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Analyse 24h Le Mans 2026: Nicht das schnellste Auto hat gewonnen

Datenanalyse zu den 24 Stunden von Le Mans 2026: Welches Hypercar wirklich am schnellsten war und wie sich das Tempo zu 2025 verändert hat

Analyse 24h Le Mans 2026: Nicht das schnellste Auto hat gewonnen

Das Feld war im Rennen nur kurzzeitig so dicht zusammen, wie es in den Trainings schien

Foto: Marc Fleury

Beim sechsten Le-Mans-Sieg hat Toyota endlich bewiesen, dass man auch gegen wirklich ebenbürtige Gegner gewinnen kann, nachdem Spötter jahrelang darauf verwiesen haben, dass die Siege zwischen 2018 und 2022 gegen nicht ebenbürtige Gegner herausgefahren worden seien. Diese Last ist Toyota Racing nun endlich von den Schultern gefallen.

Allerdings zeigt unsere Analyse, dass der siegreiche Toyota #7 (Conway/Kobayashi/de Vries) nicht das schnellste Auto im Rennen gewesen ist. Tatsächlich landet die #7 im Ranking der besten 60 Prozent der gefahrenen Runden nur auf dem vierten Platz, während das Schwesterfahrzeug Toyota #8 (Buemi/Hartley/Hirakawa) das schnellste Fahrzeug im Feld war.

Schauen wir uns die besten 60 Prozent der Runden jedes Fahrzeugs an, landen wir bei folgendem Bild:

1. Toyota #8 - 3:28.059 Minuten

2. Cadillac #12 - 3:28.294

3. BMW #20 - 3:28.377

4. Toyota #7 - 3:28.392

5. Cadillac #38 - 3:28.593

6. Ferrari #51 - 3:28.939

7. AF-Corse-Ferrari #83 - 3:28.987

8. Alpine #35 - 3:29.166

9. Alpine #36 - 3:29.195

10. Ferrari #50 - 3:29.201

11. WTR-Cadillac #101 - 3:29.235

12. Genesis #19 - 3:29.271

13. BMW #15 - 3:29.512

14. Aston Martin #007 - 3:29.660

15. Genesis #17 - 3:29.855

16. Aston Martin #009 - 3:29.894

17. Peugeot #94 - 3:30.925

18. Peugeot #93 - 3:31.201

Es gibt eine einfache Erklärung, warum die #7 im Ranking nicht vorne ist: Durch den anfänglichen Zusatzstopp für den schleichenden Plattfuß fiel der Toyota TR010 Hybrid zunächst ins Mittelfeld zurück und blieb dort im Verkehr hängen. Später sorgte das Sensorproblem für weitere langsamere Runden.

Das schnellste Auto nach Rundenzeit war also mit relativ deutlichem Vorsprung der Toyota #8, gefolgt vom Cadillac #12 (Stevens/Nato/Deletraz). Mehr als zwei Zehntelsekunden sind eine klare Ansage. Doch die #8 hatte kein perfektes Rennen: Erst gab es eine Strafe, danach musste die Bremse repariert werden.

Auch hatte Toyota einen strategischen Nachteil: Die TR010 Hybrid konnten mit einer Tankfüllung nur zwölf Runden fahren. BMW und Cadillac schafften 13. Eine alte Le-Mans-Rechnung besagt, dass ein Fahrzeug drei Zehntelsekunden pro Runden schneller sein muss, um die zusätzlichen Boxenstopps auszugleichen. Doch diese Gleichung lässt eine Variable außer Acht.

Safety-Cars greifen ins Renngeschehen ein

Die Zahlen zeigen eindeutig, wie die Safety-Cars ins Rennen eingegriffen haben. Insbesondere die Reglementsänderung 2023, nach der das Feld wieder komplett hinter einem Safety-Car versammelt wird und die Abstände dadurch nahezu annulliert werden, hat die #7 gerettet.

Unter den alten SC-Regeln wäre die #7 bei einem Abstand von mehr als einer Minute wahrscheinlich immer ein Safety-Car hinter den Führenden geblieben. Die 24 Stunden von Le Mans haben sich durch die Regeländerung 2023 den 24 Stunden von Daytona angeglichen: Fehler oder Probleme früh im Rennen werden nicht mehr bestraft, weil das nächste Safety-Car diese ohnehin wieder glattbügelt.

Der Toyota #8 hatte also den höchsten Speed, dahinter folgen der Cadillac #12, BMW #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde) und der Toyota #7 nahezu gleichauf. Der Cadillac #38 (Bamber/Bourdais/Aitken) konnte durch den Ausfall die guten Streckenverhältnisse am Sonntagvormittag nicht nutzen.

Tempo nach finalem Restart

Wir haben außerdem die 50 besten Runden aller Fahrzeuge nach dem letzten Safety-Car-Restart in Runde 300 analysiert. Das entspricht für die meisten, zumindest aber für die relevantesten Fahrzeuge an der Spitze, genau 60 Prozent der übrigen Runden bis ins Ziel. (Ticker-Nachlese 24h Le Mans 2026)

1. Toyota #7 - 03:27.260 Minuten

2. Cadillac #12 - 03:27.266

3. Toyota #8 - 03:27.471

4. BMW #20 - 03:27.471

5. AF-Corse-Ferrari #83 - 03:28.141

6. Alpine #35 - 03:28.231

7. Alpine #36 - 03:28.507

8. Ferrari #51 - 03:28.526

9. Aston Martin #007 - 03:28.649

10. Aston Martin #009 - 03:28.884

11. Genesis #19 - 03:28.951

12. WTR-Cadillac #101 - 03:29.034

13. Peugeot #94 - 03:30.059

14. Peugeot #93 - 03:30.943

Hier nordet sich die Reihenfolge wieder größtenteils mit dem Ergebnis ein - bis auf eine Abweichung, und die erstaunt auf en ersten Blick: Der Cadillac #12 hatte eine ausgezeichnete Pace, die nur minimal hinter der des Siegerfahrzeugs gelegen hat.

Beachtlich ist das deshalb, weil der Cadillac eigentlich nicht als starkes Fahrzeug bei Hitze gilt und zu Beginn des Rennens sogar harte Reifen nehmen musste, als die Temperaturen ähnlich hoch lagen. Als die Strecke am Ende aber mit richtig Gummi versehen war, konnte auch der Cadillac #12 mit Medium-Reifen fahren und legte dabei äußerst konkurrenzfähige Zeiten hin.

Das erklärt sich durch die Reifenstrategien im letzten Stint: Da bei der Safety-Car-Phase frische Reifen ohne Aufpreis aufgezogen werden konnten und der letzte Restart erst fünf Stunden vor Schluss war, war am Ende nur ein Dreifachstint nötig. In der Hitze bei bis zu 53 Grad Celsius Asphalttemperatur konnte der Cadillac ganz zum Schluss zwei Doppelstints fahren und deshalb voll angasen.

Cadillacs FCY-Pech

Pech hatte der Caddy zuvor aber in der Full-Course-Yellow. Wie der Toyota #7 musste Norman Nato zu einem Notfallstopp reinkommen, um für zehn Sekunden Sprit zu fassen. Allerdings wurde die FCY aufgehoben, bevor der Cadillac die Box verlassen hatte. Dadurch verlor er reichlich Zeit auf den Toyota und möglicherweise das Podium.

Der Toyota #8 und der BMW #20 verbrachten mehrere Runden im Zweikampf, was ihre leicht schwächere Performance erklärt. Der Toyota #8 fuhr außerdem in einem nicht ganz idealen Reifenwechsel-Rhythmus. Weil die beiden Toyota nach dem SC-Restart zusammen lagen, entschied sich das Team dafür, die #8 etwas länger auf einem Satz fahren zu lassen. Das führte am Ende zu einem Dreifach- und einem Einfachstint, um den BMW #20 zu blockieren.

Toyotas neues Aero-Paket war für Le Mans ein wirklich großer Wurf. Die TR010 Hybrid fegten die Gegner in Kurven, in denen Abtrieb zählte (Esses, Porsche-Kurven) komplett von der Platte; kein anderes Hypercar konnte hier auch nur ansatzweise mithalten. Trotzdem hatte Toyota einen zwar nicht überragenden, aber immer noch brauchbaren Topspeed.

Der BMW #20 war wiederum auf den Geraden im Rennen richtig schnell, fast auf dem Niveau der Geradeaus-Könige Cadillac. Trotzdem hatte die #20 auch in den Kurven kaum eine Schwäche. Sie trat im Rennen nochmal etwas stärker auf als im Training und war eine wirkliche Gefahr für den Sieg. Ohne Safety-Car hätte der BMW höchstwahrscheinlich den Sieg geholt, denn WRT machte auch noch einen Null-Fehler-Job, den Toyota nicht machte.

Alpine fehlt plötzlich der Durchzug im Rennen

Ferrari war überraschenderweise "Best of the Rest" - ein Rang, der eigentlich nach den Longruns am Testtag und in den Trainings von Alpine zu erwarten war. Aber die blauen Boliden fielen im Rennen schnell von der Spitze zurück und konnten sich nie wieder in Szene setzen. Nach dem Eröffnungsstint fiel die #35 (da Costa/Milesi/Habsburg) von Platz drei aus zurück und kam anschließend nicht mehr aus dem Top-10-Keller.

Alpine fiel in den Trainings noch mit starken Leistungen in Topspeed-Sektoren auf. Im Rennen war diese Performance wie weggeblasen. In manchen Mikrosektoren, etwa beim Rausbeschleunigen aus engen Kurven heraus, waren die A424 sogar signifikant langsamer als in den Trainings im Longrun.

Es gibt drei Erklärungsansätze: Vielleicht kamen die Alpine mit den wärmeren Bedingungen nicht zurecht, vielleicht mussten sie das Motormapping aus zuverlässigkeitsgründen ändern, oder es hat vor dem Rennen eine BoP-Änderung zuungunsten von Alpine gegeben. Da die BoP in diesem Jahr geheim gehalten wird, lässt sich das nicht nachprüfen.

So zogen die beiden verbliebenen Ferrari 499P im Performance-Ranking vorbei. Dass die #83 (Ye/Kubica/Hanson) am Ende noch im Endklassement hinter den Alpine #35 zurückfiel, lag daran, dass der gelbe Ferrari nur kurz vor der Safety-Car-Phase getankt hatte und daher unter Gelb nicht reinkam. Das bedeutete aber einen kurzen Splash am Ende, der zwei Positionen kostete.

BMW #15: Keine Erklärung für schwache Performance

Das eine Mysterium ist Alpine, das andere der BMW #15 (Magnussen/Marciello/D. Vanthoor). Kevin Magnussen fiel am Start direkt zurück und anschließend kam der von der Poleposition gestartete BMW M Hybrid V8 überhaupt nicht in Gang. Der BMW #20 fand vor allem auf langen Geradeauspassagen gegenüber den Trainings etwas an Performance. Der #15 gelang diese Steigerung nicht einmal im Ansatz.

BMW-Motorsportchef Andreas Roos schob den Performance-Unterschied auf die Tatsache, dass die #20 oft freie Fahrt hatte und die #15 im Verkehr hing. Das kann aber nicht die ganze Geschichte sein. "Müssen wir uns ansehen", heißt es seitens BMW.

Bemerkenswerterweise war es im Vorjahr genau umgekehrt: Damals war der BMW #15 im Durchschnitt mehr als vier Zehntelsekunden schneller als die #20. Diesmal beträgt der Unterschied geschlagene 1,2 Sekunden im Durchschnitt. Natürlich konnte die #15 durch ihren Ausfall die schnelle Strecke am Sonntag nicht mehr mitnehmen, aber sie lag schon in den Longruns nach dem Testtag und den Trainings sechs Zehntel zurück.

Genesis wird mit der Pace zufrieden sein, für das Debüt gibt es diesbezüglich nichts auszusetzen. Dass man sogar Aston Martin beim Tempo schlägt, dürfte bei den Briten für Frust sorgen. Der Valkyrie hat einfach zu viel Luftwiderstand. Er zieht wie der Cadillac überragend aus Kurven heraus, dann geht dem V12 aber die Puste aus, wenn das Tempo höher wird.

Zu Peugeot sollte man besser schweigen. In jedem Mikrosektor liegt mindestens ein, oft sogar beide 9X8 in den Durchschnittszeiten am Ende des Feldes. Die Hoffnung ruht jetzt auf dem neuen Auto.

Der Vollständigkeit halber werfen wir hier noch einen Blick auf die zehn Prozent besten Runden jedes Fahrzeugs. Große Überraschungen gibt es hier nicht mehr zu vermelden:

1. Toyota #7 - 3:26.527

2. Cadillac #12 - 3:26.603

3. Toyota #8 - 3:26.613

4. BMW #20 - 3:26.907

5. Cadillac #38 - 3:27.169

6. Ferrari #83 - 3:27.522

7. Ferrari #51 - 3:27.576

8. Alpine #36 - 3:27.612

9. BMW #15 - 3:27.622

10. Alpine #35 - 3:27.641

11. Ferrari #50 - 3:27.769

12. Aston Martin #009 - 3:27.794

13. Cadillac #101 - 3:27.836

14. Aston Martin #007 - 3:27.890

15. Genesis #19 - 3:28.174

16. Genesis #17 - 3:28.679

17. Peugeot #94 - 3:29.509

18. Peugeot #93 - 3:29.829

Noch ein Wort zum Siegerabstand: 10,913 Sekunden schlagen sogar die 13,854 Sekunden von 2011, als Audi Peugeot knapp schlug. Damit ist es das drittknappste Finish nach dem künstlich herbeigeführten Fotofinish von 1966 und dem legendären Zweikampf Ford gegen Porsche im Jahr 1969. Allerdings wurde diesmal aufgrund des Safety-Cars faktisch nur ein Fünf-Stunden-Rennen gefahren, um den finalen Abstand zu definieren.

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