Pace von Ferrari: Klare Ansage von Frederic Vasseur
Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur ist nach dem Saisonauftakt in Australien überzeugt - Das Qualifying-Ergebnis spiegelt nicht die wahre Stärke des SF-26 wider
Charles Leclerc vor George Russell: Ferrari glaubt, noch mehr Potenzial zu haben
Foto: LAT Images
Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur ist überzeugt: Die Scuderia wurde beim Formel-1-Saisonauftakt 2026 in Australien im Qualifying unter Wert geschlagen. Das deutlich stärkere Rennen am Sonntag in Melbourne sei laut dem Franzosen wesentlich repräsentativer für die wahre Pace des SF-26.
Die Italiener beendeten den Grand Prix auf den Plätzen drei und vier - hinter dem Mercedes-Duo George Russell und Kimi Antonelli, die bereits im Qualifying die erste Startreihe unter sich ausgemacht hatten.
Zwischenzeitlich sah es sogar nach mehr aus: Charles Leclerc lieferte sich ein packendes rundenlanges Duell mit Russell um die Führung. Doch die Entscheidung der Strategen aus Maranello, während einer virtuellen Safety-Car-Phase nicht an die Box zu kommen, warf den Monegassen letztlich auf Rang drei zurück, direkt vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton.
Sonntag die wahre Pace?
Dennoch ist der Performance-Sprung im Vergleich zum Samstag beachtlich. Dort landete Leclerc nur auf Rang vier, Hamilton auf der sieben - mit massiven Abständen von 0,809 beziehungsweise 0,960 Sekunden auf die Poleposition. Ein herber Dämpfer am ersten Wochenende des neuen Reglements.
"Das Gefühl ist eher positiv", bilanziert Vasseur. "Wir hatten einen schwierigen Samstag und haben gestern wohl einfach nicht alles zusammengebracht. Acht Zehntel Rückstand waren hart, aber heute konnten wir einen Teil davon wieder wettmachen."
Für Vasseur ist vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit wichtig: "Es ist gut, beide Autos vorne mitmischen zu sehen. Wir wissen, dass wir eine sehr lange Liste an Verbesserungen vor uns haben - aber das gilt für jeden in der Startaufstellung. Der Ausgang der Saison wird davon abhängen, wie schnell wir entwickeln und Upgrades produzieren können. Das wird für alle der Schlüssel sein. Ich starte lieber in guter Form als in schlechter, aber es ist noch ein weiter Weg."
Raketenstart von Ferrari
Ein entscheidender Faktor für Leclercs frühen Angriff auf den Sieg war sein Blitzstart, mit dem er sich sofort in Kurve 1 an die Spitze setzte. Schon bei den Testfahrten deutete sich an, dass Ferrari beim "Launch" derzeit das Maß der Dinge ist.
Hintergrund sind die geänderten Startprozeduren der 2026er-Ära: Durch den Wegfall der MGU-H müssen die Fahrer die Motoren nun deutlich höher und länger drehen lassen. Das macht den Start komplexer. Während Teams wie Mercedes und Red Bull in Melbourne offenbar Probleme mit dem Batteriemanagement beim Erlöschen der Ampel hatten, wirkte Ferrari bereits bei den Probestarts in Bahrain am besten sortiert.
Vasseur warnt jedoch davor, dies als Dauerzustand zu sehen: "Wir haben einen guten Start erwartet, aber es ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Das Fenster ist extrem schmal. Heute ging die Ampel zudem sehr schnell aus, davon waren wohl alle etwas überrascht. Der Start war gut, aber das ist keine Garantie für den Rest der Saison."
China ein ganz anderes Blatt
"Wir haben gestern sicher nicht die beste Session unseres Lebens gezeigt, aber wir waren dran", so der Franzose weiter. "Heute war die Rennpace wahrscheinlich etwas besser. Es war schwierig, aber im Vergleich zu McLaren, Red Bull und Mercedes scheinen wir im Rennen einen Schritt voraus zu sein. Aber nochmals: Es ist nur ein Event, das erste. Wir haben eine riesige Liste an Dingen, die wir besser machen müssen - aber das haben meine Konkurrenten auch."
Schon am kommenden Wochenende in China könnte das Blatt laut Vasseur wieder ganz anders aussehen, da die unterschiedlichen Streckencharakteristika unter dem 2026er-Reglement schwerer ins Gewicht fallen dürften.
"In Sachen Energie ist China fast das Gegenteil von hier", erklärt Vasseur. "Die Bedingungen werden viel kälter sein und wir haben das Sprint-Format. Das bedeutet weniger Zeit, um die Strategie anzupassen. Es wird eine völlig andere Aufgabe. Warten wir ab, wo wir nächste Woche stehen."
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