War Alex Marquez' Jerez-Sieg der Durchbruch oder nur ein Ausreißer?
Alex Marquez lief in Jerez zu alter Stärke auf, doch ob das Wochenende den echten Durchbruch brachte oder ein einzelner Glanzmoment war, weiß er selbst nicht
Alex Marquez dominierte seinen Heim-Grand-Prix - ein Fingerzeig?
Foto: Getty Getty
Der Sieg von Alex Marquez beim Grand Prix in Jerez wirft eine zentrale Frage auf: War das der lang ersehnte Durchbruch oder nur ein Ausreißer? Selbst der Spanier zeigt sich nach seinem dominanten Auftritt vorsichtig in der Bewertung.
Nach einem schwierigen Saisonstart 2026 gelang dem Gresini-Piloten mit dem Triumph in Jerez die eindrucksvolle Wende. Dennoch stellt er klar, dass erst die kommenden Rennen zeigen werden, ob dieser Erfolg nachhaltig ist. "Le Mans, Montmelo und Mugello werden wichtig sein, um zu verstehen, ob dieser Schritt, den wir hier gemacht haben, wirklich ist oder nur ein einzelnes Wochenende", erklärt Marquez.
Die Erwartungen an den jüngeren Bruder von Marc Márquez waren hoch: Nach Platz zwei in der Gesamtwertung 2025 und dem Wechsel auf ein aktuelles Ducati-Werksmotorrad galt er als Titelkandidat. Doch der Saisonbeginn verlief enttäuschend.
Alex Marquez: "Wir haben sehr gelitten"
Im Zuge eines allgemeinen Leistungseinbruchs bei Ducati kam Marquez in den ersten drei Übersee-Rennen nicht über einen siebten Platz als bestem Ergebnis hinaus.
Entsprechend gedämpft reiste er nach Jerez, und das trotz seiner starken Vergangenheit auf der Strecke, wo er 2025 seinen ersten MotoGP-Sieg gefeiert hatte. Doch am Sonntag wendete sich das Blatt: Marquez übernahm bereits in Runde zwei die Führung und setzte sich schließlich mit einem Vorsprung von zwei Sekunden durch.
Mit diesem Erfolg beendete er zugleich die Siegesserie von Marco Bezzecchi, der zuvor fünf Rennen in Folge - seit Portugal 2025 - gewonnen hatte. Für Ducati war es zudem der erste Sieg seit dem Malaysia-Grand-Prix im Oktober des Vorjahres.
Ein Doppelsieg in Jerez wäre sogar möglich gewesen, doch ein plötzlicher Regenschauer im Sprintrennen führte dazu, dass Marquez in Führung liegend stürzte.
Sein Erfolg am letzten Rennwochenende basiert auf mehreren Faktoren. Neben seiner bekannten Stärke in Jerez profitierte er von einem weiterentwickelten Ducati-Paket sowie einer veränderten Herangehensweise: Marquez gelang es, die Schwächen des Motorrads besser zu kompensieren. Dennoch bleibt er zurückhaltend.
"Wir haben in den ersten drei Rennen dieses Jahres sehr gelitten, und jetzt sind wir hier und plötzlich sind wir wirklich, wirklich schnell und alles läuft sehr flüssig", sagt er.
Echter Härtetest für Ducati kommt erst noch
Auch die Testfahrten am Montag nach dem Rennen lieferten noch kein klares Gesamtbild. Ducati probierte unter anderem neue Aerodynamik-Pakete aus - mit gemischten Ergebnissen: "Manches ist positiv, manches negativ. Es ist schwierig, allein auf einer Strecke Schlussfolgerungen zur Aerodynamik zu ziehen."
Besonders schnelle Kurven würden fehlen, um die neuen Komponenten umfassend zu bewerten. Dennoch sieht der Gresini-Pilot Fortschritte und hofft, dass Ducati und sein Team die Daten gewinnbringend nutzen kann, um sich weiter zu steigern.
Bemerkenswert ist dabei auch Marquez' mentale Entwicklung. Trotz der frühen Probleme blieb er ruhig und vertraute auf den Prozess: "Wir haben es versucht, und ich habe schon in Austin gesagt: 'Okay, wir leiden, aber unsere Zeit wird kommen.'"
Der Schlüssel sei gewesen, nicht in Panik zu verfallen und systematisch weiterzuarbeiten. "Wir sind mit dem Set-up vom letzten Jahr gestartet und haben dann andere Dinge ausprobiert, und plötzlich waren wir wieder wirklich, wirklich schnell", so Marquez.
Auffällig bleibt in dieser Saison zudem das Leistungsgefälle innerhalb der Ducati-Struktur. Während das Werksteam mit Marc Marquez und Francesco Bagnaia bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt, sorgten die Satellitenteams für die starken Ergebnisse. Zunächst führte Fabio Di Giannantonio aus dem VR46-Team den Ducati-Kader an, bevor Alex Marquez in Jerez das Kommando übernahm.
Wie belastbar diese Entwicklung ist, dürfte sich im dichten Rennkalender des Monats Mai zeigen. Drei unterschiedliche Strecken stehen an: ideale Bedingungen für eine Standortbestimmung. Márquez selbst bleibt vorsichtig optimistisch.
"Auch für uns werden die nächsten zwei oder drei Rennen ein sehr guter Test sein, um zu sehen, ob wir dieses Leistungsniveau halten können. Le Mans ist eine ganz andere Strecke."
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