Motorsport.com Top 10: Die besten MotoGP-Piloten 2016

Mit 9 verschiedenen Siegern hat die MotoGP im Jahr 2016 Geschichte geschrieben. Doch wer waren die besten Piloten in den 18 Rennen? Unser internationales Gremium hat entschieden.

Das Gremium

 Oriol Puigdemont (OP) - Gruppenredakteur MotoGP

 Jamie Klein (JK) - Redakteur Großbritannien

 Valentin Khorounzhiy (VK) - Redakteur

 Lena Buffa (LB) - Leitende MotoGP-Redakteurin Frankreich

 Matteo Nugnes (MN) - Leitender MotoGP-Redakteur Italien

 Toni Boerner (TB) - Leitender MotoGP-Redakteur Deutschland

 Scherazade Mulia Saraswati (SMS) - Leitende MotoGP-Redakteurin Indonesien

Erwähnenswerte Leistungen

 Danilo Petrucci 

Pramac Ducati, 14. Platz 

VK: Aufgrund seiner geringen Konstanz und zu aggressiven Fahrweise war Danilo Petrucci zurecht unter Beschuss von Eugene Laverty und seinem Teamkollegen Scott Redding. Doch der Italiener hat phasenweise gezeigt, was er kann. Zudem muss man ihm Respekt zollen, weil er nach seiner Verletzung zu Beginn der Saison so schnell wieder zurückgekehrte.

 Alvaro Bautista

Aprilia, 12. Platz

OP: Alvaro Bautista hat vor allem in der 2. Saisonhälfte seine Leistung bei Aprilia gesteigert. Der Spanier landete erstaunlicherweise in den letzten 7 Rennen 6 Mal in den Top 10.

 Jack Miller

Marc VDS Honda, 18. Platz (1 Sieg)

TB: Das Highlight von Jack Miller war sein Sieg in Assen. Seit dem Sieg von Toni Elias in Estroril im Jahre 2006 stand damit zum 1. Mal ein Nicht-Werksfahrer ganz oben auf dem Podium. Die Saison verlief für den Australier jedoch sehr unglücklich, da er sich sehr oft verletzte. 

10.  Pol Espargaro

Tech 3 Yamaha, 8. Platz

Pol Espargaro, Monster Yamaha Tech 3
Pol Espargaro, Monster Yamaha Tech 3

Foto von: Gold and Goose Photography

JK: Nachdem er in der Saison 2015 von Teamkollege Bradley Smith an die Wand gefahren worden war, musste sich Pol Espargaro beweisen. Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er holte 7 Top-6-Ergebnisse (Smith landete kein einziges Mal in den Top 6) und er holte mehr als doppelt so viele Punkte wie der Brite. Im kommenden Jahr fahren beide für KTM.

VK: Espargaro hat kein Ergebnis abgeliefert, an das man sich später noch erinnern wird. Insgesamt verlief sein Jahr aber gut. Nur Marc Marquez und Maverick Vinales erzielten öfter Punkte als der Spanier. Zwar holte er niemals mehr raus als für das Team machbar war, doch insgesamt hat er genug getan. 

LB: Aufgrund der neuen Reifen und der Einheitselektronik war Espargaro wieder vor Smith. Bis zur fulminanten Rückkehr von Cal Crutchlow war der Spanier der beste private Fahrer in der Weltmeisterschaft. Er half Yamaha in der Herstellerwertung aus, wenn Jorge Lorenzo und Valentino Rossi scheiterten.

9.  Dani Pedrosa

Repsol Honda, 6. Platz (1 Sieg)

Dani Pedrosa, Repsol Honda Team
Dani Pedrosa, Repsol Honda Team

Foto von: Gold and Goose Photography

JK: Es ist schwierig, kein Mitleid mit Dani Pedrosa zu haben. In einer schwierigen Saison hat er seinen Rekord von mindestens einem Rennsieg pro Jahr gehalten. In Misano stand er ganz oben. Seine kleine Statur war dort von Vorteil, weil er die Reifen schnell auf Temperatur kriegt. Aufgrund seiner Verletzung, die er sich in Japan zuzog, war es für ihn aber ein Jahr zum Vergessen. 

TB: Er hatte Probleme mit den neuen Regeln und einigen Verletzungen. Das Resultat war ein enttäuschendes Jahr. Einziger Lichtblick war sein Sieg in Misano. Noch nie legte Pedrosa solch eine schlechte Leistung hin. Seit seinem Einstieg in die MotoGP im Jahr 2006 hatte er noch nie so wenige Besuche auf dem Podium. Er landete auch noch nie zuvor außerhalb der Top 5 der Gesamtwertung.

SMS: Es scheint, als gäbe es keine Saison, in der sich Pedrosa nicht verletzt. Honda hat noch immer Vertrauen in seinen Piloten und hat seinen Vertrag um 2 Jahre verlängert. In Misano zeigte Pedrosa, was in ihm steckt.

8.  Hector Barbera

Avintia Ducati, 10. Platz

Hector Barbera, Avintia Racing
Hector Barbera, Avintia Racing

Foto von: Gold and Goose Photography

OP: Hector Barbera lieferte seine beste MotoGP-Saison ab. Er war einer der konstantesten Piloten im Feld. Deshalb durfte er in Japan und Australien auf die Werks-Ducati steigen, um Andrea Iannone zu vertreten. 

LB: Mit der 2 Jahre alten Ducati holte Barbera zum 1. Mal seit 4 Jahren einen Startplatz in der 1. Reihe. Er landete zudem 3 Mal in den Top 5 und fuhr in Malaysia auf Platz 4 (sein bestes Karriereergebnis). Auch wenn er gegen Ende des Sommers etwas Boden verlor, war es die beste Saison seiner Laufbahn. 

MN: Er war lange Zeit bester Ducati-Pilot in der Gesamtwertung, holte in seinen 2 Rennen auf dem Werksbike aber nicht alles heraus. Eine Top-10-Platzierung auf einem 2 Jahre altem Motorrad ist keine schlechte Leistung. 

7.  Andrea Iannone

Ducati, 9. Platz (1 Sieg)

Andrea Iannone, Ducati Team
Andrea Iannone, Ducati Team

Foto von: Gold and Goose Photography

JK: Für niemanden, außer vielleicht Miller, verlief die Saison so sehr in Form einer Achterbahn wie für Ianonne. Die Rennen in Spielberg und Valencia waren seine Highlights. Die letzten Rennen der Saison waren für Ianonne jedoch wie verhext. 

VK: In über 40 Prozent der Rennen fiel er aus. Eine wirklich schlechte Bilanz, vor allem wenn man die Zwischenfälle mit Jorge Lorenzo (Barcelona) und Andrea Dovizioso (Termas des Rio Hondo) betrachtet. Es scheint, als würde er zu viel Risiko eingehen. Wenn der Italiener die Balance findet, ist er jedoch sehr schnell. 

SMS: Wird Ducati die Entscheidung, Iannone gehen zu lassen, bereuen? Oftmals war "The Maniac" schneller als sein Teamkollege. Seinen 1. Sieg holte er auf dem Red-Bull-Ring. Danach wurde seine Saison jedoch durch Verletzungen beeinflusst.

6.  Andrea Dovizioso

Ducati, 5. Platz (1 Sieg)

Andrea Dovizioso, Ducati Team
Andrea Dovizioso, Ducati Team

Foto von: Gold and Goose Photography

OP: Auch wenn Dovizioso nicht so aufgefallen ist wie andere Fahrer, siegte er in Sepang unter schwierigen Bedingungen. Es war sein 1. Sieg seit 2009. Zudem war er auf der Ducati sehr konstant. Er hat in Austin und Termas de Rio Hondo viele Punkte verloren, weil er von Iannone und Pedrosa aus dem Rennen genommen wurde.

VK: Es gibt schnellere und konstantere Fahrer in der MotoGP. Dovizioso hält aber in beiden Bereichen ein hohes Level. Er spielte zudem eine große Rolle im Zusammenhang mit den Fortschritten bei Ducati. Er hat sich einen Platz in den Top 10 verdient. 

LB: Als Führungsperson bei Ducati hat Dovizioso Voraussicht und eiserne Einsatzbereitschaft gezeigt. Das Pech hat ihn nicht herunter gezogen und er suchte immer einen Weg, um sich zu verbessern. Er war immer ein Kandidat für das Podium, auch wenn ihm der Wechsel der Reifenmarke nicht in die Karten spielte. Er war erleichtert, als er in Sepang endlich wieder an der Spitze stand. 

5.  Cal Crutchlow

LCR Honda, 6. Platz (2 Siege)

Cal Crutchlow, Team LCR Honda almost crash
Cal Crutchlow, Team LCR, Honda 

Foto von: Gold and Goose Photography

OP: Nach seinem schwachen Saisonstart mit nur 5 Punkten aus 5 Rennen meldete sich Crutchlow wieder zurück. Er siegte in Brno und auf Phillip Island. Er hat zudem zur Entwicklung des Honda-Bikes beigetragen.

MN: Für einen Satelliten-Fahrer sind 2 Siege eine herausragende Leistung. Zusätzlich schnappte sich der Brite eine Pole-Position und landete 2 Mal auf dem Podium. Er hätte vielleicht eine Chance verdient, im kommenden Jahr bei HRC zu fahren.

TB: Nach der Geburt seines Kindes Willow hat Crutchlow sein Auftreten verändert. Seine 2 Siege machten ihn zum drittbesten Fahrer der Saison. Er hat viele Menschen zum Schweigen gebracht, die geglaubt haben, er würde niemals ein MotoGP-Rennen gewinnen.

4.  Jorge Lorenzo

Yamaha, 3. Platz (4 Siege)

Jorge Lorenzo, Yamaha Factory Racing
Jorge Lorenzo, Yamaha Factory Racing

Foto von: Yamaha MotoGP

OP: Niemand litt so unter dem Wechsel zu Michelin-Reifen wie der Vorjahresweltmeister. Sein Selbstvertrauen sank auf trockener Strecke und im Regen. Nun steht Lorenzo vor seiner größten Herausforderung, denn er wechselt im Jahr 2017 von Yamaha zu Ducati.

VK: Gab es in der MotoGP-Saison 2016 einen anderen Fahrer, der an einem Wochenende den Rundenrekord brach, alles unter Kontrolle und im nächsten Rennen große Probleme hatte? Kein MotoGP-Fahrer ist besser als ein Lorenzo in Topform. Aufgrund seines geringen Selbstvertrauens im Regen und häufig auch mit den Slicks von Michelin, war er jedoch nicht in der Lage, um den Titel zu kämpfen.

MN: Wenn Yamaha und die Michelin-Reifen das bieten, was Lorenzo braucht, ist er quasi unschlagbar. Das Problem ist, dass nur eine winzige Kleinigkeit ihm dieses Gefühl raubt. Vor allem auf nasser Strecke hatte er seine Probleme. Man hatte in seinem letzten Yamaha-Jahr mehr von ihm erwartet.

3.  Maverick Vinales

Suzuki, 4, Platz (1 Sieg)

Maverick Viñales, Team Suzuki MotoGP
Maverick Vinales, Team Suzuki MotoGP

Foto von: Gold and Goose Photography

JK: In der 2. Hälfte seiner Rookie-Saison sorgte Vinales für hochgezogene Augenbrauen. Er zeigte tolle Leistungen, stach seinen Teamkollegen Aleix Espargaro aus und holte die besten Ergebnisse für Suzuki seit der Jahrtausendwende. Der Sieg im trockenen Silverstone war sicher das Highlight des Teams im Jahr 2016.

LB: Vianles' 1. MotoGP-Saison ist das Fundament eines aufgehenden Sterns. Nach den starken Tests zeigte der Spanier Führungsstärke im jungen Suzuki-Team. Er wurde mit seinen 1. Podiumsplätzen und dem 1. Sieg belohnt. In 2 Jahren ist er zu einem Fahrer herangewachsen, der in Zukunft das Potenzial für einen WM-Titel hat.

SMS: Das Suzuki-Bike war in den Händen von Vinales eine echte Waffe. Er hat nicht nur den Sieg in Silverstone geholt, sondern war auch eine Gefahr für die etablierten Fahrer im Qualifying. Er muss seine Konstanz und Durchschlagskraft über die gesamte Saison hinweg aber noch verbessern, um Rossi im Jahr 2017 gefährlich zu werden.

2.  Valentino Rossi

Yamaha, 2. Platz (2 Siege)

Second place Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing

Foto von: Gold and Goose Photography

OP: Er mag 37 Jahre alt sein, aber sein Hunger und seine Ambitionen gleichen denen eines Rookies. Rossi gibt im Rennen immer alles. Er baute aber zu viele Fehler ein, um eine echte Gefahr für Marquez darzustellen.

JK: Es ist schon ironisch, dass Rossi den Titelkampf in der Saison 2015 trotz eines fehlerfreien Jahres verloren hatte, im Jahr 2016 die Geschwindigkeit gefunden hat, um vorne dabei zu sein, dann aber zu viele Fehler machte. Er hat den Wechsel auf die Michelin-Reifen besser verkraftet als viele andere Fahrer. Mit ihm ist noch immer zu rechnen. Das hat er bewiesen.

MN: In Sachen Geschwindigkeit war es für Rossi eines der besten Jahre seit langem. Es war jedoch nicht genug, um Marquez gefährlich zu werden. Er machte im Rennen zu viele Fehler, die ihm teuer zu stehen kamen.

TB: Unter normalen Umständen hatte ich nie an einen Rossi-Sieg geglaubt. Er hat mich mit seinen 2 Siegen in Jerez und Barcelona wirklich überrascht. Aufgrund seines Alters und seinem Endergebnis ist er die Nummer 1 auf meiner Liste, auch wenn er einige Fehler gemacht hat.

SMS: Der verlorene Kampf um den Titel im Jahr 2015 war eine große Enttäuschung. In der Saison 2016 war er noch motivierter und hatte mehr Selbstvertrauen. Er stand sich mit eigenen unnötigen Fehlern selbst im Weg. Der "Doktor" hat aber bewiesen, dass sein Alter von 37 Jahren nur eine Zahl ist.

1.  Marc Marquez

Honda, 1. Platz (5 Siege)

Marc Marquez, Repsol Honda Team
Marc Marquez, Repsol Honda Team

Foto von: Gold and Goose Photography

VK: Oftmals geht es darum, wie Marquez seine Kontrahenten ausgetrickst hat. Der WM-Titel wäre aber nicht möglich gewesen, wenn er nicht so unmenschlich schnell gewesen wäre. Im Jahr 2016 war kein MotoGP-Pilot annähernd so gut wie er. Kein Motorsport-Champion hat den Titel 2016 so sehr verdient wie er. 

LB: Während der Tests hatte er einige Stürze zu beklagen. Auch während der Rennen machte er einige Fehler. Er war aber clever genug, ein schlechteres Ergebnis zu sichern, wenn der Sieg nicht möglich war. Schritt für Schritt verbesserte er seine Konstanz und das Potenzial der Honda, um 3 Rennen vor dem Saisonfinale als Weltmeister festzustehen.

MN: Er hat den Titel verdient. Er hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft und Chancen genutzt. Von Anfang an war klar, dass er im Vergleich zur Konkurrenz ein schwächeres Bike hatte.

TB: Er hat aus seinen Fehlern im Jahr 2014 gelernt. Deshalb hat er die rasanteste Entwicklung in seiner Karriere durchlebt. Die Saison 2015 war ein charakterformendes Jahr, durch das jeder große Star einmal durch muss. Marquez hat es mit Bravour gemeistert. 

SMS: Nachdem es bei den Tests noch Probleme mit der Beschleunigung der Honda gegeben hatte, hat Marquez dieses Problem nicht nur gelöst, sondern noch mehr aus dem Bike herausgeholt. Er bewies Reife und Anpassungsfähigkeit als Teil seiner neuen Herangehensweise. Seine Ruhe hat sich letztendlich ausgezahlt.

Das Endergebnis:

FahrerOPJKVKLBMNTBSMSGesamt
 Marquez 10 10 10 10 10 9 10 69
 Rossi 8 8 9 9 7 10 9 60
 Vinales 9 9 8 8 9 7 7 57
 Lorenzo 7 7 7 7 6 4 8 46
 Crutchlow 6 6 5 5 8 8 5 43
 Dovizioso 4 5 6 6 5   4 30
 Iannone 3 4 3 4 4 1 6 26
 Barbera 5     3 1 6 1 16
 Pedrosa   2 2 2 2 3 3 14
 P. Espargaro   3 4 1   2 2 12
 Miller 2 1     3 5   11
 Bautista 1             1
 Petrucci     1         1

Top-10-Punkte: 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1 

Werde Teil von etwas Großem!

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Fahrer Valentino Rossi , Hector Barbera , Andrea Dovizioso , Cal Crutchlow , Dani Pedrosa , Marc Marquez , Pol Espargaro , Andrea Iannone , Jack Miller , Maverick Vinales
Artikelsorte Feature
Tags bewertung, motogp, top 10