"War eine Katastrophe": Hilft Timo Glock der Umbau seines DTM-McLaren?
Der Dörr-McLaren wurde gezielt angepasst, um Timo Glocks Probleme zu lösen - doch die Vorbereitung auf die DTM-Saison 2026 verlief alles andere als ideal
Alles neu bei Dörr: Kommt Timo Glock 2026 mit dem McLaren besser klar?
Foto: Gruppe C Photography
Kann Timo Glock in seiner zweiten DTM-Saison mit dem McLaren-Team Dörr, die dieses Wochenende beginnt (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.), endlich vorne mitmischen? "Letztes Jahr existiert bei mir nicht mehr", sagt der Ex-F1-Pilot, der 2025 nicht über einen zehnten Platz hinauskam, bei ran.de. "Das war rein, was die Resultate angeht, eine Katastrophe. Alles, was schiefging, ging an meinem Auto schief, und das Rennglück war nicht auf meiner Seite."
Das Team habe zwar 2025 einen Schritt nach vorne gemacht, "es ist aber schon so, dass im Winter wieder relativ viel umstrukturiert wurde, neue Leute und Führungskräfte ins Team gekommen sind, die gewisse Themen umgestellt haben", verweist er auf den neuen GT3-Leiter Volker Strycek und den Verlust von zwei Vertrauensleuten, darunter sein Renningenieur.
"Ich habe einen neuen Ingenieur bekommen - und mit der geringen Vorbereitung ist es eine Challenge, relativ schnell miteinander zu verstehen, wie das Auto funktioniert", erklärt Glock, der auch beim offiziellen Testtag in Spielberg - wie er selbst auf Instagram kommunizierte - wegen "technischer Probleme mehr oder weniger den halben Tag in der Box" verbracht habe.
Timo Glock: DTM-Wintertests unter keinem guten Stern
Für Glock war es tatsächlich erneut keine optimale Vorbereitung, denn bei den Wintertests kam der 44-Jährige wenig zum Fahren: Beim Pirelli-Test in Le Castellet am 26. und 27. November absolvierte Glock zwar einen Testtag, allerdings war sein neuer Renningenieur Gerd Kusstatscher noch nicht an Bord (siehe aktualisierte Team-Steckbriefe mit allen Schlüsselpersonen der DTM-Saison 2026).
Am Pirelli-Test in Vallelunga am 2. und 3. März konnte Glock wegen des Formel-1-Auftakts in Melbourne, bei dem er als Sky-Experte fungierte, nicht teilnehmen, weshalb er auch beim privaten Test des Teams am 14. März in Anneau du Rhin das Auto an Teamkollege Ben Dörr überließ.
Erst beim zweiten Vallelunga-Test am 24. und 25. März konnten Glock und sein neuer Renningenieur erstmals zusammenarbeiten, doch dann durften die Teams wegen der Reifen-Vergleichstests nur ein Auto einsetzen - und wegen Motorproblemen kamen der Routinier und Teamkollege Dörr am zweiten Tag gemeinsam nur auf 44 Runden.
Glock-Hilfe? Wie Dörr die Kinematik des McLaren änderte
Im Mittelpunkt der Tests standen umfangreiche Änderungen am McLaren, die auch Glock helfen sollen, wie Teammanager Axel Funke klarstellt. "Timos größte Kritik an dem Auto ist, dass es sehr wenig Rückmeldung im Grenzbereich gibt", erklärt er. "Auf einmal verlierst du den Grip - und dadurch auch das Vertrauen oder das Gefühl, wie weit du gehen kannst."
Um die Fahrbarkeit und das Aufwärmverhalten der Reifen durch eine weichere Abstimmung zu verbessern, hat die Dörr-Truppe im Winter in Abstimmung mit Regelhüter DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) die Kinematik des 720S GT3 Evo - also wie sich die Radaufhängung bewegt - angepasst. Doch wie ist das trotz der strengen GT3-Homologation der FIA möglich?
Laut Reglement sind bei den Anschraubpunkten der Aufhängung am Chassis Toleranzen von plus minus fünf Millimetern erlaubt - und genau innerhalb dieses Spielraums bewegt sich das Team. Der Trick: Ein sogenanntes "Bracket", also die Halterung für den Querlenker am Chassis, wird schlicht umgedreht.
"Wir haben einfach nur den Nullpunkt verschoben", erklärt Funke. "Der Mittelpunkt der Pyramide liegt bei plus drei - und jetzt drehen wir das um und er liegt bei minus drei. Damit haben wir einen Unterschied von sechs Millimeter geschaffen und wären einen Millimeter außerhalb der Toleranz. Das heißt, wir sagen einfach nur, wir werden dieses Bracket nie mehr mit der Spitze nach oben montieren."
Wie Dörr von der McLaren-Homologation abweicht
Zudem arbeitet das Team an der Neuprogrammierung des ABS-Systems, was ebenfalls keine Nach-Homologation notwendig macht, weil dieser Bereich freigegeben ist. Und auch bei der Bremse distanziert sich sich Dörr von der McLaren-Homologation und setzt 2026 auf TM Performance statt auf den homologierten Bremsenpartner Alcon.
"Wir sind happy mit dem Material, aber es ist auch eine ökonomische Entscheidung, weil wir ein gewisses Sponsoring dazubekommen", erklärt Funke, warum Dörr ab sofort auf die italienische Marke TM setzt. Ermöglicht wurde dieser Wechsel durch die DTM-Sonderhomologation, die in gewissen Bereichen Abweichungen von der FIA-Homologation erlaubt und bis Ende Februar beim DMSB beantragt werden musste.
"Wir haben ein Gentleman's Agreement mit allen Teams gemacht: Dörr Motorsport fährt 2026 mit TM Brakes - und wir wechseln nicht am Nürburgring auf Alcon und am Hockenheimring wieder auf TM", verspricht Funke. "Damit wollen wir es auch für die Erstellung der Balance of Performance fair halten."
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