass wir Fahrer vier, fünf Tage lang frei haben zwischen den Rennen. Da geht schon sehr viel mehr vor sich. Und das belastet jeden hier."

Unterm Strich aber hätten die Fahrer keine Wahl, sagt Norris. Man müsse sich fügen: "Die Situation ist, wie sie ist. Du musst einfach schauen, wie du damit klarkommst."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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