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Hamilton-Strafe: Zu hart oder haben er und Mercedes einfach geschlafen?

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Hamilton-Strafe: Zu hart oder haben er und Mercedes einfach geschlafen?
Autor:
Co-Autor: Christian Nimmervoll

Lewis Hamilton und Mercedes liefern nachvollziehbare Gründe, warum man die geschlossene Boxengasse nicht bemerkte - Warum die Strafe dennoch berechtigt ist

An der Strafe gegen Lewis Hamilton beim Großen Preis von Italien am vergangenen Sonntag scheiden sich die Geister. Der Weltmeister hatte eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe kassiert, weil er in die zu diesem Zeitpunkt geschlossene Boxengasse gefahren war. Doch wer trägt die Verantwortung? Hamilton selbst oder doch eher sein Mercedes-Team?

"Man verlässt sich sehr auf das Team, einem Dinge zu sagen", erklärt Hamilton, der die Strafe aber gleichzeitig auf seine eigene Kappe nimmt. Fakt ist, dass sowohl Hamilton selbst als auch das Team die Strafe hätten vermeiden können. Rennleiter Michael Masi verrät, dass sowohl Fahrer als auch Team entsprechende Hinweise von der Rennleitung bekamen.

"Einer ist für den Fahrer", erklärt Masi und präzisiert: "Abhängig von der Strecke gibt es entweder eine oder zwei Anzeigen. Die Anzeigen, die normalerweise das Safety-Car oder andere Flaggensignale anzeigen, zeigen dann ein großes rotes Kreuz." In Monza handelt es konkret um die Anzeigen 16 und 17, die sich jeweils an der Außenseite der Parabolica befinden.

Hamilton kritisiert Position der Anzeigen

"Ich erinnere mich nicht daran, dass dort jemals das Zeichen dafür war, dass die Boxengasse geschlossen wird. Ich wusste nie, dass es auf der linken Seite ist. Das war eine neue Erfahrung", berichtet Hamilton. Fakt ist aber, dass Teams und Fahrern vor dem Rennen in den sogenannten "Event Notes" genau mitgeteilt wurde, wo sich die Anzeigen befinden.

In den von der Rennleitung herausgegebenen Informationen befindet sich unter anderem eine Skizze der Boxengasse, auf der auch die beiden entsprechenden Anzeigen explizit gekennzeichnet sind. Diese "Event Notes" werden vor jedem Grand Prix und für jedes Rennen separat herausgegeben. Hamilton hat sie in diesem Fall wohl nicht gelesen.

 

Doch unabhängig davon, dass Hamilton gar nicht wusste, wo sich die Anzeigen befinden, erklärt er, dass es an den entsprechenden Positionen sowieso unmöglich sei, sie überhaupt zu sehen. "Wenn man auf eine Kurve zufährt, dann [sind solche Anzeigen] relativ leicht zu sehen. Aber in der Kurve schaust du nicht nach rechts, wenn es eine Linkskurve ist", erklärt er.

Die Parabolica ist eine Rechtskurve, die Anzeigen befinden sich allerdings auf der linken Seite. Hamilton erklärt: "Du schaust nach rechts und auf den Abstand zwischen dir und der weißen Linie. Man schaut also mittig nach rechts - aber nicht nach links." Erschwerend kam im konkreten Fall dazu, dass auf der rechten Seite das Auto von Kevin Magnussen abgestellt war.

Mercedes bemerkte Schließung zu spät

Hamilton erklärt, dass man in so einem Fall noch mehr nach rechts schaue, weil in so einer Situation zum Beispiel Marshals oder andere Leute nah an der Strecke stehen könnten. Doch dann hätte das Team noch die Möglichkeit gehabt, Hamilton zu informieren. Masi erklärt: "Außerdem zeigt die Software, die die Teams verwenden, die Boxengasse als rot und geschlossen."

"Das dritte Element ist die Timing Page, auf der alle Zwischenfälle auftauchen. Dort gibt es die Nachricht 'pit lane closed'", so der Rennleiter. "Niemand schaut auf diese Seite, wenn das Safety-Car herauskommt und der Fahrer im Begriff ist, in die Box zu kommen. Alles konzentriert sich auf den Boxenstopp", nimmt Teamchef Toto Wolff sein Team in Schutz.

Tatsächlich bemerkte man bei Mercedes auch noch vor dem eigentlichen Stopp, dass die Boxengasse geschlossen war. Doch als Hamilton per Funk die entsprechende Nachricht bekam, da hatte er die Linie zur Boxeneinfahrt bereits überfahren. Der Weltmeister ärgert sich zudem darüber, dass das Magnussen-Auto überhaupt an der entsprechenden Stelle geparkt wurde.

"Warum zur Hölle haben sie es geschoben?", so Hamilton. Er verstehe zwar den Grund, aber seiner Meinung sei es "nicht notwendig" gewesen, das Auto dort abzustellen. Auch hier liefert Rennleiter Masi eine Erklärung. So sei es keine Option gewesen, den Boliden durch eine Öffnung in der Leitplanke kurz vor der Boxengasse zu schieben. Denn dabei handelt es sich nur um einen Marshal-Posten.

Hamilton akzeptiert Strafe, hadert aber trotzdem

"Da passt das Auto nicht durch", erklärt Masi und ergänzt: "Die einzige Möglichkeit, es sicher zu entfernen, war es, das Auto in die Boxengasse zu schieben, weil es keine andere Öffnung [in der Leitplanke] gab." Für weiteren Diskussionsstoff sorgte zudem die Höhe der Strafe. Eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe ist eine der höchstmöglichen Strafen im Regelwerk.

Hamilton selbst findet, dass so eine hohe Strafe eher dann ausgesprochen werde sollte, wenn man durch gefährliches Fahren zum Beispiel "absichtlich" einen anderen Fahrer gefährde. Er "akzeptiere" die Strafe zwar, doch es sei ärgerlich für ihn gewesen, dass er die Strafe direkt innerhalb der ersten Runden nach dem Neustart absitzen musste.

"Da kannst du keine Lücke zu irgendjemandem herausfahren. Du wirst immer mit 30 Sekunden Rückstand oder so rauskommen", zuckt er die Schultern. Masi stellt in diesem Zusammenhang klar, dass die Strafe für dieses Vergehen immer gleich sei. Deswegen bekam auch Alfa-Romeo-Pilot Antonio Giovinazzi für den gleichen Vorfall die identische Strafe.

"Da gibt es keine Flexibilität", stellt Masi klar. Einige Fans wundern sich darüber, dass Daniel Ricciardo 2016 in Brasilien für einen ähnlichen Vorfall nur eine Fünf-Sekunden-Strafe bekam - also die geringste aller möglichen Strafen. "Dazu kann ich nichts sagen, weil ich 2016 nicht dabei war", so Masi. Allen Teams seien aber die Strafen im aktuellen Regelwerk bekannt.

Tür der Rennkommissare steht immer offen

Der Rennleiter beantwortet zudem weitere Fragen. Warum brauchten die Rennkommissare zum Beispiel länger, um die Strafe gegen Hamilton auszusprechen? Die Strafe gegen Giovinazzi wurde bereits einige Minuten vorher kommuniziert. "Es hat vermutlich gar nicht länger gedauert", stellt Masi klar. Die Rennkommissare müssten sich nur jeden Vorfall individuell anschauen.

Zudem sei gleichzeitig auch noch das Safety-Car auf der Strecke gewesen, und es habe den Unfall von Charles Leclerc gegeben. Man habe viele Dinge in kurzer Zeit erledigen müssen, deswegen habe alles etwas länger gedauert. Außerdem äußert er sich zu der Situation während der Rennunterbrechung, als Hamilton persönlich zu den Rennkommissaren ging.

 

"Ich weiß nicht, worüber gesprochen wurde, denn ich war nicht dabei", stellt er klar. Ein Problem habe er aber nicht damit. "Es gibt nichts, was dagegen spricht [zu den Stewards zu gehen]", so Masi. Die Tür der Rennkommissare stehe grundsätzlich immer offen. "Wenn jemand eine Fragen hat, dann kann man fragen", betont der Rennleiter.

Hamilton brachte es ohnehin nichts, seine Strafe musste er anschließend ganz normal absitzen.

Weitere Co-Autoren: Adam Cooper. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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