Kevin Estres Quali-Debakel: Was war da los?
Kevin Estre übernimmt die volle Verantwortung für das schwache Qualifying, glaubt aber weiter an Titelchance bei den 8 Stunden von Bahrain 2025
Kevin Estre verbremste sich und verbaute sich so den Hyperpole.Einzug
Foto: Porsche Porsche
Kevin Estre ist wütend auf sich selbst: Im Qualifying zum Saisonfinale der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Bahrain belegte er mit dem Porsche #6 (Estre/Campbell/L. Vanthoor) den letzten Platz. Estre auf dem letzten Platz - diese Worte klingen zu unglaublich, um sie glauben zu können.
Der Franzose übernahm nach dem Qualifying ohne zu zögern die volle Verantwortung für das enttäuschende Ergebnis und erklärte, dass ein Verbremser auf seiner ersten schnellen Runde den Ausschlag gegeben hat.
"Ich habe in Kurve 1 auf meiner ersten Push-Lap einen Fehler gemacht", sagt Estre gegenüber Motorsport.com Global, der englischsprachigen Schwesterpublikation von Motorsport.Total.com im Motorsport Network.
"Ich habe das innere Vorderrad blockiert und musste die Runde abbrechen. Danach hatte ich nie wieder das nötige Grip-Niveau, um eine gute Zeit zu fahren." Aufgrund des extremen Reifenverschleißes auf dem Bahrain International Circuit haben die Fahrer im Qualifying nur eine Runde zur Verfügung, um eine gute Zeit zu fahren. Danach hat der reifen seinen "Peak" schon verloren.
"Wir liegen sowohl bei der Rundenzeit als auch bei der Position weit zurück, was mich sehr enttäuscht. Ich bin frustriert und wütend auf mich selbst, weil es definitiv möglich gewesen wäre, mehr herauszuholen. Aber so ist es nun mal. Das Rennen morgen ist lang, und wir glauben, dass unser Auto über die Distanz stärker sein wird. Trotzdem wäre heute mehr drin gewesen."
Traum von der Titelverteidigung noch intakt
Estre und Vanthoor versuchen beim Finale in Bahrain, ihren Fahrer-WM-Titel in der WEC zu verteidigen. Vor dem Finale liegt das Duo, das in Bahrain von Matt Campbell unterstützt wird, 21 Punkte hinter James Calado, Alessandro Pier Guidi und Antonio Giovinazzi im Ferrari #51. Insgesamt werden in Bahrain 38 Punkte vergeben.
Trotz des schwachen Startplatzes will Estre den WM-Traum nicht aufgeben. Er verweist auf das vorherige Rennen auf dem Fuji Speedway, als das Team ebenfalls von ganz weit hinten startete.
"Wir können ein gutes Ergebnis holen", sagte Estre. "In Fuji sind wir von Platz 17 gestartet, das Rennen ging über sechs Stunden, und wir standen am Ende auf dem Podium, während Ferrari keine Punkte holte. Daher ist es auf jeden Fall möglich."
"Aber wir sind dieses Wochenende nicht auf der richtigen Seite des Spektrums, was Pace und Performance betrifft. Mal sehen, wie sich der Longrun auszahlt. Wir wirken dort besser, aber wahrscheinlich nicht so stark wie Toyota." Und der Porsche #6 braucht viele Punkte, um den Titel noch zu holen.
Sollten zwei Toyota die ersten zwei Plätze besetzen, sind die wichtigen "Big Points" bereits vergeben. Das weiß auch Estre: "Toyota ist an diesem Wochenende klar die Benchmark - egal unter welchen Bedingungen. Ferrari ist etwas besser als wir, aber in Reichweite. Um die Meisterschaft zu gewinnen, brauchen wir viele Punkte, aber das wird schwierig, weil Toyota aktuell offenbar die Oberhand über alle anderen hat."
Auf die Frage, wie der 963 im Vergleich zum Ferrari 499P über die Distanz einzuschätzen sei, antwortet Estre: "Ferrari hat im dritten Freien Training über lange Runs sehr gutes Tempo gezeigt und dabei mit den drei Autos unterschiedliche Dinge ausprobiert.
"Wir wissen also nicht genau, wo wir stehen, aber wir sind nicht weit weg. Ob das reicht, um sie zu schlagen, weiß ich nicht - aber wir werden in Reichweite sein. Ich hoffe, wir können uns zurückkämpfen."
Das Schwesterauto mit der #5, gefahren von Julien Andlauer, schaffte den Sprung in die Hyperpole und sicherte sich Startplatz acht - gut eine Sekunde hinter dem #7 Toyota GR010 Hybrid von Kamui Kobayashi, der die Poleposition holte.
Ryan Hardwick siehtvorletzten Startplatz entspannt
Auch in der LMGT3 muss der Porsche, der um den Titel kämpft, das Feld von hinten aufrollen. Der Manthey-Porsche #92 (Hardwick/Pera/Lietz) muss vom 17. Startplatz aus ins Rennen gehen. Hier war aber kein Fahrfehler schuld, sondern ein generelles Problem mit der Pace über eine Runde.
"Wir sind das ganze Wochenende über etwas aus dem Takt. Das war wirklich keine große Überraschung", sagt Hardwick im Gespräch mit Motorsport-Total.com. Er verweist dabei insbesondere auf den harten Reifen, der für Fahrzeuge mit Frontmotor günstiger ist als für Mittel- und Heckmotoren.
Der US-Amerikaner bleibt dennoch entspannt: "Unser Tempo auf den Longruns sieht gut aus. Es ist gut, dass die Meisterschaft nach acht Stunden Rennen und nicht nach einer einzigen Runde vergeben wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Rennen dort sein werden, wo wir sein müssen."

Der Manthey-Porsche #92 steht ebenfalls vor einer Aufholjagd
Foto: Porsche
Das hängt natürlich stark vom Abschneiden des AF-Corse-Ferrari #21 (Heriau/Mann/Rovera) ab, der von Startplatz acht aus ins Rennen geht. "Ferrari steht unter viel größerem Druck als wir", glaubt Hardwick. "Sie müssen unter die ersten Sechs kommen, um überhaupt eine Chance zu haben. Für uns ist der Druck nicht so groß. Wir werden sicher Fortschritte machen und uns vorarbeiten."
Die Taktik dafür? "Ich denke, die beste Strategie ist Beständigkeit. Wir müssen über den gesamten Stint hinweg konstant schnell sein und mit diesen Reifen auch einen Doppelstint fahren. Das wird der Schlüssel sein. Zu Beginn werden einige angasen und einen Vorsprung herausfahren. Aber das kann sich im zweiten 30-Runden-Stint ganz schnell ändern.
Als Bronze-Fahrer wird er den ersten Teil des Rennens übernehmen müssen, weil im Falle eines Safety-Cars möglichst viel Bronze-Fahrzeit absolviert sein sollte. "Ich scherze immer mit Richard [Lietz], dass er schön in der kühlen Nacht fahren kann, während wir Bronze-Fahrer uns in der Nachmittagshitze den Hintern aufreißen müssen. Aber ich liebe diese Herausforderung und freue mich drauf."
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