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Formel E 2026 Shanghai 2: Lucas di Grassi gewinnt sensationell mit Abt

Lucas di Grassi stürmt vom vorletzten Platz zum Sieg in Shanghai, während Porsche-Pilot Pascal Wehrlein die WM-Führung übernimmt

Formel E 2026 Shanghai 2: Lucas di Grassi siegt sensationell im Regen

Lucas di Grassi siegt noch einmal vor seinem Karriereende.

Foto: Lintao Lintao

Das zweite Rennen der Formel E in Shanghai bot von der ersten Sekunde an packenden Motorsport auf nasser Piste. Nach seinem dominanten Sieg am Samstag reiste Porsche-Pilot Pascal Wehrlein mit nur drei Punkten Rückstand auf den Führenden Mitch Evans an, der wegen eines Defekts am Start fehlte.

Für Wehrlein ergab sich dadurch eine goldene Gelegenheit im Titelkampf. Die Poleposition auf dem Shanghai International Circuit sicherte sich Felipe Drugovich im Andretti, der sich vor Taylor Barnard im DS Penske durchsetzte. Nach drei Runden hinter dem Safety-Car erfolgte der Start stehend im Regen.

Obwohl die Sichtverhältnisse extrem schlecht waren, verlief die Startphase für das gesamte Feld weitgehend reibungslos. Pole-Setter Felipe Drugovich behauptete an der Spitze zunächst die Führung, während dahinter die taktischen Spiele um den Zusatzschub durch den Attack-Mode begannen.

Aggressive Strategie von Beginn an

Schon in der ersten Runde setzten viele Fahrer auf eine aggressive Strategie und holten sich früh die Extra-Leistung. Dadurch fielen einige Piloten zunächst zurück, sicherten sich auf der feuchten Strecke aber einen entscheidenden Traktionsvorteil für die kommenden Umläufe des Rennens.

Besonders Taylor Barnard profitierte von dieser Taktik, ging nach nur anderthalb Runden in Führung und distanzierte die Konkurrenz ohne Zusatzleistung mühelos. Pascal Wehrlein bewies in dieser Phase seine fahrerische Klasse, ging ebenfalls früh in den Angriffsmodus und zog dem Feld davon.

Währenddessen ging sein Porsche-Markenkollege Nico Müller einen noch extremeren Weg, holte sich sofort sechs Minuten Zusatzleistung und schob sich nach zehn Runden auf den zweiten Rang vor. Auch António Félix da Costa zeigte vom 15. Startplatz aus eine enorm starke Aufholjagd für sein Team.

Abtrocknende Strecke ändert die Kräfteverhältnisse

Zur Rennmitte eröffnete Sébastien Buemi im Envision-Jaguar den Reigen der zweiten Attack-Modes und setzte die Porsche-Piloten unter Druck. Nico Müller reagierte sofort, um Teamkollege Wehrlein abzuschirmen, verlor dabei jedoch die Positionen an die beiden heranstürmenden Envision-Fahrzeuge.

Joel Eriksson drehte im Anschluss sensationell auf und ging dank deutlicher Energievorteile scheinbar mühelos an Wehrlein vorbei. Auf der abtrocknenden Strecke bekamen die Porsche-Fahrzeuge zunehmend Probleme, Wehrlein beklagte am Boxenfunk sogar einen deutlichen Energienachteil seines Autos.

Wehrlein aktivierte vier Runden vor dem Ende seinen zweiten Attack-Mode, verlor aber auf der rutschigen Bahn zwei weitere Positionen an Jean-Éric Vergne und Lucas di Grassi. Das Werksteam aus Weissach schien sich bei den wechselhaften Bedingungen strategisch komplett verzockt zu haben.

Di Grassi mit letzten Attack-Mode im Vorteil

Drei Runden vor Schluss sorgte eine Full Course Yellow für eine kurze Neutralisierung des Rennens. Zane Maloney hatte seinen Boliden auf der Start-Ziel-Geraden mit einer gebrochenen rechten Hinterradaufhängung abstellen müssen, was die Bergungsarbeiten der Sportwarte nötig machte.

In dieser Phase wagte Nissan bei Oliver Rowland einen extrem riskanten Taktik-Kniff und holte den Briten für einen Wechsel auf neue Trockenreifen an die Box. Nach der Bergung des Fahrzeugs wurde der Lauf für die letzten zwei Runden unter grüner Flagge wieder für das Finale freigegeben.

Lucas di Grassi, der als einziger Pilot in der Spitzengruppe noch vier Minuten des Attack-Modes übrig hatte, nutzte den Leistungsvorteil optimal aus. Es entwickelte sich an der Spitze ein packender Dreikampf zwischen dem brasilianischen Routinier, Jean-Éric Vergne und Joel Eriksson.

Vom vorletzten auf den ersten Platz - Sensation von di Grassi gelingt

In einem sensationellen Finale pflügte Lucas di Grassi durch die Spitzengruppe. Der 41-jährige Champion von 2017 war vom vorletzten Startplatz ins Rennen gegangen und profitierte am Ende auch vom perfekt gewählten Reifendruck seines Teams Lola Yamaha Abt für diese feuchten Bedingungen.

In der allerletzten Runde zog di Grassi mit der verbleibenden Zusatzleistung an Jean-Éric Vergne vorbei und krönte eine historische Aufholjagd mit dem Sieg. "Ich habe mein erstes Formel-E-Rennen in China gewonnen, es ist großartig, mein letztes hier zu gewinnen", freute sich der Sieger.

Für Abt Sportsline und Partner Lola Yamaha ist dieser Triumph eine absolute Sensation. Es ist der erste gemeinsame Sieg seit dem Comeback des Kemptener Teams zur Saison 2023 und der erste Erfolg für Lola Yamaha überhaupt seit dem Einstieg in die elektrische Weltmeisterschaft im Jahr 2025.

Abt und di Grassi mit letztem Sieg?

Der Erfolg kommt zu einem emotionalen Zeitpunkt, da die Äbte zum Saisonende aussteigen und di Grassi angekündigt hat, seine Formel-E-Karriere nach diesem Jahr zu beenden. Hinter dem Sieger rettete Jean-Éric Vergne im DS Penske den zweiten Platz mit knappen Vorsprung über die Ziellinie.

Der Franzose muss allerdings noch eine Untersuchung der Rennleitung wegen eines möglichen Überholmanövers unter Gelb überstehen. Joel Eriksson komplettierte das Podium als Dritter und feierte damit nach einer starken fahrerischen Leistung das erste Podestresultat seiner Karriere.

Pascal Wehrlein rettete den vierten Platz ins Ziel und schadete seiner Titeljagd trotz des verpassten Podiums kaum. Der Porsche-Pilot übernimmt mit nun 141 Punkten die alleinige Führung in der Weltmeisterschaft und liegt vor den kommenden Läufen nun solide neun Zähler vor Mitch Evans.

WM-Stand ordentlich durchgerüttelt

Auf den Plätzen fünf und sechs folgten Sébastien Buemi und der einstige Pole-Setter Felipe Drugovich, der seine starke Form bestätigte. Der mutige Reifenpoker von Nissan zahlte sich für Titelverteidiger Oliver Rowland im turbulenten Finale voll aus, er stürmte in den letzten Umläufen bis auf Rang acht vor.

Damit schob sich der Brite auf den dritten Platz der Gesamtwertung nach vorne. Die Top 10 des ereignisreichen Sonntagsrennens in Shanghai komplettierten schließlich Taylor Barnard auf dem neunten Rang und Dan Ticktum im Kiro-Porsche, während Maximilian Günther als Elfter leer ausging.

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