Unfall im Training, Patzer im Qualifying: Will Kimi Antonelli den Erfolg erzwingen?
Erst ein heftiger Unfall im Training, dann ein Patzer im Qualifying: Kimi Antonelli ist am Samstag nicht fehlerfrei geblieben - Was Mercedes-Teamchef Toto Wolff dazu sagt
Kimi Antonelli hat am Samstag einen heftigen Unfall gehabt
Foto: Getty Getty
Mit dem zweiten Startplatz direkt hinter seinem Teamkollegen George Russell kann Mercedes-Youngster Andrea Kimi Antonelli zufrieden sein. Doch der Weg dorthin war alles andere als einfach: Nach seinem heftigen Abflug im dritten Training musste der Italiener zittern, ob sein W17 überhaupt rechtzeitig einsatzbereit ist.
Der Abflug von Max Verstappen und die daraus resultierende Unterbrechung haben Antonelli letztlich die Teilnahme am Qualifying gerettet - ein glücklicher Zufall, der für den 19-Jährigen und sein Mercedes-Team auch anders hätte ausgehen können.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff bleibt dennoch gelassen. "Ich habe letztes Jahr schon gesagt: Es ist einfacher, jemanden auszubremsen, als einen Esel schnell zu machen", betont der Österreicher im Gespräch mit Sky UK und zeigt damit weiterhin großes Vertrauen in das Potenzial des jungen Italieners.
"Aber der Punkt ist, jemanden in seiner Energie im Auto zu dämpfen, das ist auch eine Frage von Zeit und Risiko-Ertrags-Verhältnis. Er hat nie das Gefühl, dass er zu viele Risiken eingeht, aber dann fährt er doch extrem am Limit - und das ist etwas, das er lernen wird."
Wie Antonelli seinen Unfall im Training erklärt
Antonelli erklärt seinen heftigen Unfall wie folgt: "Ich bin die Kurve viel aggressiver angefahren, und als ich über den Randstein fuhr, reagierte das Auto etwas seltsam", berichtet der Mercedes-Pilot. "Die Fahrzeughöhe hatte sich verringert, ich setzte auf, und als sich das Auto wieder hob, verlor ich die Kontrolle über das Heck."
"Ich sehe es nicht als großen Fehler", wimmelt der 19-Jährige jegliche Spekulationen um ein zu hohes Risiko ab. "Ich habe die Strecke etwas besser genutzt, also war es tatsächlich eine Fehleinschätzung. Aber, und das steht fest, es war ein kleiner Fehler mit sehr ernsten Konsequenzen."
"Wir hatten jetzt schon ein paar solcher Situationen, aber sie sind Teil seines Wachstums", ergänzt Teamchef Wolff und räumt ein: "Ja, es hätte anders laufen können." Doch gleichzeitig unterstreiche die schwierige Situation einmal mehr das Talent des Youngsters.
"Es grenzt an ein Wunder, dass das Auto überhaupt fahrbereit war und er diese Runde überhaupt geschafft hat", sagt der Österreicher. "Das Auto war ja nicht abgestimmt, wir konnten es nie richtig vermessen. Von der reinen Geschwindigkeit, dem Talent und dem Können her ist er absolut top."
Wolff: Antonelli darf sich nicht mit Russell vergleichen
"Mir war klar, dass das Set-up alles andere als optimal sein würde", betont auch Antonelli, der sich nach eigener Aussage "mental gut neu fokussieren" konnte. "Ich merkte sofort, dass das Auto stärker nach rechts zog und die Balance insgesamt unberechenbarer war als sonst. Es war schwierig, aber ich kann mich wirklich nicht beschweren."
Immerhin dürfe man auch nicht vergessen, dass Antonelli gerade erst sein zweites Formel-1-Jahr beginnt, während Teamkollege Russell bereits in seine achte Saison geht, mahnt Wolff: "Man braucht Erfahrung, deshalb wäre es für Kimi noch zu früh, sich mit George zu vergleichen."
Das kann in diesem Jahr allerdings passieren. "Ja, er war dieses Wochenende wirklich schnell, er ist ein super schneller Fahrer, und jetzt haben wir ein Auto, das ein bisschen Druck von dir nimmt", ergänzt Russell. "Wenn man Q1 einfach übersteht und Q2 leichter durchkommt, nimmt das ein bisschen Druck weg."
"Also bin ich sicher, er wird mir dicht auf den Fersen sein", glaubt der Brite, dass ihm sein junger Teamkollege in dieser Saison trotz der fehlenden Erfahrung gefährlich werden könnte, was den Qualifying-Schnellsten allerdings nicht aus der Ruhe bringt: "Ich bin bereit dafür."
Antonelli: "Zum Glück haben wir ein richtig gutes Auto"
Und wie lautet das Fazit von Antonelli? "Ja, es war ein sehr intensiver Tag", resümiert der 19-Jährige. "Aber die Mechaniker waren heute die Helden. Ein riesiges Dankeschön an sie, weil sie es mir ermöglicht haben, wieder auf die Strecke zu gehen."

Kimi Antonelli blieb auch im Australien-Qualifying nicht fehlerfrei
Foto: LAT Images
"Ich war sehr nervös, sehr gestresst vor der Session, weil es an einem Punkt so aussah, als würde ich es nicht schaffen", lässt der Mercedes-Pilot in seine Gefühlslage blicken. "Aber dann hatten wir offensichtlich auch Glück mit der roten Flagge, die uns ein bisschen mehr Zeit verschafft hat."
Das Qualifying selbst sei "knifflig" gewesen, erklärt Antonelli, "denn wir konnten das Auto nicht einmal einstellen. Wir sind einfach aus der Garage rausgefahren. Und am Ende konnten wir trotzdem in der ersten Startreihe stehen." Allerdings nicht ohne zusätzliche Probleme, darunter nicht nur der vergessene Lüfter.
"Meine erste Runde in Q3 war schlecht", erinnert der Mercedes-Youngster. "Ich habe mich in Kurve drei verbremst und bin von der Strecke abgekommen. Dadurch habe ich mich selbst etwas unter Druck gesetzt. Ich habe einfach versucht, eine saubere Runde zu fahren. Zum Glück haben wir ein richtig gutes Auto."
"Letztendlich ist der Startplatz in der ersten Reihe ein schönes Ergebnis, und angesichts der Umstände würde ich sagen, es ist sehr gut", zieht Antonelli ein zufriedenes Fazit. "Aber jetzt schlafe ich erst mal darüber - morgen hoffe ich auf einen Tag ohne unerwartete Probleme."
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