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James Allison: Ferrari hat den falschen Management-Stil

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James Allison: Ferrari hat den falschen Management-Stil
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17.07.2020, 18:20

Mercedes-Technikchef James Allison erklärt, warum er die Teamführung bei Ferrari für falsch hält und warum manchmal etwas Mut notwendig ist

"Der Job ist sicherlich schwierig", sagt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: Binotto steht seit Wochen massiv in der Kritik, nicht erst seit dem angekündigten Aus von Sebastian Vettel und der weiter ungeklärten Motorenaffäre. Nun aber mischt sich mit James Allison ein früherer Ferrari-Mitarbeiter in die Diskussion ein - und sorgt für neuen Gegenwind.

Allison, der von 2000 bis 2004 und erneut von 2013 bis 2016 als leitender technischer Angestellter für Ferrari gearbeitet hat, deutete in der FIA-Pressekonferenz vor dem Ungarn-Grand-Prix an: Der Management-Stil von Ferrari sei womöglich überholt.

Konkret sagte Allison, gerade aufgrund der großen Historie, fühle sich jeder im Team dazu verpflichtet, der hohen externen Erwartungshaltung gerecht zu werden. "Intern drückt sich das am deutlichsten durch das Top-Down-Management aus", meint Allison. "Bei Ferrari ist das wahrscheinlich viel ausgeprägter als in anderen Teams."

Allison: Ferrari nicht modern aufgestellt

Was er damit sagen will: Entscheidungen trifft bei einer solchen Struktur einzig die Chefetage, und sie gibt entsprechende Weisungen an die Mitarbeiter weiter - in einer Hierarchie, die klar von oben nach unten angelegt ist.

Eine solche Organisation sei in der modernen Formel 1 aber zum Scheitern verurteilt, erklärt Allison weiter. "Es führt dazu, dass man eher kurzfristige Entscheidungen trifft. Und das wiederum kann dazu führen, dass man seine Richtung verliert, statt grundlegende Stärken aufzubauen, die man von einem Jahr ins nächste mitnehmen könnte."

Hat sich Ferrari in den vergangenen Jahren also schlicht verrannt? So scheint es Allison zu interpretieren. Und er ist ein Mann mit reichlich Erfahrung in der Formel 1: Der 52-jährige Brite war seit 1991 für Benetton, Renault, Lotus und Ferrari tätig, ist seit 2017 als Technischer Direktor bei Mercedes aktiv. Er weiß also, wie anderswo gearbeitet wird.

... was aber keine Abrechnung darstellen soll

Und Allison stellt klar: Er wolle Ferrari und dessen Arbeitsweise gar nicht verteufeln. "Ich wäre nicht [2013] ein zweites Mal zu Ferrari gegangen, wenn dort zu arbeiten eine schreckliche Erfahrung gewesen wäre", erklärt er. "Bei Ferrari habe ich zwei wichtige Abschnitte meiner Karriere verbracht."

Er ging während der Saison 2016, nachdem seine Frau im März des gleichen Jahres unerwartet verstorben war. Allison zog es zurück in seine englische Heimat, zu seinen drei Kindern.

Die Ferrari-Zeit aber will er nicht missen. Für die legendäre Scuderia zu arbeiten, das bedeute, "man fühlt, dass man Teil ist von etwas Wichtigem", so Allison.

Binotto: Er wurde der Nachfolger von Allison

Das sei "die wahre Stärke" von Ferrari, "es ist aber auch zugleich die größte Last, denn die Zuneigung einer ganzen Nation bringt auch viel Druck mit sich, wenn es nicht gut läuft. Und die Presse ist viel strenger als bei jedem anderen Formel-1-Team."

Binotto kann das nur bestätigen. Auch er ist schon lange im Geschäft, mit 50 Jahren fast gleich alt wie Allison, aber weitaus weniger erfahren in unterschiedlichen Arbeitswelten: Binotto stieß direkt nach seinem Maschinenbaustudium zu Ferrari und kam 1995 zum Formel-1-Projekt dazu, das er seither in wechselnden Positionen, aber mit immer mehr Verantwortung begleitete.

Es war Binotto, der nach Allisons Abschied die Rolle des Technischen Direktors bei Ferrari übernahm, und nach dem Aus von Maurizio Arrivabene knapp zwei Jahre später auch die Rolle des Teamchefs - zusätzlich zu seinen technischen Aufgaben.

Seit 2008 ist Ferrari ohne Titel

Was er als Führungsfigur im Team schnell erkannt habe: "Wenn es nicht gut läuft, so wie derzeit, dann stehst du unter sehr viel Druck - der hauptsächlich von außen kommt. Wir setzen uns aber auch selbst sehr stark unter Druck, weil wir wissen, was unsere Ziele sind."

Und diese Ziele sind überaus ehrgeizig: Weltmeister werden, erstmals seit über einem Jahrzehnt. Zuletzt hat Kimi Räikkönen für Ferrari den Titel geholt, 2008 siegte Ferrari zum bisher letzten Mal in der Formel-1-Konstrukteurswertung. Seither war Ferrari in der Weltmeisterschaft nie schlechter als P4 klassiert, was aber den hohen Ansprüchen in Maranello nicht genügt.

An diesem hohen Anspruch muss sich auch Binotto messen lassen, der aber betont: "Ich arbeite schon 25 Jahre in der Formel 1. Es ist nicht das erste Mal, dass wir schwierige Saisons bei Ferrari haben. Ich hatte auch schwierige Zeiten erwartet, als ich den Job übernommen habe."

Keine radikale Neuausrichtung bei Ferrari

Diese Erwartung ist eingetroffen. Nach dem Fehlstart in die Saison 2020 - es ist Ferraris schlechtester Formel-1-Auftakt seit 2009, als Felipe Massa und Räikkönen in den ersten drei Rennen komplett ohne Punkte geblieben waren - steht Binotto mit dem Rücken zur Wand.

Eine radikale Neuausrichtung aber soll es bei Ferrari nicht geben, wie er sagt. Im Gegenteil: "Gerade in solchen schwierigen Zeiten ist es wichtig, Stabilität zu wahren, konzentriert zu bleiben und sicherzustellen, dass man als Team alles tut, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit es besser wird."

Laut Allison ist es aber genau die angesprochene "Stabilität", die eine Gefahr für ein Rennteam darstellen könne. Er vergleicht die Entwicklung von Rennwagen mit "Bergsteigen im Nebel" und meint: "Du weißt, es geht aufwärts, wenn es gut läuft. Und je weiter du hochkommst, umso schneller wird dein Auto."

Will Ferrari nichts Neues wagen?

"Wenn aber die Steigung geringer wird, dann fragst du dich, ob du vielleicht allmählich am Gipfel ankommst und ob du dir nicht Gedanken über den nächsten Berg machen solltest."

James Allison

War selbst schon zweimal dort: James Allison kennt Ferrari aus eigener Erfahrung

Foto: LAT

Der nächste Berg, das könnte zum Beispiel eine neue Designphilosphie sein, ein frischer Ansatz bei der Entwicklung. Die große Frage, die sich ein Team wie Ferrari dabei aber stellen müsse, lautet bei Allison: "Ist man stark genug, zu erkennen, dass das aktuelle Konzept nicht gut genug ist?"

Entscheidend sei in einem solchen Fall, nicht krampfhaft an vermeintlich Bewährtem festzuhalten, sondern sich auf Neues einzulassen - in der Hoffnung, damit eine Trendwende einzuleiten.

Eine Neuausrichtung kann "schmerzhaft" sein

Allison betont jedoch: Auch die bewusste Hinwendung zu einem neuen Ansatz werde schmerzhaft sein. Er vergleich es erneut mit Bergsteigen und sagt: "Der erste Teil einer Transformation führt dich nach unten. Denn du musst erst durch ein Tal, bevor du einen anderen Berg erklimmen kannst. Das kann ein Glückspiel sein. Und das schreckt ab, sehr sogar."

Die Versuchung, einfach immer weiter zu gehen, ohne seinen Weg auch nur einmal zu verlassen, sei "sehr, sehr stark", so der Mercedes-Technikchef. "Das Ganze spielt sich in ständigem Nebel ab. Und du weißt: Bei einem Wechsel von einem Berg auf den anderen könntest du auch einen Fehler machen."

Wo er Ferrari auf dieser Reise aktuell stehen sieht, das sagt Allison nicht. Er deutet aber an, dass man sich in Maranello überlegen sollte, wie die Reise fortgesetzt werden kann.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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