Tripleheader waren gestern: Kommen bald vier Rennen hintereinander?

Die Formel 1 befindet sich auf Expansionskurs - In der Saison 2023 werden vermutlich 24 Rennen stattfinden, doch die Zusammenstellung des Kalenders ist ungewiss

Tripleheader waren gestern: Kommen bald vier Rennen hintereinander?
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Die Formel-1-Saison 2023 im kommenden Jahr könnte die längste aller Zeiten werden. Es wird von insgesamt 24 Rennen ausgegangen. Las Vegas wird erstmalig ein Grand Prix austragen, während das Rennen in Katar in den Kalender zurückkehren wird. Zudem wird viel über eine Rückkehr nach Südafrika und China spekuliert, wofür jedoch andere Austragungsorte ihren Platz räumen müssten.

So oder so: Die Anzahl an Grands Prix und die zunehmende Internationalisierung des Rennkalenders wird die Belastung der Teams weiter erhöhen. 2018 fand mit den Rennen in Frankreich, Österreich und Großbritannien der erste Tripleheader der Formel-1-Geschichte statt und die Beteiligten waren sich damals einig, dass man es bei diesem Versuch belassen sollte.

Jedoch sind drei Rennen in Folge mittlerweile ein fester Bestandteil des Kalenders geworden, während Doubleheader nun die Norm sind. Der Grand Prix von Miami 2022 war das letzte einzeln stehende Rennen der aktuellen Saison. Daher drängt sich die Frage auf, ob bei 24 oder mehr Saisonrennen bald auch vier Rennen in Folge an der Tagesordnung stehen?

Teamchefs rechnen nicht mit vier aufeinanderfolgenden Rennen

Ein solches Szenario spielen die Teamchefs herunter, als die darauf angesprochen werden. "Ich denke, diese Saison ist ein bisschen anders, weil wir am Ende die Fußballweltmeisterschaft haben und etwas früher als sonst aufhören", sagt Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur.

"Aber abwechselnd zwei Rennen hintereinander und dann ein Wochenende Pause zu haben, das ist ein gutes System, denke ich. Die Teams sind damit einverstanden und wenn man die Saison Anfang Dezember beendet, wie wir es in der Vergangenheit getan haben und nicht schon Mitte November, wird es auch viel einfacher sein, die Tripleheader zu vermeiden."

"Ich wäre überrascht, wenn wir vier Rennen hintereinander fahren würden", fügt McLaren-CEO Zak Brown hinzu. "Davon abgesehen denke ich, dass es auch davon abhängt, in welchem Teil der Welt man sich befindet, da alle Teams in Großbritannien oder Europa ansässig sind. Also, ob man aufeinanderfolgende Rennen hat, bei denen man zwischendurch nach Hause fahren kann oder ob man in Asien oder ähnlichen Regionen unterwegs ist."

Regionaler Kalender ist die Lösung

Klar ist, dass Formel-1-CEO Stefano Domenicali an einem regionalen Kalender für das kommende Jahr arbeitet, um die Logistik zu erleichtern. Ein Szenario wie Mitte Juni, als die Formel 1 direkt eine Woche nach Aserbaidschan im 9.000 Kilometer entfernten Montreal fuhr, soll in Zukunft vermieden werden.

"Ich denke, bei den Double- und Tripleheadern muss man sehen, wo sie stattfinden", sagt Williams-Teamchef Jost Capito. "Wenn sie sehr nahe beieinander liegen, ist es eine ganz andere Situation, als wenn sie in völlig unterschiedlichen Zeitzonen liegen. In verschiedenen Zeitzonen ist es für das Team sehr schwierig, aber wenn die Entfernung nicht so groß ist, dann ist es durchaus machbar."

"Den Kalender regionaler zu gestalten, ist meines Erachtens der richtige Weg", so Mike Krack, Teamchef von Aston Martin. "Tripleheader sind ein Killer für das Personal. Wenn wir diese beiden Dinge in den Griff bekommen, denke ich, dass wir 22, 23 oder 24 Rennen machen können."

McLaren-Teamchef Seidl: "2023 wird nicht anspruchsvoller als 2022"

Für den Rennkalender der Saison 2023 sehen die Teamverantwortlichen aufgrund der propagierten regionalen Zusammenstellung also keine Probleme. Da das voraussichtliche Saisonende wieder Mitte Dezember sein und auch ein Wintertest weniger stattfinden wird, bleibt zudem mehr Handlungsspielraum.

"Rein von der Anzahl der Veranstaltungen her wird die Saison 2023 nicht anspruchsvoller als die Saison 2022", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl. "Dieses Jahr haben wir zum Beispiel zwei Tests, nächstes Jahr nur einen. Als Ersatz haben wir wohl ein Rennwochenende mehr."

"Tests sind [vom Aufwand her] praktisch gleichwertig, wie ein Grand Prix", erklärt er. "Es ist also die gleiche Herausforderung. Ich hoffe aber, wir können mit den teamintern ergriffenen Maßnahmen jedem Teammitglied dabei helfen, die Saison nachhaltig bestreiten zu können."

AlphaTauri-Teamchef Tost: "Je mehr Rennen, desto besser"

"Unterm Strich kriegen wir somit hoffentlich einen Schritt nach vorne hin, aber ich sage nicht, dass es wirklich besser wird. Die Belastung für die Leute ist noch immer sehr hoch. Ich glaube aber, gerade wenn man die Rennen in einer anderen Reihenfolge anordnet und nach Regionen gruppiert, dann hilft das hoffentlich, es für alle Beteiligten nachhaltig zu gestalten", so Seidl.

AlphaTauri-Teamchef Franz Tost ist wie immer hart im Leben und sieht kein Problem an einer Ausdehnung des Kalenders: "Je mehr Rennen wir fahren, desto besser ist es und desto mehr Einnahmen haben wir. Deshalb freue ich mich auf die 24 Rennen."

"Am Ende des Tages dürfen wir nicht nur die Schattenseiten dessen sehen, was wir eigentlich tun, nämlich einen Job, den die halbe Welt gerne machen würde", fügt Vasseur hinzu. "Ich bin verliebt in das Geschäft und mir ist es egal, ob es 23 oder 24 Rennen sind."

Williams-Teamchef Capito: "Privileg in der Formel 1 zu arbeiten"

Laut Brown sei der Unterschied zwischen 23 oder 24 Rennen ohnehin "nicht signifikant", obwohl das Wohl der Mitarbeiter für McLaren sehr wichtig ist: "Das Wohlergehen unseres Rennteams, sowohl auf Reisen als auch in der Fabrik - weil sie viele Stunden arbeiten, auch wenn sie nicht reisen - ist immer von höchster Bedeutung."

"Aber ich denke, mit einer kleinen Optimierung und Regionalisierung des Kalenders kann die Zunahme der Rennen aufgefangen werden", sagt der McLaren-CEO. Captito stimmt zu: "Wir dürfen nicht vergessen, dass es immer noch ein Privileg ist, in der Formel 1 zu arbeiten und das wird es auch sein, wenn es 23 oder 24 Rennen werden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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