Budgetobergrenze: Sollte eine WM nachträglich korrigiert werden?

Während weiter darüber spekuliert wird, ob 2021 Teams gegen die Budgetobergrenze verstoßen haben, wird im Paddock auch schon über mögliche Strafe diskutiert ...

Budgetobergrenze: Sollte eine WM nachträglich korrigiert werden?
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Mögliche Verstöße gegen die Budgetobergrenze im vergangenen Jahr sind in diesen Tagen das große Thema im Formel-1-Fahrerlager. Und viele Fans fragen sich in diesem Zusammenhang: Könnte die WM 2021 nachträglich noch einmal korrigiert werden?

Fakt ist, dass das Finanzreglement der Königsklasse diese Option zulässt. Sollte ein Team den Kostendeckel überzogen haben, könnten WM-Punkten abgezogen oder das Team im Extremfall sogar aus der WM ausgeschlossen werden - und zwar auch rückwirkend.

"Wir wissen, dass es einer der Nachteile dieser Regeln ist", sagt Laurent Mekies von Ferrari. Denn die Saison 2021 ist seit rund zehn Monaten vorbei. Doch wie sollte die FIA damit umgehen, wenn es im vergangenen Jahr tatsächlich Verstöße gegeben haben sollte?

Einig sind sich die meisten Teams lediglich dabei, dass ein Bruch der Budgetobergrenze eine empfindliche Strafe nach sich ziehen müsste. Auf die Frage, ob die FIA ganze WM-Stände rückwirkend noch ändern sollte, halten sich die meisten jedoch bedeckt.

Mekies erklärt zum Beispiel, die wichtigere Frage sei, ob man durch einen Verstoß 2021 auch einen Vorteil für die kommenden Jahre habe. "Wenn es also einen Verstoß 2021 gab, welchen Vorteil hat man dadurch mit in 2022 genommen? Und in 2023?", so Mekies.

Denn Geld, das 2021 ausgegeben wurde, muss nicht zwangsläufig in die Entwicklung 2021 geflossen sei. Hätte man es zum Beispiel bereits für das neue Auto eingesetzt, hätte man demnach zwar 2021 zu viel ausgegeben, damit aber einen Vorteil für 2022 erzielt.

Strafen lieber für das neue Jahr aussprechen?

Williams-Teamchef Jost Capito erklärt daher: "Ich denke nicht, dass [eine Strafe] für das letzte Jahr sein sollte, weil die meisten Auswirkungen auf dieses Jahr zurückzuführen sind." Er fände es "komplett falsch", das Ergebnis 2021 rückwirkend zu ändern.

Besondere Brisanz erhält das Gedankenspiel dadurch, dass die Gerüchte im Fahrerlager besagen, dass das Red-Bull-Team von Weltmeister Max Verstappen zu den beiden Teams gehören könnte, die im vergangenen Jahr zu viel Geld ausgegeben haben sollen.

Es würde in diesem konkreten Fall also nicht nur darum gehen, die WM-Wertung 2021 an irgendeiner Stelle noch einmal zu verändern. Sogar der Titel des Niederländers würde damit auf dem Spiel stehen. Ein Szenario, das sich aus sportlicher Sicht kaum jemand wünscht.

Klar ist allerdings auch, dass die Teams von der FIA eine harte Hand bei möglichen Verstößen erwartet. Capito verrät: "Ohne den Kostendeckel wäre [Teambesitzer] Dorilton nicht in den Sport eingestiegen. Das zeigt, wie viel es für das Team bedeutet."

Seidl: Finanzregeln wie Technik und Co. behandeln

"Ich habe kein Meeting, in dem das Word 'Costcap' nicht erwähnt wird. Das gilt für jedes technische Meeting, jedes finanziellen Meeting - alle", so der Williams-Teamchef, der damit die Bedeutung der Budgetobergrenze verdeutlichen möchte.

"Wichtig ist einfach, dass die finanziellen Regularien, die jetzt am Start sind, genauso wie die sportlichen und technischen Regularien eingehalten werden müssen", stellt auch Andreas Seidl bei 'Sky' klar, der "entsprechende Strafen" bei Verstößen erwartet.

"Wir haben da großes Vertrauen in die FIA, vor allem auch in den neuen Präsidenten, dass sie das entsprechend handlen werden, [...] falls es Verstöße oder sogar einen Betrug gab", so der McLaren-Teamchef - den das übrigens nicht überraschen würde.

"Bezüglich der Spekulationen, welche Teams da betroffen sein können, möchte ich mich nicht mit beteiligen, weil ich habe keine konkreten Informationen darüber oder keine Beweise", so Seidl, der aber trotzdem spannende Einblicke aus McLaren-Sicht liefert.

Haben "zwei Teams" mit Geld um sich geworfen?

Er verrät nämlich, dass sein Rennstall durch den Kostendeckel im vergangenen Jahr sehr einschneidende Maßnahmen habe ergreifen müssen. Man habe in Woking Leute entlassen oder Gehälter kürzen müssen, "was sehr, sehr ernst war", so Seidl.

"Gleichzeitig gab es vor allem zwei Teams, die unglaublich aggressiv Leute eingestellt haben und weiter einstellen", berichtet er und erklärt, diese Teams, deren Namen er nicht nennt, hätten unter anderem mit "unglaublichen Gehältern" um sich geworfen.

"Da fragen wir uns alle, wie das in dieser neuen Welt der Formel 1 möglich ist", so Seidl, der von einer möglichen Strafe für die betreffenden Teams abgesehen außerdem betont: "Für mich ist eben auch wichtig, dass wir hier absolute Transparenz reinkriegen."

Zunächst einmal bleibt abzuwarten, ob es im vergangenen Jahr tatsächlich Verstöße gegen die Budgetobergrenze gegeben hat. Sollte das der Fall sein, wären die daraus resultierenden Strafen der FIA auf jeden Fall richtungsweisend für die Zukunft.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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