AMG-Kampf Sachsenring: Schiller trickste Marciello mit Masterplan aus

Fabian Schiller erläutert, wie ZVO Racing sich die Führung mit einem Schlachtplan von Landgraf Motorsport holte - Marciello über Gripunterschied erstaunt

AMG-Kampf Sachsenring: Schiller trickste Marciello mit Masterplan aus
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Einen der anerkannt besten GT3-Piloten der Welt auszutricksen, muss ein befriedigendes Gefühl sein. Fabian Schiller gelang im Samstagsrennen beim ADAC GT Masters auf dem Sachsenring das Unglaubliche: Er lockte Raffaele Marciello in der ersten Kurve in die Falle. Das Ergebnis eines detailliert ausgearbeiteten Plans vom Team ZVO.

"Wir hatten uns eine klare Strategie zurechtgelegt und die lautete: Wir müssen in der ersten Runde aggressiv vorgehen. Denn wir sind diejenigen, die Punkte aufholen müssen", sagt der 25-Jährige. Konkret sah der Plan vor, mit hohen Reifendrücken zu starten, um frühzeitig viel Grip zu haben. Die Strategie ging voll auf.

Gegenüber 'Motorsport.com Deutschland' fügt Schiller hinzu: "Mein Ziel war, in der Einführungsrunde den Reifen möglichst effektiv auf Temperatur zu bringen. Da haben wir im Vorfeld viel Arbeit reingesteckt." Zusammen mit dem von Anfang an erhöhten Luftdruck sollte ihm das den nötigen Grip für Kurve 1 verschaffen.

Und noch etwas half ihm dabei: "Für mich war von vornherein klar, dass ich Kurve 1 außen herum anbremsen würde. Es ist in der Bremszone für Kurve 1 gerade neben der Ideallinie sehr rutschig, die hat relativ wenig Grip. Ich würde also dort bremsen, wo der Grip ist. Wenn er an derselben Stelle wie ich bremsen würde, würde er die Kurve nicht bekommen."

Und genauso kam es dann auch. Marciello bremste innen an, rutschte im ABS aber über den Scheitelpunkt hinaus, die Lücke war da. Der Italo-Schweizer kann gegenüber 'Motorsport.com Deutschland' nur zugeben: "Ich habe nicht wirklich spät gebremst. Aber ich war aber überrascht, wie viel weniger Grip ich im Vergleich zu Fabi hatte." Über die Luftdrucksituation wusste er da noch nicht Bescheid.

Natürlich gab es die Kehrseite des erhöhten Luftdrucks dann im Laufe des ersten Stints für Schiller: " In den ersten zwei Runden hatten wir viel Grip, da waren wir schnell. Hinten heraus hat Lello dann Druck gemacht. Er war wirklich schnell unterwegs, aber es ist auf dieser Strecke schwer zu überholen. Deshalb konnten wir uns behaupten."

Gounon beim Fahrerwechsel "ein bisschen dämlich"

ZVO widerstand der Versuchung, früh reinzukommen, um Luftdruck aus dem Reifen zu nehmen. Weil der jeweils zweite Fahrer nach dem Boxenstopp seine ersten Runden des Tages fährt, hätte das die "Mamba" wahrscheinlich an die Spitze gespült. So aber stoppte Marciello zuerst und übergab an Daniel Juncadella, der sich erst einmal eingewöhnen musste.

Jules Gounon kam vor Juncadella raus und musste nur noch verwandeln. Die große Frage war nur noch, wie sich seine noch in der Heilungsphase befindlichen Rückenwirbel verhalten würden. Gounon stieg mit schmerzverzerrtem Gesicht ins Auto ein.

"Da war ich ein bisschen dämlich", sagt er. "Ich bin einfach zu stürmisch eingestiegen. Dabei haben wir hier sehr viel Zeit für den Stopp." Die Boxengasse ist relativ kurz, sodass viel Zeit für den Fahrerwechsel innerhalb der Boxenzeit bleibt. Aber danach habe ich meinen Rücken gar nicht mehr gespürt. Ich musste nur noch auf den Abstand schauen und das Rennen fertig fahren."

Gounon ist bekanntlich großer Fan des Sachsenrings. In Juncadella hat er nun einen weiteren Fan-Mitstreiter gefunden. Der Ex-DTM-Pilot fuhr zum ersten auf der Berg- und Talbahn und ist beeindruckt: "Das hat Spaß gemacht. Gerade der zweite Sektor mit all den Highspeedkurven macht wirklich Spaß. Wir sind Rennfahrer, wir mögen schnelle Kurven."

"Der Sektor ist sehr interessant. Man muss viel Feintuning betreiben. Zu Beginn meines Stints stand ich noch etwas auf verlorenem Posten. Dann bin ich in einen Rhythmus gekommen und hatte ein gutes Gefühl. Das ist gut für morgen."

Mit dem Sieg hat ZVO Racing unter Berücksichtigung der Qualifyingpunkte vier Punkte auf Landgraf am Samstag aufgeholt. Natürlich ist das zu wenig bei 33 Punkten Rückstand. "Grundsätzlich kann noch alles passieren; man weiß nie, was kommt. Wir haben noch drei Rennen, eines davon morgen und dann zwei in Hockenheim. Wir geben weiterhin alles", verspricht Schiller.

Und auch Marciello weiß, dass er längst nicht über den Berg ist: "Es liegen immer noch 75 Punkte plus Qualifyingpunkte auf dem Tisch. Wenn wir morgen in den Top 5 landen, wären das schöne Punkte. Wir müssen weiter attackieren." Für den Sonntag gilt Gounon als Favorit auf die Pole.

Mit Bildmaterial von ADAC Motorsport.

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