Formel 1 2026: Warum Starts nun völlig anders ablaufen
Die neue Formel 1 Ära ab 2026 stellt die Fahrer vor ungeahnte Probleme - Ohne die MGU-H kehrt das Turboloch zurück und macht Starts komplizierter
2025: Start in der Formel 1 - so einfach wird es 2026 nicht
Foto: LAT Images
Das neue Reglement für 2026 stellt die Fahrer vor massive Herausforderungen, da die Boliden mit ihren Vorgängern kaum noch etwas gemeinsam haben. Das Chassis ist rund 32 Kilogramm leichter und verfügt über deutlich weniger Abtrieb. Gleichzeitig ist der Antriebsstrang wesentlich stärker auf elektrische Energie angewiesen: Verbrenner und Elektromotor teilen sich die Leistung nun in einem Verhältnis von fast 50 zu 50 auf.
Doch vor allem der Motorwechsel bereitet den Piloten Kopfzerbrechen, da sie nun viel mehr im Blick behalten müssen - insbesondere die Batterie. Das Energiemanagement wird das Renngeschehen massiv beeinflussen. Es ist bereits bekannt, dass Fahrer auf den Geraden herunterschalten könnten, um die Batterie zu schonen.
Ein Thema, das bei den dieswöchigen Testfahrten in Bahrain jedoch besonders in den Fokus rückte, sind die Rennstarts.
Turboloch und Drehzahlen
In der Vergangenheit liefen diese reibungslos ab. Doch der Wegfall der MGU-H hat die Sache verkompliziert. Die MGU-H war das Bauteil, das heiße Abgase in elektrische Energie umwandelte und so für eine sofortige Beschleunigung sorgte.
Jetzt müssen die Fahrer ihren Motor deutlich höher und länger drehen lassen, sobald die Kupplung greift, um das Turboloch zu überwinden. Das könnte dazu führen, dass die Starts bei weitem nicht mehr so perfekt aussehen wie früher.
Neuzugang bei Cadillac, Valtteri Bottas, erklärt in Bahrain: "Das ist wieder ein Teil der Lernkurve, wenn es um die Gaspedalkennlinien und alles andere geht."
Bottas sieht Herausforderung
"Im Moment müssen wir den Motor erst einmal sehr lange auf Drehzahl halten, fast zehn Sekunden lang, damit der Turbo richtig hochdreht. Wenn er dann kommt, steigt natürlich die Drehzahl weiter an und man muss das Gaspedal entsprechend anpassen. Aber wir werden Lösungen für diese Dinge finden, damit es konstanter wird."
Der 36-Jährige, der in seiner Karriere zehn Siege bei 246 Starts feierte, sieht seine größte persönliche Herausforderung beim Saisonauftakt in Australien im März - aufgrund einer Startplatzstrafe von fünf Plätzen. Dass Bottas eine Strafe absitzen muss, obwohl er 2025 gar nicht in der Startaufstellung stand, mag seltsam klingen.
Doch eine Kuriosität im alten Reglement schreibt vor, dass er die Strafe für die Kollision mit Kevin Magnussen bei seinem letzten Rennen, dem Grand Prix von Abu Dhabi 2024, noch verbüßen muss.
Startplatz wichtig?
"Wenn ich weiter hinten in der Startaufstellung stehe: Bleibt dann genug Zeit, sobald die Ampeln angehen, um den Turbo wirklich auf Touren zu bringen?", fragt sich Bottas. Seine Situation veranlasste den Automobil-Weltverband FIA bereits dazu, das Reglement anzupassen, sodass Strafen künftig verfallen, wenn sie nicht innerhalb von zwölf Monaten abgesessen werden können.
"Aktuell dauert es etwa zehn Sekunden. Das ist eine Sache, die wir austüfteln müssen. Normalerweise bekommt man über Funk Bescheid, wenn das letzte Auto in die Startaufstellung fährt, das ist eine Vorwarnung. Aber wir müssen das noch genau verstehen."
Das Hochdrehen des Motors ist natürlich nicht der einzige Weg, um das Turboloch zu umgehen. Die andere Option - die Nutzung der MGU-K, die kinetische in elektrische Energie umwandelt - ist für die Fahrer jedoch schlichtweg verboten.
MGU-K darf nicht verwendet werden
Das Reglement schreibt vor, dass die MGU-K nicht dazu verwendet werden darf, den Turbo in der Startaufstellung vorzuspannen. Nach dem Losfahren darf sie erst zugeschaltet werden, wenn das Auto eine Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde erreicht hat.
Doch selbst wenn ein Fahrer einen schlechten Start erwischt hat, wird er zögern, die MGU-K sofort voll einzusetzen. Denn das würde bedeuten, wertvolle Batterieenergie zu opfern - was den Rest der Runde beeinträchtigen würde.
"Es ist viel komplizierter geworden", sagt der aktuelle Weltmeister Lando Norris. "Sobald man die Batterie nutzt, um in irgendeiner Situation nachzuhelfen, fehlt diese Energie für den Rest der Runde."
Viele neue Faktoren
"Ich kann vielleicht einen besseren Start hinlegen, aber dann geht mir die Batterie schon vor Kurve 1 aus - an Orten wie Mexiko zum Beispiel. Es wird also einige Komplikationen geben. Im Moment ist es schwieriger, vor allem den Turbo auf den perfekten Punkt zu bringen."
"Und da man nicht mehr die perfekte Menge an Batterieenergie hat, um die Löcher zu stopfen, ist es ein ganzes Stück kniffliger. Man wird in Bahrain also definitiv eine Menge Startübungen sehen."
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