Für LMDh-Programm: BMW und Lamborghini kämpfen um Marciello
Raffaele Marciello zählt zu den Top-Piloten im GT-Sport - nun kämpfen BMW und Lamborghini darum, den Italiener für das LMDh-Programm zu gewinnen
Raffaele Marciello gehört zu den besten GT-Piloten der Welt: Der Italiener krönte sich im vergangenen Jahr nicht nur zum Champion im ADAC GT Masters, sondern feierte auch den Sieg beim 24h-Rennen in Spa-Francorchamps. Das weckt das Interesse der Hersteller: Sowohl Lamborghini als auch BMW sind offenbar bemüht, die Dienste des 28-Jährigen für das eigene LMDh-Programm zu gewinnen.
In den vergangenen Monaten wurde bereits gemunkelt, dass Marciello von Mercedes-AMG zu Lamborghini wechseln könnte, um 2024 für Iron Lynx in der WEC-Hypercar-Klasse zu starten. Bei der offiziellen Präsentation des Lamborghini SC63 im Rahmen des Goodwood Festival of Speed wurde der Italiener aber nicht als Fahrer bestätigt.
Mirko Bortolotti, Andrea Caldarelli, Daniil Kwjat und Romain Grosjean stehen als Fahrer bereits fest. Zwei Plätze sind noch offen. "Die Verträge sind unterschrieben, aber wir werden sie erst am Ende der Saison bekannt geben", sagt Giorgio Sanna, Chef der Lamborghini-Motorsportabteilung Squadra Corse. Der Italiener verriet lediglich, dass es sich um einen Lamborghini-Neuzugang handelt, der zuvor noch nicht zum GT3-Programm der Italiener gehörte.
Auch BMW an Marciello interessiert?
Nach Informationen der englischen Kollegen von 'Autosport' ist allerdings auch BMW daran interessiert, Marciello für einen Einsatz im M Hybrid V8 LMDh zu gewinnen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Italiener bereits einen Vertrag bei Lamborghini unterschrieben hat, jedoch könnte der 28-Jährige von einer möglichen Ausstiegsklausel profitieren.
Das würde auch erklären, warum Lamborghini das komplette Fahreraufgebot für 2024 noch nicht veröffentlicht hat. BMW kann bereits auf einen umfangreichen Fahrerkader zurückgreifen, sodass die Münchener zunächst prüfen müssen, ob die Verpflichtung von Marciello überhaupt ein Vorteil wäre. Denkbar wäre auch, dass der erfahrene GT-Pilot nicht nur in das LMDh-Programm integriert wird, sondern auch als GT3-Fahrer aktiv bleibt.
"Wir beginn jetzt mit dem Puzzle, da wir mehr und mehr Kalender für 2024 bekommen", verriet BMW-Motorsportchef Andreas Roos gegenüber 'Autosport'. "Man weiß, wie viele Meisterschaften man bestreitet und man sieht, wie viele Überschneidungen es gibt, und daraus ergibt sich, wie viele Fahrer man braucht."
BMW bereits mit gutem Fahrerkader
Sieben BMW-Werksfahrer waren in diesem Jahr mit dem M Hybrid V8 LMDh bereits in der IMSA-Serie am Start: Augusto Farfus, Philipp Eng, Nick Yelloly und Connor De Phillippi gehören zu den Stammfahrern, die an allen Rennen teilnehmen. Marco Wittmann, Sheldon van der Linde und Colton Herta stiegen beim 24h-Rennen in Daytona ins Cockpit.
Mit Rene Rast und Dries Vanthoor, die seit 2023 zum Werkskader der Münchener gehören, stehen zwei weitere Piloten für den LMDh-Einsatz zur Verfügung. Daher ist fraglich, ob Marciello tatsächlich gebraucht wird, obwohl die Leistungen des Italieners unbestritten sind.
Fährt Raffaele Marciello 2024 im BMW M Hybrid V8? Foto: Motorsport Images
Kaum Prototypen-Erfahrung bei Marciello
Nichtsdestotrotz läuft der aktuelle Dreijahresvertrag mit Mercedes-AMG am Ende dieses Jahres aus, sodass Marciello nach Alternativen sucht. Das Problem: Der 28-Jährige hat kaum Erfahrungen im Bereich der Prototypen. Beim 24h-Rennen in Daytona im Januar saß Marciello erstmals in einem LMP2-Boliden von High Class Racing.
Nur seine Formel-Erfahrung könnte helfen: In der Saison 2013 krönte sich der Marciello zum Formel-3-Europameister, ein Jahr später feierte er einen Sieg in der GP2-Serie. 2015 durfte der Italiener als Ferrari-Junior vier Freitagstrainings für das Sauber-F1-Team absolvieren. Nun bleibt abzuwarten, ob Marciello im kommenden Jahr für BMW oder Lamborghini startet ...
Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.
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