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Feature

RaceWatch: So funktioniert das digitale Kontrollsystem der FIA

Hinter den Kulissen der Formel 1: Einblicke in RaceWatch, das "digitale Gehirn", das die Entscheidungsfindung der FIA maßgeblich unterstützt

RaceWatch: So funktioniert das digitale Kontrollsystem der FIA

Mit RaceWatch hat die FIA ein ausgeklügeltes System zur Überwachung an der Hand

Foto: FIA

RaceWatch ist das System, das der Weltverband FIA nutzt, um jeden Moment eines Grand Prix zu koordinieren. Es integriert rund 200 Audio- und Video-Feeds sowie Daten von mehr als 300 Sensoren, die an den Autos installiert sind.

Es ist eine hochentwickelte Plattform, die inzwischen auch Track-Limit-Überschreitungen erkennen und mithilfe von künstlicher Intelligenz interpretieren kann, was auf der Strecke passiert. Werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie sie funktioniert.

Die Formel 1 ist die Bühne, auf der Geschwindigkeit und Wettbewerb im Mittelpunkt stehen. Doch die Arbeit, die all das möglich macht, geschieht hinter den Kulissen.

Es ist die unsichtbare Seite eines Sports, der mit jedem Jahr komplexer wird und sich zu einem Ökosystem entwickelt, das weit über die Leistung eines einzelnen Autos hinausgeht. Eine verborgene Dimension, die einen genaueren Blick verdient, denn nur so lässt sich der Umfang des Aufwands dahinter wirklich verstehen.

Und genau dort, in dieser Backstage-Welt aus Zahlen, Daten und Bildern, wird eines der ausgefeiltesten Werkzeuge der FIA zum Leben erweckt: RaceWatch, das "digitale Gehirn", das der Verband gemeinsam mit Catapult entwickelt hat.

Ohne dieses System wäre es deutlich schwieriger, alle Ereignisse während eines Grand Prix in Echtzeit zu koordinieren, zu steuern, zu überprüfen und zu interpretieren.

Den Anforderungen einer immer komplexeren Formel 1 zu begegnen, erfordert fortschrittliche Werkzeuge. Ein Blick auf diese Plattform zeigt auch das Engagement der FIA für mehr Sicherheit und sportliche Fairness. Motorsport.com, eine Partnerseite von Motorsport-Total.com, hat mit den Beteiligten gesprochen.

200 Video- und Audio-Feeds im Blick

"Wir arbeiten seit 15 Jahren mit RaceWatch", erklärt Chris Bentley, Head of Information Systems Strategy für den Formelbereich der FIA. "Vielen ist gar nicht bewusst, wie lange wir schon daran arbeiten, angefangen bei einem einfachen Video-Review-System. Heute konnten wir die Fähigkeiten der Plattform stark erweitern."

"Sie ist zu dem geworden, was wir eine Wettbewerbs-Management-Plattform nennen. Das System reicht viel tiefer in viele unserer Aufgaben hinein: von Rennabläufen wie der Erkennung von Zwischenfällen und der Überwachung der Tracklimits bis hin zur technischen Abteilung unter der Leitung von Joe Bauer."

Zudem nennt Bentley die Überwachung der Power-Units, das Reifenmanagement und den Betrieb der Waagen, die in der Qualifikation sehen sind, wenn die Autos am Anfang der Boxengasse anhalten. "All diese Elemente sind in RaceWatch integriert."

RaceWatch der FIA

RaceWatch kann auf sämtliche Überwachungskamera an der Strecke zugreifen

Foto: FIA

Die Plattform wird ständig weiterentwickelt und erhält jedes Wochenende neue Funktionen. Allein 2025 veröffentlichten FIA und Catapult 23 größere und viele kleinere Updates.

Diese verbesserten nicht nur die Funktionalität und Datenvisualisierung, sondern auch die Fähigkeit der FIA, ein stetig wachsendes Informationsvolumen zu verarbeiten. Pro Grand Prix werden im Schnitt rund 200 Audio- und Videosignale überwacht.

Die Plattform nutzt nicht nur die Kameras des TV-Feeds, sondern auch das geschlossene Überwachungsnetz rund um die Strecke: Kameras in den Startampeln, über den Boxenstopps zur Überprüfung korrekter Strafableistung, im Parc-Ferme über jedem Auto in den Garagen sowie alle Onboard-Kameras der Fahrer.

Auf der Audioseite kann das System neben dem Intercom-System am Kommandostand weitere Audioquellen wie sämtlichen Teamfunk erfassen, erkennen und transkribieren.

Eine Neuerung für 2025 betrifft die Kameras in den Startampel-Panels: Das System kann das Fahrzeugverhalten in Echtzeit erkennen und die Race Control nicht nur bei möglichen Frühstarts warnen, sondern auch Fahrer alarmieren, wenn ein Auto am Start stehen geblieben ist - ein weiterer Sicherheitsgewinn.

Bis 2024 durften die Stewards nur dann eine Strafe verhängen, wenn der Sensor am Start eine Bewegung registrierte. Es gab jedoch Fälle, in denen sich Fahrer bewegten, ohne dass der Sensor eine Auffälligkeit meldete, wie bei Lando Norris im Saudi-Arabien-Grand-Prix 2024. Durch die neuen Kameras am Startgitter können solche Situationen nun auch unabhängig vom Sensor bewertet werden.

System kann Vorfälle automatisch erkennen

Mithilfe von KI kann RaceWatch jedes Auto auf der Strecke in Echtzeit verfolgen und analysieren. Das wirkt sich direkt auf die Sicherheit aus: Dank der Kombination aller Kamerabilder mit dem komplexen Positionssystem von FIA und Catapult können die Offiziellen das Geschehen auf der Strecke live nachvollziehen.

Durch den Abgleich aller eingehenden Daten lernt das System die "ideale" Rennlinie und kann potenzielle Zwischenfälle oder Ausritte automatisch markieren. Erkennt es eine Anomalie, wird der Bereich im Videobild gelb hervorgehoben und die Race Control erhält eine Warnung, um bei Bedarf manuell einzugreifen.

RaceWatch der FIA

RaceWatch ist in der Lage, Unfälle zu erkennen und zu melden

Foto: FIA

"Wir haben Modelle davon, wie sich ein Auto verhalten sollte. Wir haben eine Referenzrunde. Wenn es irgendeine Abweichung gibt, etwa wenn ein Auto an einer bestimmten Stelle viel langsamer ist als erwartet oder zwei Autos gemeinsam sehr langsam unterwegs sind, wissen wir, dass wahrscheinlich ein Vorfall passiert ist."

"Dann markiert das System die Szene, und man kann direkt zur passenden Kamera springen", erklärt Gareth Griffith, Chief Technology Officer (CTO) von Catapult.

Auch über 300 Sensoren liefern Daten

Die gesamte Video-Infrastruktur ist mit der riesigen Datenmenge aus den Fahrzeugsensoren verknüpft, darunter auch Telemetriedaten. Bei diesem Informationsfluss besteht die Herausforderung nicht nur in der Verarbeitung, sondern auch darin, die relevanten Daten zu erkennen und sinnvoll darzustellen.

Genau hier macht RaceWatch für die FIA den Unterschied: Die Plattform synchronisiert alle Daten und macht sie sofort verfügbar. Dadurch können die Offiziellen beurteilen, wie sich ein Auto im Vergleich zum Referenzmodell verhält, und verfügen über alle erforderlichen Instrumente, um einen möglichen Verstoß zu überprüfen.

"Wir haben zum Beispiel Daten zum Input des Fahrers wie Bremse, Lenkwinkel und Gas, denn bei der Analyse eines Vorfalls muss man verstehen, was der Fahrer gemacht hat oder ob er unter gelber Flagge vom Gas gegangen ist", erklärt Bentley.

"Wir haben auch Informationen über die Reifen, ihre Drücke und wie sie in den Garagen aufgeheizt werden. Unsere Technologie ist mit den TPM-Systemen der Teams verbunden und zeigt, was mit welchen Temperaturen aufgeheizt wird. Bei Warnmeldungen können unsere Techniker genau sehen, wie die Reifen behandelt wurden. Auch die Rückgabe der Reifen nach einer Session läuft komplett elektronisch."

Für jeden Vorfall ein synchronisiertes Mosaik

Wenn die Stewards entscheiden, dass ein Vorfall untersucht werden muss, kann das System eine Mosaikansicht erzeugen, in der Videos mehrerer Kameras mit Telemetriedaten synchronisiert werden. So lässt sich ein möglicher Regelverstoß aus verschiedenen Blickwinkeln zusammen mit den Fahreraktionen analysieren.

Neben Überwachungsbildern stehen auch der internationale TV-Feed sowie Onboard-Aufnahmen des betroffenen Fahrers und umliegender Fahrzeuge zur Verfügung. Sobald die Stewards über ihr Vorgehen entschieden haben, informieren sie die Race Control, die die Entscheidung an Teams und Öffentlichkeit weitergibt.

Für die Stewards ist es eines der fortschrittlichsten Werkzeuge, da Vorfälle innerhalb weniger Minuten anhand synchronisierter Perspektiven und Telemetriedaten bewertet werden können. Zudem werden alle verwendeten Videos und Daten im Catapult FIA Hub gespeichert und sind jederzeit abrufbar, um ähnliche Fälle später vergleichen zu können. Ein Ziel der FIA ist dabei Transparenz und Einheitlichkeit.

Es sollen gleiche Maßstäbe bei gleichartigen Vergehen gelten. Das Archiv spielt dabei eine zentrale Rolle: Innerhalb von Sekunden können vergleichbare vergangene Fälle geprüft werden, inklusive aller Daten. Auch die Teams haben Zugriff auf dieses Archiv.

Hier entsteht die Tracklimits-Kontrolle

RaceWatch spielt eine immer zentralere Rolle: Durch KI werden viele Prozesse automatisiert, was die Verwaltung der Sessions erleichtert und den Druck auf Rennleitung und Stewards reduziert. Ein Beispiel ist die Automatisierung der blauen Flaggen - eine kleine Änderung mit großer Wirkung auf Geschwindigkeit und Effizienz.

Früher konnte Streckenposten in einem Rennen mehr als 150 blaue Flaggen anzeigen müssen. Die Automatisierung beschleunigt und vereinfacht diesen Ablauf. Dasselbe Prinzip gilt für Tracklimits: Mithilfe von KI erkennt das System das Auto und prüft, ob es einen definierten Referenzpunkt überschritten hat.

Sobald das System den Bereich identifiziert hat, in dem ein Auto voraussichtlich landen wird, erkennt es die Form des Einsitzers und kann anhand einer Reihe von Referenzmarkern, darunter die 2024 speziell für diesen Zweck eingeführte blaue Linie, feststellen, ob ein Fahrer die Streckenbegrenzung überschritten hat, und den Vorfall automatisch den zuständigen Rennkommissaren melden.

RaceWatch der FIA

Mithilfe von KI kann RaceWatch auch Tracklimits-Vergehen identifizieren

Foto: FIA

Vor der Einführung von KI setzte die FIA auf kleine Teams an Streckenabschnitten, die Verstöße manuell beobachteten. Heute werden rund 95 Prozent der Fälle automatisch verarbeitet, nur etwa fünf Prozent müssen noch manuell geprüft werden.

Das reduziert den Arbeitsaufwand und beschleunigt die Abläufe, sodass Teams innerhalb von Sekunden Rückmeldung erhalten. Für 2026 ist ein weiterer Transparenzschritt geplant: Die FIA wird den Teams künftig direkt die Bilder zusenden können, die die Referenz zur Tracklimits-Entscheidung gebildet haben.

Probleme helfen, das System zu verbessern

Kein System ist unfehlbar. Unerwartete Situationen treten immer auf. Deshalb verbessert die FIA RaceWatch kontinuierlich und nutzt Probleme als Chance zur Weiterentwicklung.

Ein Beispiel ist der Grand Prix von Saudi-Arabien 2023: Lance Strolls Auto blieb außerhalb des Kamerabereichs stehen, gleichzeitig fiel das GPS-Signal aus. Ohne klares Bild musste die FIA das Safety-Car schicken, obwohl das Auto sicher stand.

Daraufhin wurde ein neues System eingeführt, das die Fahrzeugposition schätzt und automatisch die relevanten Kamerawinkel auswählt, während gleichzeitig die Onboard-Aufnahmen aller Fahrzeuge angezeigt werden, die diese Zone passieren.

"Nach diesem Vorfall haben wir ein neues System entwickelt: Wenn ein Auto stoppt, bekommen wir sofort die Ansicht der Kurve, in der zuletzt ein GPS-Signal empfangen wurde. Wir kennen alle Kameras und ihre Blickwinkel, daher werden automatisch die relevanten ausgewählt", erklärt Griffith das Update.

Ein weiteres bedeutendes Beispiel ist die Einführung des Virtual-Safety-Car, das innerhalb weniger Wochen in RaceWatch integriert wurde, um die Sicherheit zu verbessern. Es veranschaulicht den Ansatz der FIA: lernen, anpassen und innovativ sein.

Ein Großteil dieser Arbeit findet hinter den Kulissen statt, unterstützt jedoch jede Sitzung, jede Entscheidung und jeden Moment einer immer komplexer werdenden Formel 1.

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