Joan Mir wechselt zu Gresini: Warum sein Fall anders ist als bei Marquez
Um seine MotoGP-Karriere wieder in Schwung zu bringen, wechselt Joan Mir zu Gresini - Sein Fall unterscheidet sich aber wesentlich von Marc Marquez 2024
Joan Mir und Marc Marquez während der Saison 2024
Foto: LAT Images
Joan Mir wird im kommenden Jahr denselben Weg einschlagen, den Marc Marquez bereits 2024 gegangen ist: Er verlässt Honda und wechselt zu Gresini. Die Umstände, die beide Wechsel begleiten, haben jedoch nichts miteinander zu tun, ebenso wenig wie die Beweggründe, die die beiden Fahrer antrieben.
Marquez und Mir waren in der Saison 2023 Teamkollegen im Honda-Werksteam, bevor sich Marquez dazu entschied, die mutigste Entscheidung seiner Karriere zu treffen.
Er verzichtete auf das letzte Jahr seines Honda-Vertrages (2024) sowie auf die damit verbundenen rund 20 Millionen Euro, um bei Gresini anzuheuern und ein Motorrad zu fahren, das nicht einmal das neueste Modell von Ducati war.
Der Antrieb hinter diesem von vielen als Sprung ins Ungewisse betrachteten Schritt ging für Marquez über rein technische Überlegungen hinaus. Es war eher eine philosophische Frage.
Er wollte herausfinden, ob seine ausbleibenden Erfolge auf die Schwächen der Honda zurückzuführen waren oder ob das Problem vielmehr bei ihm selbst lag. 2023 war ein siebter Platz in den ersten 13 Grands Prix sein bestes Ergebnis.
Mit anderen Worten: Marquez wollte wissen, ob er jenen Funken verloren hatte, der ihn seit seinem MotoGP-Einstieg im Jahr 2013 wie ein Blitz hatte dominieren lassen, mit sechs WM-Titeln in den ersten sieben Jahren.
Honda ließ Mir zappeln
Der Fall Mir liegt anders, denn er hat nie Zweifel an seinem eigenen Potenzial geäußert. Wahrscheinlich wäre er deshalb auch bei Honda geblieben, hätten die Manager nicht Zeit verstreichen lassen.
Jedes Mal, wenn das Umfeld der Startnummer 36 versuchte, ein Treffen zu diesem Thema zu vereinbaren, wurden sie von Honda vertröstet. Dieser Umstand brachte den Mallorquiner dazu, sich nach einem neuen Team umzusehen.
"In Jerez hatte ich von der Führungsebene bei Honda keinerlei Nachricht darüber, wohin die Zukunft gehen würde, und es ist klar, dass ich das nicht verdient hatte. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, dass ich hier nicht bleiben möchte."
Das waren Mirs Worte beim Grand Prix von Katalonien, sichtlich enttäuscht über den Umgang der Honda-Manager mit ihm. Damit war klar, dass er seine Zukunft selbst in die Hand nahm.

Viele Erfolge konnte Joan Mir mit Honda nicht erobern
Foto: Getty Images Europe
Mir wandte sich daraufhin an Gresini-Chefin Nadia Padovani, die auf den Anruf reagierte. Die Beispiele von Marquez und seinem Bruder Alex sowie zuvor jene von Enea Bastianini und Fabio Di Giannantonio haben eines gezeigt.
Das italienische Team bietet ein Umfeld, das den Fahrern hilft, sich zu entfalten und ihr Bestes zu zeigen. Genau das ist es, was Mir bislang bei Honda nicht zeigen konnte, weil sich Honda seit Jahren in einem Umbauprozess befindet.
Laut Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com, unterzeichnete Mir den Vertrag mit Gresini bereits beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans.
Mir wieder mit seinem Erfolgs-Crewchief vereint
Es ist naheliegend, dass Mir bei Gresini wieder auf Frankie Carchedi trifft, seinen ehemaligen Crewchief bei Suzuki. Gemeinsam wurden sie in der Saison 2020 überraschend Weltmeister.
Interessanterweise war Carchedi auch derjenige, der Marquez' Wechsel zu Ducati im Jahr 2024 betreute. Tatsächlich könnte der britische Techniker der einzige gemeinsame Nenner der beiden Fälle sein.
Die Herausforderung, vor der Mir steht, ist gewaltig und von ganz anderer Natur als jene, der sich Marquez stellen musste. Zum einen, weil Marquez genau wusste, welches Motorrad er wollte.
Zum anderen drehte es sich bei ihm nur um die technische Frage, da der Katalane 2024 ohne Bezahlung von Gresini fuhr und "lediglich" die Summen einnahm, die sich aus seinen persönlichen Sponsorenverträgen ergaben.
Bevor Mirs Wechsel zu Gresini offiziell bestätigt wurde, fragte ihn Motorsport.com Spanien, ob er sich trauen würde, denselben Weg wie sein ehemaliger Honda-Teamkollege einzuschlagen.
Und seine Antwort ließ erkennen, dass die Natur der beiden Verträge ähnlich ist: "Im Moment wäre ich tatsächlich in der Lage, ohne Bezahlung zu fahren." Ob Mir tatsächlich ohne Gehalt von Gresini fährt, ist im Detail nicht bekannt.
Wie konkurrenzfähig wird die neue 850er-Ducati sein?
Vor zwei Jahren fuhr Marquez die Ducati GP23, mit der Francesco Bagnaia seinen zweiten WM-Titel gewann. Dieses Motorrad wurde als das perfekte Motorrad bezeichnet: 13 Siege, 30 Podestplätze und 11 Polepositions bei 20 Grands Prix.
Die Gewissheit, die Marquez damals hatte, steht in scharfem Kontrast zur allgemeinen Unsicherheit, die derzeit rund um das Jahr 2027 herrscht, insbesondere was das Wettbewerbsniveau der neuen 850er-Motorräder betrifft.
Marquez konnte sich damals jederzeit an seinem jüngeren Bruder Alex orientieren, der die Desmosedici kannte. Mir hingegen wird sich kaum an den Daten von seinem Teamkollegen Dani Holgado orientieren können, einem Neuling in der Königsklasse.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Weiterentwicklung des Motorrads betrifft: Obwohl alle sechs Ducati-Fahrer mit demselben Grunddesign in die Saison starten werden, erhalten nur vier von ihnen laufend Verbesserungen.
Das sind logischerweise die beiden Werksfahrer Marquez und Pedro Acosta. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass auch Fermin Aldeguer bei VR46 sowie Mir bei Gresini dazugehören werden.
Es bleibt in jedem Fall abzuwarten, ob diese Aufteilung so bestehen bleibt, sobald feststeht, ob Nicolo Bulega als Teamkollege von Aldeguer bei Rossis Mannschaft ausgewählt wird.
Jüngst hat Ducati neben der Verpflichtung von Acosta auch die Vertragsverlängerung von Marquez offiziell bestätigt. Die beiden Spanier sind 2027 und 2028 im Werksteam.
Auch das macht einen weiteren Unterschied zwischen Marquez und Mir deutlich. Marquez wollte 2024 Ducati beweisen, dass er sich einen Platz im Werksteam verdient hat. Mir weiß, dass er frühestens 2029 eine Chance erhalten könnte.
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