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Formel-1-Lenkrad erklärt: Was die ganzen Knöpfe tun

Formel-1-Lenkräder sind über die Jahre immer komplexer und sehen längst nicht mehr aus wie jene von Straßenautos - Was die einzelnen Knöpfe heute bedeuten

Formel-1-Lenkrad: Wozu sind die ganzen Knöpfe eigentlich gut?

Formel-1-Autos sind unglaublich komplex. Ihre Entwicklung und ihr Bau nehmen mehrere Jahre und Millionen von Euro in Anspruch, bevor sie auf die Rennstrecke gehen. Eine Schlüsselkomponente dabei ist das Lenkrad.

Natürlich ist es für jedes Auto unverzichtbar, aber das Formel-1-Lenkrad ist anders als jedes andere, das man auf der Straße sieht. Denn im Laufe der Jahre hat es sich von einfachen Lenkrad zu einer hochmodernen Version entwickelt. Wir blicken auf seine Entwicklung zurück und erklären seine heutige Funktionsweise.

Die Entwicklung des Formel-1-Lenkrads

Ein Formel-1-Lenkrad hat nicht immer so ausgesehen wie heute. In den Anfangsjahren hatte es deutliche Ähnlichkeiten mit dem durchschnittlichen Lenkrad eines Straßenautos.

Denn als Juan Manuel Fangio, Stirling Moss und Co. in den 1950er-Jahren Rennen fuhren, war die Technik der Formel 1 noch nicht so weit fortgeschritten. Ein einfaches Lenkrad aus Holz und Aluminium war alles, was ihnen zur Verfügung stand, um das Auto zu steuern. Aber im Laufe der Jahre gab es unweigerlich Veränderungen.

In den 1960er-Jahren, als die Technik noch recht einfach war, wurde der hölzerne Lenkradkranz für mehr Grip mit Leder umwickelt. Bis Mitte der 1970er-Jahre, als der erste Knopf auftauchte, gab es kaum Änderungen an der Spezifikation der 1960er.

Bei diesem Knopf handelte es sich um einen Not-Aus-Schalter für die Zündung. Zu dieser Zeit waren die Formel-1-Motoren mit Drosselklappen ausgestattet, die dazu neigten, sich zu öffnen, wenn sich Schmutz im Mechanismus festsetzte.

Der Schalter ermöglichte es den Fahrern, den Motor schnell abzuschalten, bevor sie in eine Begrenzung prallten. Dies gab den Anstoß für wichtige Veränderungen in den Folgejahren.

In den 1980er-Jahren wurde die Lederummantelung durch Wildleder ersetzt, was viel Zustimmung fand. Stefan Johansson, der zwischen 1980 und 1991 in der Formel 1 fuhr, bezeichnete es als die erste "wirkliche Verbesserung", weil es ihm durch die bessere Haftung ein besseres Gefühl für das Auto gab.

Lenkräder von Mansell, Prost, Patrese, Senna und Berger

Die Form des Lenkrads unterschied sich schon damals von Fahrer zu Fahrer

Foto: Giorgio Piola

Dann begannen die Fahrer, Lenkräder zu verlangen, die speziell auf ihren Fahrstil abgestimmt waren. Nigel Mansell ließ oft viel Kraft auf das Lenkrad wirken und entschied sich daher für einen viel dickeren Griff, während Ayrton Senna das Gegenteil wollte, weil der dreifache Weltmeister eine sanftere Fahrweise hatte.

Das Lenkrad muss schnell abnehmbar sein

In den 1980er-Jahren kamen mehr und mehr Gadgets zum Einsatz. Eines davon war ein Quickrelease-Mechanismus, mit dem sich die Lenkräder leicht abnehmen ließen. Wichtig, weil die Cockpits zunehmend kleiner wurden.

Dadurch war das Lenkrad beim Aussteigen aus dem Auto kein großes Hindernis mehr, was vor allem in Notfällen hilfreich war. Wenn ein Auto Feuer fing, musste der Fahrer schnell aussteigen können. Dafür war ein Quickrelease-Mechanismus unerlässlich.

Außerdem wurde die Funktaste eingeführt, damit Teams und Fahrer während des Rennens besser miteinander kommunizieren konnten. Einige Lenkräder hatten zudem eine "Boost"-Taste, die das Überholen erleichterte. Diese Änderungen waren jedoch unbedeutend im Vergleich zu dem, was im Jahr 1989 geschah.

Ferrari debütiert Schaltwippen am Lenkrad

Damals setzte Ferrari als erstes Team ein halbautomatisches Getriebe ein. Hier ersetzten zwei Schaltwippen hinter dem Lenkrad das Kupplungspedal. Die Fahrer wurden dadurch schneller, und es half, Platz zu sparen und Gewicht zu reduzieren.

Das war eine Revolution. Andere Teams zogen in den 1990er-Jahren nach, was zur nächsten großen Veränderung führte: Die Form des Lenkrads wurde rechteckig und nicht mehr rund.

Mehr und mehr Knöpfe auf dem Lenkrad

Im Laufe der Zeit kamen weitere Knöpfe hinzu, wie ein Geschwindigkeitsbegrenzer für die Boxengasse und Drehknöpfe, mit denen die Fahrer verschiedene Einstellungen für ihr Auto wählen konnten.

Um die Jahrtausendwende wich der Wildlederbezug Gummi und die Fahrer begannen, das Lenkrad noch intensiver an ihre Hände anzupassen, was wiederum zu einem besseren Gefühl für das Auto beitrug.

Mit weiter voranschreitender Technologie kamen immer mehr Knöpfe hinzu, sodass die Fahrer bei jeder Einstellung noch präziser vorgehen konnten. Das bedeutete auch, dass sie ihren technischen Verstand weiterentwickeln mussten, weil es jetzt noch so viel mehr zu tun gab als "nur" das Auto zu pilotieren.

Ein Display direkt auf dem Lenkrad

Die kleineren Optimierungen wurden bis 2014 fortgesetzt, als es eine weitere große Änderung gab. Denn zu Beginn der Turbo-Hybrid-Ära wurde ein LCD-Bildschirm am Lenkrad angebracht, sodass die Fahrer während des Rennens eine Vielzahl von Daten empfangen und entsprechende Entscheidungen treffen konnten.

2020 sorgte Mercedes dann mit der Einführung der zweiaxialen Lenkung (DAS) für Aufsehen. Durch Ziehen des Lenkrads konnten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas die Vorspur beeinflussen, indem sich die Vorderräder minimal nach innen drehten - mit einem positiven Effekt auf die Reifentemperatur. Durch Drücken des Lenkrads nach vorne gelangten die Räder in ihre Ursprungsposition.

Die Funktionsweise der zweiaxialen Lenkung bei Mercedes

Die Funktionsweise der zweiaxialen Lenkung bei Mercedes

Foto: Giorgio Piola

Die Teams stellten die Rechtmäßigkeit des Systems damals in Frage, aber Mercedes hielt sich an die Regeln und das DAS-System durfte bis 2020 beibehalten werden.

Das änderte sich jedoch schnell, denn DAS wurde für 2021 und darüber hinaus verboten. Dennoch war es ein weiterer Hinweis darauf, dass Lenkräder für mehr als nur das Steuern eines Formel-1-Autos verwendet werden können.

Welche Knöpfe gibt es auf einem Formel-1-Lenkrad?

Als die ersten Knöpfe auf dem Formel-1-Lenkrad auftauchten, wurde alles sehr komplex. Die Fahrer müssen während des Rennens mit vielen Dingen jonglieren, bei denen die Betätigung eines falschen Knopfes unerwünschte Folgen haben kann.

So zum Beispiel in Aserbaidschan 2021: Beim Restart in Runde 50 blockierten Lewis Hamiltons Räder in Kurve 1, was ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. Der Grund: Der Mercedes-Pilot hatte versehentlich den "magischen" Knopf auf der Rückseite seines Lenkrads betätigt, der dazu dient, die Vorderreifen schnell aufzuheizen, was in der Einführungsrunde nützlich ist, aber nicht unter Rennbedingungen.

In der Anfahrt auf Kurve 1 betätigte Hamilton versehentlich den Schalter, wodurch sich die Bremsbalance zu etwa 90 Prozent auf die Vorderachse verlagerte, während sie normalerweise bei 55 bis 60 Prozent liegt, sodass seine Reifen blockierten und der siebenfache Weltmeister von der Strecke abkam.

Trotz aller Bemühungen der Teams passiert es manchmal, dass man den falschen Knopf drückt. Das ist bei der Menge an Knöpfe auch nicht verwunderlich.

Was die einzelnen Lenkrad-Knöpfe bedeuten und bewirken

In der folgenden Auflistung sind alle Lenkrad-Knöpfe und ihre Funktion zusammengefasst:

DRS: Aktiviert das Drag-Reduction-System (DRS), das den Heckflügel öffnet, um den Luftwiderstand zu verringern und die Höchstgeschwindigkeit zu erhöhen.

Skip 1/10 Preset: Verwaltet die kritischen Kontrollsensoren am Auto und an der Antriebseinheit.

Gearbox Neutral: Schaltet das Auto in den Leerlauf und ermöglicht das Anhalten.

Pitlane Speed: Wenn der Geschwindigkeitsbegrenzer für die Boxengasse aktiviert ist, kann das Auto nicht schneller fahren als zum Zeitpunkt des Tastendrucks, selbst wenn der Fahrer Vollgas gibt.

Pit Confirm: Sagt dem Team, dass es sich auf einen Boxenstopp vorbereiten soll, weil der Fahrer in Kürze an die Box kommen wird.

Differential: Steuert das Differential - die Drehmomentübertragung zwischen den Hinterrädern - für den Eingang, den Scheitelpunkt und den Ausgang einer Kurve.

Engine Braking: Stellt ein, wie stark der Motor das Auto abbremst, wenn der Fahrer nicht auf dem Gas oder der Bremse steht.

Brake Balance: Ändert die Bremsbalance des Fahrzeugs entweder auf die Vorder- oder die Hinterräder.

Mark: Kennzeichnet einen interessanten Punkt in den Daten, wie vom Fahrer angegeben.

Accept: Bestätigt die mit Skip 1/10 ausgewählten Standardmodi.

Race Start: Bereitet das Fahrzeug auf einen Rennstart vor, bei dem die maximale Leistung genutzt wird.

Radio: Wird gedrückt, wenn der Fahrer mit dem Kommandostand an der Boxenmauer sprechen will.

Start Mode Rotary: Ein Drehrad, mit dem die Modi der Power-Unit wie die Leistung des Verbrennungsmotors eingestellt werden können.

Menu Rotary: Ermöglicht es dem Fahrer, verschiedene Parameter des Fahrzeugs zu ändern, zum Beispiel die Funklautstärke oder die Helligkeit des digitalen Lenkradbildschirms.

HPP Rotary: Steuert ebenfalls die Einstellungen der Power-Unit wie etwa das Energiemanagement.

LEDs: LED-Leuchten zeigen an, wann geschaltet werden muss, und einige zeigen auch an, welche Farbe die Flaggen der Streckenposten haben.

Paddle Shifts: Hinter dem Lenkrad befinden sich zwei Schaltwippen, die zum Schalten verwendet werden. Normalerweise ist die linke Schaltung für das Herunterschalten, die rechte für das Hochschalten.

Benutzen alle Formel-1-Teams die gleiche Art von Lenkrad?

Jedes Formel-1-Team hat sein eigenes, einzigartiges Lenkrad, denn es ist eines der Dinge, die der Fahrer steuern kann. Deshalb wollen sie es ihren Bedürfnissen anpassen.

Lenkrad von Carlos Sainz in der Formel-1-Saison 2024

Lenkrad von Carlos Sainz in der Formel-1-Saison 2024

Foto: Giorgio Piola

Insofern wird viel Zeit und Mühe in das Design gesteckt, damit sich der Fahrer im Auto wohlfühlt. Alpine hat zum Beispiel ein Lenkrad, das runder ist als das seiner Konkurrenten. Und Williams hielt bis 2023 an einem Lenkrad ohne integriertes Display fest, wechselte aber zur Saison 2024 auf die Version mit Display, wie sie alle anderen Teams nutzen.

Ferrari hat ein großes Lenkrad mit bis zu sechs Drehknöpfen, während Mercedes nur drei hat. Bei Red Bull finden sich wiederum im Vergleich deutlich weniger Knöpfe. Das macht es den Fahrern unter Umständen leichter, sich mit den einzelnen Knöpfen zurechtzufinden, und minimiert das Risiko, den falschen Knopf zu betätigen.

Aber unabhängig davon, wie viele Knöpfe ein Lenkrad hat, ist jeder Knopf je nach Team an einer anderen Stelle angebracht. Daher gleicht kein Lenkrad dem anderen, und die Teams entwerfen ein Lenkrad, das speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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