Berger über neue Hersteller: Das "D" kann Problem sein

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Berger über neue Hersteller: Das
Autor: Roman Wittemeier
07.08.2018, 07:00

Die DTM sucht weiter nach neuen Herstellern: Gespräche mit Maserati bestätigt - Gerhard Berger: "Kosten sind immer ein Thema, die Vergangenheit auch ..."

Mit der Gründung eines Joint-Venture haben HWA und das schweizerische Rennsport-Unternehmen AF Racing (R-Motorsport) die Grundlage für ein mögliches Engagement in der DTM mit Aston-Martin-Fahrzeugen gelegt. Dies war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuem Wettbewerb in der Szene. 2019 wird ein Übergangsjahr mit Audi und BMW, für 2020 erwartet man Zuwachs. "Eigentlich ist es ganz einfach: Es gibt noch keinen neuen Hersteller", stellt DTM-Boss Gerhard Berger die aktuelle Situation dar.

"Es gibt Gespräche. Mit dem einen konkret, mit dem anderen etwas weniger konkret. Aber es gibt noch nichts, was fix wäre", sagt der Österreicher. Berger macht im Gespräch mit Motorsport.com einen entschlossenen Eindruck - und er wirkt entspannter als noch einige Wochen zuvor. Womöglich zeichnet sich tatsächlich ein erheblicher Zuwachs von Herstellern zur DTM-Saison 2020 ab. Aston Martin und Lexus haben konkretes Interesse, Maserati offenbar ebenso.

Maserati MC12

Maserati MC12

Foto: Marc Fleury

"Wir führen diese Gespräche. Das stimmt. Aber bislang ist es nicht so konkret, dass wir etwas verkünden könnten", bleibt Berger noch vorsichtig. "Es geht jetzt auch darum, dass wir 2019 irgendwie überbrücken. Für das kommende Jahr darf man keine großen Themen mehr erwarten. Das würde schwierig, denn es ist jetzt schon sehr spät dafür. Es wird ein Übergangsjahr. Dennoch werden wir etwas Ordentliches auf die Beine stellen. Da bin ich sehr zuversichtlich."

Trotz Übergangsjahr: Neue Turbomotoren kommen 2019

Audi und BMW spielen im kommenden Jahr offensichtlich mit. Eine DTM mit nur zwei Herstellern - das gab es bereits. Nach dem Abschied von Opel nach der Saison 2005 hatten sich Audi und Mercedes jahrelang ein Duell geliefert. Mit reduzierten Kosten: Man setzte auf weniger Entwicklung und den Einsatz von "Jahreswagen" im Wettbewerb. Das wird es im kommenden Jahr nicht geben. Für Berger steht fest: 2019 fahren die DTM-Autos mit den neuen Turbomotoren.

"Wir fahren nach dem neuen Reglement. Das Thema ist durch", stellt er klar. Die Umstellung auf die neuen Aggregate bietet die Grundlage für gemeinsame Wettbewerbe mit der japanischen Super-GT-Szene. 2019 wird es bereits zwei gemeinsame Events geben - mit eigener Wertung. Dies gilt als wichtiges Signal der Internationalisierung. "Es muss die Perspektive geben, dass sich das Thema langfristig entwickelt. Und daran glaube ich", meint der DTM-Boss.

"Die Kosten sind in Gesprächen mit Herstellern immer ein Thema", nennt Berger einen Stolperstein auf dem Weg zu neuem Wettbewerb. Ein Stolperstein, der eigentlich keiner ist, wie der DTM-Chef meint. "Der Aufwand ist verhältnismäßig überschaubar. Da liegt die DTM irgendwo zwischen GT3 und GTE", sagt Berger. "Es ist ein Teil unseres Problems, dass dies oft falsch eingeschätzt und die DTM als sehr teuer empfunden wird. Entspricht nicht der Realität."

"Aber auch etwas anderes ist in den Gesprächen oft ein Thema: Die Vorkommnisse aus der Vergangenheit. Da schleppen wir noch einiges mit uns herum, wenngleich es schon besser wird. Bei ausländischen Herstellern hört man auch immer wieder den Begriff 'Deutscher Club' - ganz klar. Das Thema schleppen wir auch aus der Vergangenheit mit", sagt Berger. Die Begriffe "Vetternwirtschaft" und "politische Bühne" kommen immer wieder zur Sprache. Auch in den Konversationen mit Red Bull.

Kennzeichen D: Alte Vorurteile haften der DTM an

"Helmut Marko und ich ticken bezüglich der sportlichen Ausrichtung einer Serie wirklich gleich. Also wenn es um Themen geht wie Performance-Gewichte, sumpfige Reglements oder Absprachen - das interessiert uns alles nicht. Wir wollen echten Motorsport machen. Die DTM entwickelt sich dorthin. Deswegen ist es für Helmut Marko auch wieder interessant", meint Berger. "Wenn wir ehrlichen Motorsport mit schönen Kämpfen bieten, dann werden wir auch für Red Bull wieder sehr interessant sein. Red Bull ist überhaupt nicht zu haben für Vetternwirtschaft im Sport. Das passt gar nicht zu deren Philosophie."

Dr Helmut Marko, Red Bull Motorsport Consultant

Dr Helmut Marko, Red Bull Motorsport Consultant

Foto: Manuel Goria / Sutton Images

"Wir heißen DTM. Da kommt eben das Wort 'Deutsche' darin vor. Wenn man sich internationaler aufstellen möchte, ist das nicht immer von Vorteil. Gleichzeitig ist die DTM eine tolle Marke, die etabliert ist", sagt Berger, der das "D" in der DTM mittelfristig infrage stellen könnte. "Das ist in Gesprächen mit potenziellen DTM-Herstellern immer wieder ein Thema. Auf der Prioritätenliste steht das aber trotzdem nicht an allererster Stelle."

"Wenn jemand behauptet, er würde nur kommen, wenn wir den Namen ändern, dann bekomme ich Zweifel. Das kann doch nicht an erster Stelle stehen. Wenn jemand kommt und dies anspricht, dann wäre aber mittelfristig von unserer Seite die Bereitschaft da, über so etwas mal zu sprechen", sagt der DTM-Boss. Mit einem Rennkalender, der auch 2019 voraussichtlich fünf Events in Deutschland und fünf im europäischen Ausland umfassen wird, hat die DTM ohnehin eine internationale Ausrichtung.

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Rennserie DTM
Urheber Roman Wittemeier
Artikelsorte News