BMW M V8 Hybrid LMDh mit Unfall bei Testfahrten

Der neue BMW-LMDh ist für die Testfahrten auf Road Atlanta noch rechtzeitig repariert worden - Vorher hatte es in Watkins Glen einen Crash gegeben

BMW M V8 Hybrid LMDh mit Unfall bei Testfahrten
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In vier Monaten wird das langersehnte Debüt der neuen LMDh-Boliden in der US-amerikanischen IMSA-Serie über die Bühne gehen. Am 28. Januar stehen die 24h von Daytona auf dem Programm, weshalb die LMDh-Teams wie BMW aktuell fleißig am Testen sind. So richtig los ging es für den bayrischen Hersteller am Montag auf Road Atlanta, doch ein Crash eine Woche vorher in Watkins Glen hatte das Team unter Zeitdruck gesetzt.

Laut BMW-LMDh-Projektleiter Maurizio Leschiutta musste der Rennstall ziemlich Gas geben, um den neuen BMW M V8 LMDh für die ersten wichtigen Testfahrten in der Nähe von Atlanta zu reparieren. In Zusammenarbeit mit dem Chassislieferanten Dallara hat BMW es aber geschafft, seinen Prototypen rechtzeitig vorzubereiten.

"Es war ein Wunder", sagt Leschiutta gegenüber 'Sportscar365.com' über die Leistung des Teams, das nach dem Unfall auf feuchter Strecke in Watkins Glen auf Hochtouren gearbeitet hat, um das Auto wieder auf Vordermann zu bringen. Das Fahrzeug, das bereits beim IMSA-Saisonfinale, dem Petit Le Mans, gezeigt wurde, soll ein Showcar gewesen sein, während BMW hinter den Kulissen am richtigen Boliden gearbeitet habe.

BMW, Dallara und Rahal sorgen für "Wunder"

Den Unfall erklärt Leschuitta bei wechselnden Bedingungen in Watkins Glen mit einem Fahrfehler. Dabei wurde nicht nur die Karosserie, sondern auch das Monocoque beschädigt, weshalb BMW alle Hände voll zu tun hatte, um das Auto zu reparieren. Dallara wurde sofort zu Rate gezogen, um sich den Boliden in Indianapolis anzuschauen. Deshalb wurde das Chassis kurzerhand über Nacht in Richtung Indy geschickt.

Dallara gab damals Entwarnung: Der Schaden war nicht so groß, weshalb die Reparaturen schnell vorgenommen werden konnten. Das Auto sei wieder zusammengesetzt und "über Nacht" nach Atlanta gebracht worden, so der Projektleiter. "Das war zeitlich sehr eng, aber die Teams haben wirklich alles gegeben, sowohl bei Rahal, BMW als auch bei Dallara."

In dieser Woche gibt es einen dreitägigen Test, den BMW mit seinen GTP-Fahrern Connor De Phillippi, Nick Yelloly und Augusto Farfus bestreitet. Auch Marco Wittmann ist bei den Testfahrten auf Road Atlanta dabei, die die erste ernstzunehmende Generalprobe sind. Mit dabei sind auch die IMSA-Urgesteine Acura und Cadillac, die ihre neuen LMDh-Boliden ebenfalls auf Herz und Nieren testen.

Die Zeit wird immer knapper

Nach dem Test muss BMW sein Auto dann der IMSA vorstellen, um es homologieren zu lassen. "Dabei darf es nicht beschädigt sein", stellt Leschiutta klar. "Jetzt müssen wir mehr Kilometer abspulen als bei den vorigen Tests und das Auto von der Streckenbegrenzung fernhalten." Am Montag und Dienstag hat BMW bereits erste wichtige Daten gesammelt, die im Team für Optimismus sorgen.

Technikchef Brandon Fry spricht von einem "Durchbruch" am Montag, da das neue Auto zuvor Zuverlässigkeitsprobleme gezeigt hatte. De Phillippi und Wittmann haben beide zahlreiche Runden in den Asphalt gebrannt und laut dem Team für den produktivsten Tag bisher gesorgt. "Wir haben viele Runden abgespult, das war der rundeste Test, den wir bisher hatten", so Fry. "Alles hat funktioniert."

Hersteller bereits auf einem Level

Obwohl die Rundenzeiten keine Rolle spielten, war Fry mit der Leistung des neuen BMW-LMDh-Boliden im Vergleich zu Cadillac und Acura zufrieden. Offizielle Zeiten wurden nicht veröffentlicht, weshalb kein direkter Vergleich möglich ist. "Wir sind ziemlich dicht beieinander", freut sich Fry. "Es ist schön zu sehen, dass wir alle von Beginn an auf einem Level sind."

De Phillippi fügt hinzu: "Das Auto ist besser eingestellt und viel haltbarer. Ich denke, dass wir die meisten Runden von allen gefahren sind. Damit ist eine Menge Last von vielen Schultern gefallen, denn sie standen alle im Fokus, wenn irgendeine Kleinigkeit schiefgegangen ist. Für uns war das ein großer Tag."

Cadillac mit stumpfen Waffen unterwegs

Während BMW einen soliden Test erlebt, gibt es bei Cadillac einige Schwierigkeiten: Die GM-Marke konnte am Montag auf Road Atlanta nur am Nachmittag auf die Strecke, da die Teile für das Chip-Ganassi-Auto verspätet eingetroffen sind. Laut Fahrer Sebastien Bourdais war es "ein kurzer Tag" für die Cadillac-Mannschaft.

Cadillac, LMDh, Shakedown

Cadillac hatte mit dem Lieferung von Teilen zu kämpfen

Foto: Cadillac Communications

Doch welche Teile fehlten? Laut dem Franzosen kamen Sensoren, Systeme und Hardware verspätet an, weshalb das Team die Komponenten erst einmal verbauen musste. Dadurch hat Cadillac am Montag nicht das Testprogramm abspulen können, das eigentlich geplant war. "Immerhin konnten wir einen Systemcheck durchführen und einige Dinge testen", so Bourdais.

Acura voll auf Kurs

Obwohl HPD-Präsident David Salters davon spricht, dass mit dem LMDh-Programm seitens Acura "ein Berg erklommen" werden muss, scheint es bei der Honda-Marke gut zu laufen. Die Japaner setzten beim Test auf Road Atlanta bereits zwei Autos ein, die kommende Saison in der GTP-Kategorie der IMSA-Serie an den Start gehen sollen.

Wayne Taylor, Meyer Shank und auch die Ingenieure von Acura waren in Braselton vor Ort, um die neuen Autos zu testen. HPD und Chassislieferant Oreca waren ebenfalls mit von der Partie, um nichts dem Zufall zu überlassen. "Das ist ein brandneues Auto, vom alten wird quasi kein Teil übernommen" erklärt Salters gegenüber 'Sportscar365.com'. "Das ist schon eine Herausforderung, aber mit den Lieferproblemen ist es eine noch größere Hürde."

Fahrerwahl bei Acura im vollen Gange

Acura ARX-06

Bei Acura scheint es bisher gut zu laufen

Foto: Acura

Wie auch BMW hat Acura sich beim Test auf die Haltbarkeit seines neuen LMDh-Boliden konzentriert. "Ich habe viele Jahre in der Formel 1 verbracht und die Komplexität ist gar nicht so weit von diesem Level entfernt", so Salters, der die neuen LMDh-Boliden auf ein Level mit den ehemaligen LMP1-Autos aus der Langstrecken-WM stellt.

Was die Fahrer angeht, wird Acura mit Wayne Taylor und Meyer Shank einen anderen Ansatz wählen als die Konkurrenz, die ihre Fahrer direkt als Werkspiloten in die IMSA-Serie schickt. Bei den Japanern dürfen die Einsatzteams die Fahrer selbst wählen. Bisher bestätigt sind Ricky Taylor, Felipe Albuquerque für Wayne Taylor und Tom Blomqvist für Meyer Shank. Wayne Taylor hat am Montag zudem Louis Deletarz für die Langstrecken-Rennen und Brandon Hartley für die 24h von Daytona verkündet.

Mit Bildmaterial von BMW.

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