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Walter Lechner wird in Bahrain gewürdigt: "Ist sich stets treu geblieben"

Rennlegende Walter Lechner wird im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix von Bahrain mit einem Porsche-Rennen gewürdigt - Anekdoten von Toto Wolff und Alex Wurz

Walter Lechner wird in Bahrain gewürdigt: "Ist sich stets treu geblieben"

Emotionales Rennen in Bahrain: Die Porsche Sprint Challenge Middle East trägt an diesem Wochenende im Rahmen des Formel-1-Grad-Prix von Bahrain ihr Saisonfinale aus. Gewidmet ist es dem im Dezember verstorbenen Ex-Rennfahrer und Mentor Walter Lechner, der die Meisterschaft gegründet hat.

Seine Söhne Walter Lechner jun. und Robert Lechner, beide selbst erfolgreiche Rennfahrer, taufen das Rennen auf den Namen "Walter Lechner Memorial Race". Die zwei Rennen gehen am Samstag und Sonntag über die Bühne. 25 Fahrer aus 13 Nationen stehen am Start.

Auf dem Bahrain International Circuit hat Lechner im November sein letztes Rennwochenende verbracht und Abschied von seinem Team genommen. Er starb am 8. Dezember 2020 im Alter von 71 Jahren.

Unterstützung erhalten die beiden Söhne dabei von langjährigen Weggefährten ihres Vaters. Salman bin Isa Al Chalifa, CEO des Bahrain International Circuit, startet zu Ehren von Walter Lechner Senior in einem Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport für das Team Bahrain.

Auch das Vater-Sohn-Gespann Fawaz und Fahad Algosaibi (Saudi-Arabien) kannte den Österreicher schon seit der Premieren-Saison der Porsche Sprint Challenge Middle East im Jahr 2009/2010. Fahad geht am kommenden Wochenende in einem Porsche 911 GT3 Cup an den Start, Vater Fawaz fährt im GT4-Cayman.

Walter Lechner

Walter Lechner formte und förderte zahlreiche Talente

Foto: Porsche Motorsport

Ergänzt wird das saudi-arabische Quartett um Bandar Alireza und Bandar Alesayi, die die Porsche Sprint Challenge Middle East ebenfalls mit aus der Taufe hoben. Auch der Spitzenreiter der GT4 Central Europe Wertung, Leo Willert aus Wien, startete immer wieder mit Lechner Racing und ist der Familie verbunden.

Lechner etablierte die Rennserie als Porsche GT3 Cup Challenge Middle East und baute diese schnell zur professionellsten Rennserie im Nahen Osten aus. Bekannte GT-Namen wie Abdulaziz Al Faisal, Clemens Schmid, Jeffrey Schmidt und Zaid Ashkanani haben sich in die Meisterlisten eingetragen. Tabellenführer vor den beiden Finalläufen ist Jean Baptiste Simmenauer. Sie ist Teil seines Lebenswerks.

Toto Wolff: "Er hat mich bis zuletzt zusammengeschissen"

Einen Namen gemacht hat sich der Wiener vor allem als zielstrebiger und erfolgreicher Talentförderer. Sanft ging er mit seinen Schülern nicht um. Es galt, die Besten herauszufiltern und abzuhärten. Toto Wolff bekam die strenge Seite des Österreichers zu spüren.

"Ich habe damals meine ersten Schritte bei einem Privatteam gemacht", sagt der Mercedes-Motorsportchef. "Er hat mich beobachtet und mir gesagt: 'Hör doch auf, es so halbherzig zu machen. Mach es gescheit und komm zu mir.' Das habe ich gemacht."

"Er hat mir auch finanziell geholfen. Im Gegenzug musste ich als Instruktor in seiner Rennfahrschule arbeiten und habe am alten Österreichring endlose Runden mit Racing-School-Schülern gedreht."

Und das lief nicht immer rund: "Ich war damals 19 Jahre alt und voller Tatendrang. Weil wir an einem verregneten Tag nicht mit den Formel-Ford-Boliden auf Allwetterreifen fahren konnten, habe ich drei Schüler in einem Lotus Omega um den Kurs gefahren."

"Dann bin ich in der Doppellinks abgeflogen und quer durchs Feld gepflügt. Ich habe gehofft, er merkt es nicht, weil das Auto nicht beschädigt war. Ich bin zurück an die Box, bis ich ihn plötzlich habe laut schreien hören. Erst da habe ich festgestellt, dass die komplette rechte Seite des Autos voller nassem Gras war."

Toto Wolff

Toto Wolff war nicht unbedingt Walter Lechners Musterschüler

Foto: Motorsport Images

Eine andere Episode: "Der erste Lauf der deutschen Formel Ford in Zolder 1994: Ich bin aus der ersten Reihe ins Rennen gegangen, aber habe den Motor am Start überhitzt. Ich habe daraufhin versucht, meine Position mit dem Messer zwischen den Zähnen zu verteidigen und bin dabei natürlich abgeflogen und keine Punkte gemacht."

"Meine zwei größten Konkurrenten sind Erster und Zweiter geworden, wurden aber nachträglich disqualifiziert. Ich bin mit ihm von Zolder nach Salzburg zurückgefahren. Ich musste fahren und er hat mich auf maximal 130 km/h begrenzt. Und von Zolder bis Salzburg hat er mich sieben Stunden lang zusammengeschissen, was ich für ein Volltrottel bin."

Das sollte jedoch schon eines seiner letzten Rennen für die Lechner Racing School gewesen sein. Denn nach Karl Wendlingers schwerem Unfall in der Formel 1 beim Großen Preis von Monaco zog sich Wolffs Hauptsponsor zurück. Dieser hatte nämlich ihn und Wendlinger gefördert.

"Mir war klar, dass ohne diesen Sponsor meine aktive Karriere zu Ende wäre", so Wolff. "Und Walter hat mir damals gesagt: 'Du bist außerhalb des Autos eh besser als im Auto. Schau, dass du was Gescheites lernst. Dann kommst du wieder zurück und machst was anderes im Motorsport.' So bin ich von dannen gezogen und immer mit ihm in engem Kontakt geblieben."

Er ist sich immer treu geblieben und hat sich nie von irgendwelchem Glamour im Formel-1-Umfeld blenden lassen. Er war einfach Walter Lechner. Und er hat mich bis zum Ende zusammengeschissen." Genau das machte ihn letztlich zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmänner im knallharten Formel-1-Business.

Stundenlanges Warten für eine Tafel Schokolade

Bei Wolff mag es mit der Rennfahrerkarriere nicht geklappt haben, aber Lechner tätigte mit seinem Porsche-Team auch zahlreiche Glücksgriffe: Er förderte Talente wie Richard Westbrook, Sven Müller, Philipp Eng und jüngst Julien Andlauer.

Julien Andlauer

Jüngster Werksfahrer aus der Lechner-Schmiede: Porsche-"Young Professional" Julien Andlauer

Foto: Porsche AG

Und er gab Talenten eine zweite Chance, deren Karriere ins Stocken geraten war. So gewann der damals recht unbekannte Rene Rast von 2010 bis 2012 dreimal in Folge den Porsche-Supercup. Auch Michael Ammermüller ermöglichte er eine zweite Karriere im GT-Sport, nachdem seine Formelkarriere ins Nichts geführt hatte. Walter Lechner war streng, aber immer fair.

Auch Ex-Formel-1-Fahrer und Le-Mans-Doppelsieger Alexander Wurz erinnert sich an Walter Lechner als Charakterkopf, der keine halben Dinge machte.

Der 47-Jährige erzählt sich bei 'ORF' eine Episode, die mit Motorsport gar nichts zu tun hatte: "Er war ein Sängerknabe. Er hat in Japan einmal stundenlang die Meute warten lassen, die gezahlt haben, um ihn zu hören. Und zwar, weil er eine Tafel Schokolade haben. Und bis die eine Tafel Schokolade gefunden haben, haben die Leute halt gewartet."

"Was für ein Mensch, den wir leider verloren haben. Aber wir sollten nicht traurig sein, ihn verloren zu haben. Wir sollten froh sein, dass wir ihn hatten und so tolle Stunden und Momente mit ihm genießen konnten."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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