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Formel Langweile? Hamilton hat Verständnis, wenn Zuschauer abschalten

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Formel Langweile? Hamilton hat Verständnis, wenn Zuschauer abschalten
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble

Lewis Hamilton gesteht, dass er in Spa als Zuschauer vermutlich nach dem Start abgeschaltet hätte - Das sei aber nicht die Schuld der Fahrer oder von Mercedes

Das Formel-1-Rennen in Belgien am vergangenen Sonntag wird - vorsichtig formuliert - nicht als eines der besten in die Gesichtsbücher der Königsklasse eingehen. Hätte Esteban Ocon Alexander Albon nicht in der letzten Runde noch überholt, dann wären die Top 6 genau in der Reihenfolge ins Ziel gekommen, in der sie 44 Runden zuvor gestartet waren.

Natürlich kann nicht jedes Formel-1-Rennen ein Klassiker sein, doch nach Spa sagen nun selbst einige Fahrer und auch Offizielle, dass die Königsklasse aktuell ein Problem mit langweiligen Rennen beziehungsweise einer langweiligen Meisterschaft habe. Dazu zählt auch WM-Leader Lewis Hamilton, der Verständnis dafür hat, wenn einige Fans aktuell abschalten.

"Ich kann nicht für die Fans sprechen", sagt Hamilton, der allerdings verrät, dass er als Fan selbst die Ära von Michael Schumacher und Ferrari miterlebt habe. "Ich weiß also, wie sich das anfühlt", so der Brite, der in diesem Jahr vor seinem siebten WM-Titel steht. Er wisse, dass die aktuelle Mercedes-Dominanz für die Zuschauer nicht besonders interessant sei.

Seit dem Beginn der Hybridära im Jahr 2014 ist Mercedes in der WM ungeschlagen. Auf die Frage, wie er die Dominanz von "Schumi" und Ferrari in den 2000er-Jahren erlebt habe, antwortet er: "Daran erinnere ich mich nicht mehr. Ich war ein Teenager. [...] Wahrscheinlich habe ich den Start geguckt, bin schlafen gegangen und habe dann das Ende geguckt."

"Niemand möchte sehen, das ein Team dominiert"

"Wenn ich [am Sonntag in Spa] zugeguckt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich das gleiche gemacht und mir die Highlights angesehen, weil die viel kürzer sind", zeigt Hamilton Verständnis für die Zuschauer und ergänzt: "Außer ein Freund hätte mir gesagt, dass es im TV ein super spannendes Rennen zu sehen gibt, das man komplett sehen muss."

"Niemand möchte sehen, das ein Team in der Meisterschaft davonzieht", weiß auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der allerdings betont, dass es für seinen Rennstall keinesfalls so einfach sei, wie es von außen den Eindruck mache. Hinter den Kulissen betreibe man viel Aufwand. Es gehe in der Fabrik zum Beispiel darum, Upgrades und Teile rechtzeitig fertig zu bekommen.

Doch davon bekommt der TV-Zuschauer am Sonntag nichts mehr. Er sieht nur, dass Woche für Woche ein Mercedes das Rennen gewinnt - und das häufig ohne echte Konkurrenz. 2020 hat Mercedes sechs der bisherigen sieben Saisonrennen gewonnen, feierte dabei zwei Doppelsiege. Und auch der dritte Mann auf dem Podium steht meistens bereits vorher fest.

Von 21 Podestplätzen in diesem Jahr gingen satte 18 an Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und Max Verstappen im Red Bull. Weil Ferrari 2020 nicht konkurrenzfähig ist, ist es an der Spitze noch weniger abwechslungsreich als in den Vorjahren. Hamilton erklärt, dass die drei Toppiloten "sehr konstant" seien und im Normalfall keine keine Fehler machen.

Zu sehr festgefahren auf Einstoppstrategie?

Das sorgt dafür, dass die Podestplätze in der Regel bereits vergeben sind, bevor das Rennen angefangen hat. Bestenfalls geht es noch um die Reihenfolge. In Spa war nicht einmal das der Fall. "Es ist sehr schwierig, auf dieser Strecke zu überholen. Daher kann ich mir vorstellen, dass es wahrscheinlich [für die Zuschauer] nicht besonders aufregend war", weiß Hamilton.

"Für mich ist das noch immer eine massive Herausforderung", betont er allerdings auch. "Den Zuschauern macht es vielleicht nicht so viel Spaß, aber wenn man [im Auto sitzt], dann ist es etwas anders", so der Weltmeister, der aber auch gesteht: "Natürlich hätte ich gerne ein echtes Rennen." Das sei schließlich auch das, was die Fans sehen wollen.

Doch warum sind die Rennen aktuell häufig so wenig unterhaltsam? "Einstopprennen sind immer langweilig", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner und ergänzt: "Das sorgt nie für einen aufregenden Grand Prix." Es gehe ab einem gewissen Punkt für alle Piloten nur noch darum, die Reifen zu schonen, um keinen zusätzlichen Boxenstopp einlegen zu müssen.

Der Red-Bull-Teamchef spricht sich daher dafür aus, mehr Rennen mit zwei oder drei Stopps zu haben. "Ich denke, das würde etwas Abwechselung in die Reihenfolge und die Strategie bringen", so Horner, für den die Strategie der wichtigste Punkt ist, um die Rennen wieder spannender zu machen. Das sehen in der Formel 1 allerdings nicht alle so.

Neue Regeln? Seidl warnt vor Schnellschüssen

"Einige Rennen sind nicht besonders unterhaltsam. Aber bei anderen ist das Gegenteil der Fall", grübelt zum Beispiel Toto Wolff, und FIA-Rennleiter Michael Masi findet es "etwas hart", Einstopprennen grundsätzlich als langweilig zu bezeichnen. In der Vergangenheit habe es auch schon aufregende Rennen gegeben, in denen die Piloten nur einmal zum Service kamen.

Umgekehrt habe es auch schon langweilige Rennen mit mehr als einem Stopp gegeben. "Ich glaube, wir müssen mit vorschnellen Urteilen vorsichtig sein", sagt auch McLaren-Teamchef Andreas Seidl, der ebenfalls an unterhaltsame Einstopprennen in der Vergangenheit erinnert. Zudem findet er, dass das Rennen in Spa "abseits von den drei Autos vorne" auch gar nicht so schlecht gewesen sei.

"Es gab viele Überholmanöver und es ist eine Menge passiert", sagt Seidl im Hinblick auf Spa. Und tatsächlich gab es im Mittelfeld deutlich mehr Action als an der Spitze. Ist das "Problem" also lediglich, dass die Top 3 aktuell einfach zu weit weg vom Rest des Feldes sind? Seidl erinnert in diesem Zusammenhang an die neuen Regeln ab der Saison 2022.

Diese sollen das Feld enger zusammenbringen und engeres Racing zwischen den Autos ermöglichen. "Ich bin mir gar nicht sicher, ob es [davon abgesehen] so große Änderungen braucht", grübelt der McLaren-Teamchef. In den sozialen Medien fordern einige Fans nach Spa beispielsweise die Rückkehr der Tankstopps oder Änderungen bei den Reifenregeln.

Hamilton: Situation ist nicht unsere Schuld!

Doch sind solche Änderungen wirklich notwendig? Hamilton betont auf jeden Fall, dass solche Dinge nicht Angelegenheit der Fahrer seien. "Ich hoffe, dass die Leute verstehen, dass das nicht unsere Schuld ist. Letztendlich sind wir die Fahrer. Wir haben uns nach oben gearbeitet und unsere Postionen verdient. Wir geben jedes Wochenende unser Bestes", betont er.

"Die Entscheidungsträger, die die Autos designen, die Regeln und solche Dinge machen, sind diejenigen, denen man Druck machen könnte, in Zukunft einen besseren Job zu machen, wenn das möglich ist", so der Weltmeister, der ebenfalls auf das neue Reglement hofft. In diesem Zusammenhang hatte er Pirelli zuletzt aufgefordert, für 2022 bessere Reifen zu bauen.

Rennleiter Masi stellt sich allerdings schützend vor die Italiener und betont die enge Zusammenarbeit zwischen FIA, Formel 1, Teams und Pirelli. "Mario Isola ist bei vier oder fünf Events pro Jahr bei den Fahrermeetings dabei und gibt den Piloten und Teams ein Update, wo Pirelli steht und was sie tun möchten", so Masi, der klarstellt, dass Pirelli einen tollen Job mache.

Deswegen ist auch nicht zu erwarten, dass die Formel 1 die Reifenregeln ändern wird. Ein zweiter Hersteller ist beispielsweise keine Option, weil bei einem "Reifenkrieg" die Kosten explodieren würden. Es müssen also andere Wege gefunden, die Rennen wieder spannender zu machen. Denn wenn selbst der Weltmeister am TV abschalten würde, ist das kein gutes Zeichen.

Weiterer Co-Autor: Christian Nimmervoll, Luke Smith. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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