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Steiner über Haas-Baustellen: "Fahrer sind mein geringstes Problem ..."

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Steiner über Haas-Baustellen: "Fahrer sind mein geringstes Problem ..."
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
12.07.2019, 09:41

Sportlich läuft es für Haas in der Formel-1-Saison 2019 nicht wie erhofft - In den ersten neun Rennen sammelte lediglich Sorgenkind Williams weniger WM-Punkte

Das verflixte vierte Jahr? Obwohl Haas in der Saison 2019 kein schlechtes Auto hat, droht der US-Truppe im vierten Formel-1-Jahr das bislang schlechteste WM-Ergebnis. Nach den ersten neun Rennen steht das Team um Teamchef Günther Steiner in der Weltmeisterschaft nur auf dem neunten und vorletzten Platz. 2018 hatte man die WM noch als starker Fünfter beendet.

Und selbst in den Anfangsjahren 2016 und 2017 wurde man jeweils WM-Achter und konnte unter anderem Teams wie Renault und McLaren hinter sich lassen. "Ich habe immer gesagt, dass wir irgendwann einen Schritt rückwärts machen werden", gibt sich Steiner jedoch ganz unaufgeregt. Im Sport sei es "normal", dass es nicht immer nur noch oben gehe. In Panik verfalle er deswegen nicht.

"Es ist wie im Leben. Man kann nicht immer gute Tage haben", zuckt er die Schultern und ergänzt: "Es geht mehr darum, wie wir reagieren. Die Herausforderung ist es jetzt, dass alle fokussiert bleiben und in die richtige Richtung arbeiten." Steiner erklärt: "Es kann nicht immer weiter nach oben gehen. Das Seltsame ist, dass wir kein schlechtes Auto haben. Mit einem schlechten Auto kann man sich nicht als Fünfter qualifizieren."

Haas entweder weit vorne oder weit hinten

Beim vergangenen Rennen in Österreich erreichte Kevin Magnussen im Qualifying genau diese Position. Im Rennen spielten er und Teamkollege Romain Grosjean dann aber keine Rolle mehr. Laut Steiner sei die "pure Performance" des VF-19 für den fünften Platz im Qualifying verantwortlich gewesen. "Natürlich hat auch der Fahrer seinen Anteil, aber ohne das Auto wäre das nicht möglich", erklärt er.

Das Problem des Teams besteht darin, genau diese Performance regelmäßig abzurufen. "In Australien und Barcelona waren unsere Ergebnisse ziemlich gut, und in Monaco waren wir auf einem guten Weg, bis das Safety-Car kam. Ich würde sagen, wir müssen einfach die Rennpace finden", ist sich Steiner bewusst. Denn aktuell heißt es bei Haas zu oft "Top oder Flop".

So war Haas in den von Steiner angesprochenen Rennen jeweils an der Spitze des Mittelfelds zu finden. In den anderen Rennen hingegen war man teilweise ganz weit weg von der Musik. Seit drei Rennen ist das Team komplett punktlos. Kein Geheimnis ist, dass Haas große Probleme hat, die Reifen ins richtige Fenster zu bekommen. Eine Lösung dafür zu finden, ist aber gar nicht so leicht.

Größere Probleme als die anderen Teams

Denn ein klares Muster ist laut Steiner nicht erkennbar. "Nein, und das Schwierige ist, dass wir selten die gleichen Reifen verwenden, und dass die Rennstrecken alle ganz unterschiedlich sind. Auch die Temperaturen sind immer anders. Es ist immer schwierig, das Fenster zu treffen", erklärt er. Weil sich die genannten Faktoren von Rennen zu Rennen ändern, macht das die Analyse schwierig.

"Alle betrifft das ein bisschen", weiß Steiner. "Wir haben größere Probleme damit, aber ich denke, dass das einer der Gründe ist, warum das Mittelfeld noch immer so eng zusammen ist. Die Hälfte der Saison ist vorbei, und nur McLaren ist etwas davongezogen. Der Rest ist noch immer sehr eng", erinnert er. Für Haas ist das ein Hoffnungsschimmer, denn in der WM ist noch nichts verloren.

Platz fünf ist lediglich 16 Punkte weg. Das Team hat also alle Möglichkeiten, die Saison noch zu retten - wenn man seine Probleme in den Griff bekommt. Ein größeres Update soll noch vor der Sommerpause in Hockenheim kommen. Weitere Updates sind geplant, aber noch ist nicht sicher, ob diese auch wirklich ans Auto kommen. "Man muss die Ergebnisse aus dem Windkanal abwarten", erklärt Steiner.

Schwierigste Phase in der Geschichte des Teams?

Und spätestens 2020 wird sich die Situation sowieso wieder ändern. "Wir haben das Versprechen von Pirelli, dass die Reifen im kommenden Jahr ein größeres Fenster haben werden", erinnert er. Das sollte Haas helfen. "Was man in diesem Jahr lernt, das wird auch im nächsten Jahr helfen", erklärt Steiner zudem. Er ist sich sicher, dass man bis Saisonende 2019 so oder so ein "besseres Verständnis" für die Reifen haben wird.

 

Klar ist aber auch, dass die Reifen die Entwicklung des Boliden für 2020 nicht übermäßig beeinflussen werden. "Wir können das Auto nicht so bauen, dass es zu den Reifen passt. Dann ändern sich die Reifen im nächsten Jahr, und man muss wieder von vorne anfangen", erklärt er die Gefahr. Doch zunächst geht es ohnehin darum, das Ruder 2019 noch einmal herumzureißen.

Auf die Frage, ob es aktuell die schwierigste Phase in der Geschichte des noch jungen Teams sei, antwortet Steiner: "Von der Performance her ist es eine ziemlich schwierige Phase, ja." Gleichzeitig sehe er das aber auch als Chance. "Jede Herausforderung ist eine Möglichkeit", erklärt er und stellt er klar, dass er nicht verzweifelt sei. "Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Rennsport, und es ist nicht das erste Mal, dass ich in so einer Situation bin", erinnert er.

Situation für Teammitglieder nicht leicht

"Man muss hart arbeiten. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann wird es auch wieder in Ordnung kommen", zeigt er sich optimistisch und nennt zwei Beispiele. "Als ich bei Ford [in der Rallye-WM] war, war das erste Jahr gut. Im zweiten Jahr brach unsere Performance dann brutal ein. [...] Das war eine ziemliche Herausforderung, und ich war noch viel jünger und viel unerfahrener."

 

Und auch in der Formel 1 sammelte Steiner nicht nur positive Erfahrungen. "Als ich [Anfang des Jahrtausends] zu Jaguar kam, war das Auto nicht gerade eine Rakete. Da muss man durch. Man lernt daraus und wird stärker", erklärt er. Gleichzeitig ist sich der 54-Jährige aber auch bewusst, dass viele Teammitglieder die Situation nicht so entspannt sehen wie er selbst.

"Ich denke, dass es für viele Leute schwierig ist, weil sie aus Teams kommen, die nach einer Weile aufgegeben haben. Oder sie haben ihren Job verloren, weil ein Team dichtgemacht hat. Natürlich machen sie sich Sorgen, denn viele haben eine Familie", weiß er und erklärt: "Es gibt keine bessere Motivation als Erfolg, das wissen wir alle. Wenn man nicht erfolgreich ist, dann muss man arbeiten, damit sie motiviert bleiben."

Fahrerfrage erst nach der Sommerpause ein Thema

Pläne, das Team zu vergrößern, gebe es aktuell nicht. "Wenn es talentierte Leute gibt, dann werden wir sie holen. Aber es ist nicht so, dass wir die Abteilung jetzt verstärken müssen oder 20 neue Leute einstellen müssen, um unsere Probleme zu lösen. Wir müssen einfach härter arbeiten", erklärt er. Und Sorgen, dass Teambesitzer Gene Haas den Stecker ziehen könnte, macht er sich ebenfalls nicht.

"Sein Commitment ist da", betont er und ergänzt: "Er weiß, dass es nicht immer nach oben geht. Ich würde nicht sagen, dass er mit der aktuellen Situation zufrieden ist." Das sei aber kein Problem, solange das Team nicht dauerhaft hinterherfahre. Offen ist derweil noch, wer 2020 im Cockpit sitzen wird. Lediglich Magnussen hat einen Vertrag für das kommende Jahr, Grosjean noch nicht.

"Wir schauen mehr darauf, dass wir das Auto zum Funktionieren bringen", winkt Steiner bei der Fahrerfrage jedoch ab. Er schließt aus, dass vor der Sommerpause eine Entscheidung fallen wird. Wichtig sei es aktuell nur, die Probleme am Auto in den Griff zu bekommen. Steiner betont: "Die Fahrer sind mein geringstes Problem ..."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Teams Haas
Urheber Ruben Zimmermann