Wie Mercedes den Startcrash von Valtteri Bottas einordnet

Wie sich Valtteri Bottas selbst zu Kurve 1 in Ungarn äußert und wie Mercedes den folgenschweren Formel-1-Startcrash einordnet

Wie Mercedes den Startcrash von Valtteri Bottas einordnet

Valtteri Bottas spricht von einer "Fehleinschätzung" seinerseits, die zum Startcrash beim Ungarn-Grand-Prix der Formel-1-Saison 2021 geführt hat. Der Zwischenfall in Kurve 1, ausgelöst durch Bottas, besiegelte die Ausfälle von Sergio Perez und Lando Norris und beschädigte das Auto von Max Verstappen schwer. Auch Bottas selbst konnte nicht mehr weiterfahren.

Der Mercedes-Fahrer aus Finnland gibt sich daher kleinlaut: "Mein Fehler. In der Wiederholung erkenne ich, dass ich das Chaos in Kurve 1 verursacht habe, zumindest ganz vorne."

Er habe sich hinter dem McLaren von Norris schlicht vertan. "Der Bremspunkt und das Gripniveau waren schwierig einzuschätzen", erklärt Bottas. "Als ich bremste, erkannte ich sofort, dass es zu spät war. Danach kannst du aber nichts mehr tun, vor allem, wenn du direkt hinter einem anderen Auto liegst."

Hat sich Bottas von Norris irritieren lassen?

Mercedes' leitender Renningenieur Andrew Shovlin sieht das genauso: "Valtteri lag vor Kurve 1 hinter Lando, was ihn Abtrieb gekostet haben dürfte, und dann hat er den Bremspunkt falsch eingeschätzt, die Räder blockierten. Im Nassen bist du dann ein Passagier."

Ob ihn der vor ihm fahrende Norris irritiert habe, wird Bottas gefragt. "Vielleicht ein bisschen", meint er. Norris hatte Bottas kurz nach dem Start überholt und war dann direkt vor ihm von rechts kommend eingeschert.

"Man verliert dann ein bisschen den Überblick, wo man sich genau befindet in Relation zu Kurve 1", sagt Bottas, will das aber nicht als Ausrede vorschieben: "Ich hätte halt früher bremsen sollen."

Bottas akzeptiert die Strafe

Deshalb nehme er den Zwischenfall an sich auch vollends auf seine Kappe und akzeptiere die Strafversetzung um fünf Positionen in der Startaufstellung zum Belgien-Grand-Prix in Spa.

O-Ton Bottas: "Ich habe mir selbst Schaden zugefügt, aber auch anderen. Also ja, das nehme ich hin. Ich versuche nicht, jemand anders die Schuld in die Tasche zu schieben."

Zumal Bottas keine weiteren Konsequenzen zu fürchten hat. Laut Mercedes-Teamchef Toto Wolff wird diese Szene die Zukunftsplanung "überhaupt nicht" beeinflussen. Bottas hat sich mit dem Unfall also nicht eine mögliche Vertragsverlängerung bei Mercedes verbaut.

Mercedes profitiert, aber sagt das nicht ...

Es sei einfach "extrem unglücklich" gelaufen in Kurve 1, sagt Wolff. Auch er beteuert: "Das geht auf uns, dass er da den Norris und die beiden Red Bull abgeräumt hat. Er hat fünf Plätze Grid-Penalty für das nächste Rennen. Das müssen wir nehmen, weil die Konsequenzen natürlich für die drei Fahrzeuge enorm waren."

Valtteri Bottas steigt aus nach dem Startcrash

Valtteri Bottas steigt aus nach dem Startcrash

Foto: Jerry Andre / Motorsport Images

Was Wolff hier nicht sagt, aber ebenfalls eine Folge des Startcrashs ist: Lewis Hamilton ist jetzt Tabellenführer in der Fahrerwertung, weil Verstappen mit beschädigtem Auto nur knapp in die Top 10 gefahren ist. Und Mercedes hat Red Bull in der Konstrukteurswertung überholt.

Wie die Sportkommissare bewertet haben

Dergleichen aber spielt für die Sportkommissare bei der Bewertung von Zwischenfällen aber keine Rolle, betont Formel-1-Rennleiter Michael Masi. Er sagt: "Es geht nur um den Zwischenfall an sich. Der wird bewertet, nicht das Ergebnis davon."

Im Fall Bottas hätten die Sportkommissare mehrere Sanktionsmöglichkeiten gehabt. "Man kann drei, fünf, zehn Positionen zurückversetzen oder einen Boxengassen-Start ansetzen, was auch immer", sagt Masi. Eine Rückversetzung um drei Plätze sei als zu gering erachtet worden, deshalb habe man das nächsthöhere Strafpensum gewählt.

Kritik an der Strafe durch Red-Bull-Teamchef Horner

Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dessen beide Fahrer von Bottas' Aktion in Kurve 1 betroffen waren, ist davon nicht begeistert. Er meint: Die Strafversetzung gegen Bottas wird auf den langen Geraden in Spa-Francorchamps praktisch verpuffen.

"In zwei Runden dürfte er dort die Positionen wieder gutgemacht haben", meint Horner. "Wenn es ihn aber auf einer Strecke wie hier trifft, dann hat es größere Folgen."

Sergio Perez

Am Haken: Sergio Perez musste das Rennen nach dem Crash aufgeben

Foto: Motorsport Images

Und einen verbalen Seitenhieb in Richtung Mercedes kann sich Horner nicht verkneifen, wo sich der Schaden bei der Sternmarke angesichts der veränderten WM-Situation in Grenzen hält: "[Bottas] hat doch gute Arbeit geleistet für das Team, oder nicht?"

Wo Mercedes "mildernde Umstände" erkennt

Shovlin hält die Szene in Kurve 1 allerdings für "nicht seinen besten Moment" und meint: "Da kann er sich nur entschuldigen." Genau das hat Bottas noch am Abend in Ungarn auch gemacht, indem er persönlich bei Perez und Norris vorstellig wurde.

Sein Team aber erkennt auch "mildernde Umstände", so Shovlin. Wolff etwa verweist darauf, dass Bottas kurz vor dem Crash zwischen zwei Autos eingeklemmt worden sei. O-Ton: "Er landete im Sandwich der beiden Fahrzeuge vor ihm, hat allen Abtrieb verloren, und dann war es schon zu spät."

Der Anfang vom Ende: Bottas' Start

Eingeleitet worden sei die Situation aber wahrscheinlich schon beim Rennstart, als Bottas "schlecht weggekommen" sei, meint Wolff weiter. Auch Shovlin bezeichnet den Start von Bottas als "schlecht", zumal der Finne von P2 kommend gleich von (unter anderem) Norris kassiert wurde, der in der Startaufstellung nur P6 belegt hatte.

Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas nach dem Startcrash beim Grand Prix von Ungarn der Formel 1 2021 in Budapest, den er ausgelöst hat

Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas nach dem Startcrash beim Grand Prix von Ungarn

Foto: Motorsport Images

Bottas selbst spricht von "keinem tollen Start" und darüber, dass er "zuletzt ein paar schlechte Starts" gehabt habe. "Das müssen wir analysieren und daraus lernen."

Für Ungarn sei er sich beim reinen Startvorgang aber keines eigenen Fehlers bewusst: "Es gibt gewisse Vorgaben [für alle Reifensorten], wann wir die Kupplung kommen lassen. Ich war bei den Intermediates auf den Punkt richtig, hatte aber trotzdem durchdrehende Räder. In der Einführungsrunde war mir das nicht passiert."

Deshalb hat Bottas zumindest eine Vermutung, was sein schwaches Losfahren eingeleitet haben könnte: "Ich habe gesehen, dass ich in der Einführungsrunde etwas Temperatur in den Reifen verloren hatte. Das könnte die Ursache gewesen sein." Für den schlechten Start und in der Konsequenz auch für den Startcrash in der ersten Kurve.

"Es ist halt schwierig", sagt Bottas, "mit der ganzen Gischt und weil du nicht weißt, wie viel Grip du hast, vor allem nicht direkt hinter einem anderen Fahrzeug. Aber ich akzeptiere den Fehler."

Weitere Co-Autoren: C. Nimmervoll. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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