So lief das wilde Duell von Max Verstappen und Christopher Haase
Christopher Haase bezwingt Max Verstappen im Zweikampf bei NLS2 und hält sich rundenlang vorne - Kurz vor Boxenstopp schlägt der Formel-1-Pilot zurück
Christopher Haase brachte im Scherer-Audi Max Verstappen richtig ins Schwitzen
Foto: Leon Leon
Der Name Christopher Haase ist Motorsport-Insidern schon lange ein Begriff, doch nach diesem Samstagnachmittag kennt die halbe Welt den Kulmbacher. Der Audi-Routinier brachte das Kunststück fertig, den viermaligen Formel-1-Weltmeister Max Verstappen im direkten Duell auf der Nordschleife zu stellen und zeitweise sogar zu distanzieren. Erst unmittelbar vor dem ersten Fahrerwechsel konnte der Niederländer den Konter setzen.
Haase hielt im Scherer-Phx-Audi #16 (Haase/Hantke) nach dem Start zum 58. ADAC Barbarossapreis den direkten Anschluss an den Winward-Mercedes #3 (Verstappen/Juncadella/Gounon) von Polesetter Verstappen. Die beiden Profis fuhren dem Rest des Feldes auf und davon.
Am Ende der ersten Runde folgte das klassische Nordschleifen-Manöver: Haase saugte sich auf der Döttinger Höhe im Windschatten an den Mercedes-AMG GT3 heran, scherte aus und zog vorbei. Es war das erste Mal, dass Verstappen auf der Nordschleife in einem direkten Rad-an-Rad-Duell besiegt wurde.
Danach klebte Verstappen rundenlang Stoßstange an Stoßstange am Heck des Audi R8 LMS GT3 Evo II. Besonders brenzlig wurde es in der dritten Runde im Bereich Kesselchen, als Haase wegen eines Unfalls vor ihm an einer untypischen Stelle verzögern musste - Verstappen konnte eine Kollision nur um Haaresbreite verhindern.
"Einfach nur Vollgas geben"
Der Audi hatte etwas mehr Topspeed als der Mercedes-AMG, deshalb tat sich Verstappen schwer, einen Konter zu platzieren. Nach rundenlangem Kampf kam es dann unmittelbar vor dem Fahrerwechsel zum erneuten Showdown.
Diesmal ging es Seite an Seite durch die schnellste Stelle der Nürburgring-Nordschleife, den Linksknick Antoniusbuche und die anschließende Senke Tiergarten. Erst hier zog Haase zurück, um einen Unfall zu verhindern. Verstappen brachte den Mercedes-AMG GT3 als Spitzenreiter an die Winward-Box.
"Es hat richtig, richtig viel Spaß gemacht. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so viel Spaß bei einem Rennen gehabt", sprudelt Haase nach dem Zweikampf. "Ehrlich gesagt, hatte ich nichts mehr übrig. Wir hatten verschiedene Passagen, wo Max ein bisschen schneller war, in anderen war ich wieder ein bisschen schneller. Es war einfach geiles Racing."
Auf die Frage, wie es sich anfühlt, gegen einen vierfachen F1-Champion "Türklinke an Türklinke" auf der anspruchsvollsten Strecke der Welt zu kämpfen, antwortete der Audi-Pilot gewohnt kämpferisch: "Zähne zusammenbeißen, alles geben, Motorsport genießen und Gas geben - einfach nur Vollgas geben."
Dass Haase den Speed von Verstappen mitgehen konnte, lag laut dem Kulmbacher auch an der akribischen Vorbereitung des Teams Scherer Sport PHX (ehemals Phoenix Racing): "Wir haben gestern noch am Fein-Set-up gearbeitet, um den Streckenbedingungen entgegenzuwirken. Das Team hat bis jetzt einen grandiosen Job abgeliefert."
Selbst die Konkurrenz in der Boxengasse zog den Hut. Raffaele Marciello, der für Rowe-BMW startet, kommentierte den Stint kurz und knapp: "Haase ist heute richtig 'on fire'."
Obwohl der Audi den Mercedes-AMG rundenlang ärgern konnte, verschieben sich die Kräfteverhältnisse nun beim zweiten Fahrer. Während Winward mit Jules Gounon und Dani Juncadella auf zwei erfahrene AMG-Werksfahrer setzt, ist Nico Hantke auf dem Scherer-Audi noch ein Neuling in der GT3-Klasse auf der Nordschleife. Er fährt erst sein zweites Rennen in der SP9-Klasse und sein erstes auf dem Audi.
Entsprechend sieht es bei Rennhälfte gut aus für Verstappen Racing und Team Winward.
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