Analyse

Formel E

"Tun uns echt schwer": Wieso Abt so ein hartes Formel-E-Comeback erlebt

Abt-Teamchef Thomas Biermaier erklärt, wieso Abt aktuell in der Formel E mit einer Herkulesaufgabe konfrontiert ist - großes Lob für Frijns-Ersatz Kelvin van der Linde

Sven Haidinger

Bearbeitet: 10.02.2023, 09:17

Link kopieren

Auf Facebook teilen

Auf Twitter teilen

Auf WhatsApp teilen

Auf Linkedin teilen

Auf Pinterest teilen

Auf Viber teilen

Als bevorzugte Quelle hinzufügen

"Tun uns echt schwer": Wieso Abt so ein hartes Formel-E-Comeback erlebt

Das Abt-Team erlebte dieses Jahr nach dem Comeback in der Formel E einen schwierigen Saisonauftakt: Die Stammfahrer Nico Müller und Robins Frijns sowie Ersatzmann Kelvin van der Linde, der den Niederländer nach dessen Verletzung ersetzte, kamen bei den ersten drei Rennen in Mexiko sowie in Saudi-Arabien über das Ende des Feldes nicht hinaus.

Aber warum tut sich das erfolgreiche Team, das als Teil des Audi-Werkseinsatzes sogar Titel gewann, mit dem Mahindra-Antrieb so schwer? "Wir haben Mitte Dezember in Valencia das erste Mal so richtig mit diesem Auto in Valencia gearbeitet", erklärt Abt-Teamchef Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Wir haben dort drei Tage getestet - mit Problemen, die jeder andere auch hatte. So sind wir nach Mexiko gekommen. Sonst haben wir nicht viel mit diesem Auto gearbeitet, während jedes andere Team in dieser Serie hunderte von Kilometern damit abgespult hat", spielt er auf das neue Gen3-Auto der Formel E an, das dieses Jahr eingeführt wurde.

"Fahren nicht gegen private Teams ..."

Tatsächlich fehlt es dem Abt-Team an Testzeit, denn das erste Chassis wurde erst Ende Oktober nach Kempten geliefert. Doch die Abt-Piloten Müller und Frijns waren schon vor der Testpremiere von Abt in Valencia bei den Mahindra-Versuchsfahrten im Einsatz. Dabei waren auch Abt-Ingenieure vor Ort.

Dennoch wurde das Abt-Projekt sehr spät gestartet - und die Konkurrenz ist für das Privatteam enorm. "Wir fahren nicht gegen private Teams, sondern gegen Hersteller und Topteams. Das ist schon ein Thema, bei dem wir uns echt schwer tun", so Biermaier.

Abgesehen davon läuft auch bei Mahindra nicht alles nach Plan: Denn bei der Antriebs-Software, die in der Formel E eine entscheidende Rolle spielt, hat der indische Hersteller laut Biermaier einige Wochen Entwicklungs-Rückstand, worunter in den Rennen nicht nur das Werksteam, sondern auch Abt leidet.

Rennkalender als zusätzliche Herausforderung

Dennoch läuft es beim Mahindra-Rennstall bislang zumindest im Qualifying deutlich besser, wie die Poleposition von Ex-Abt-Pilot Lucas di Grassi in Mexiko-Stadt beweist. Kein Wunder, dass aktuell bei Abt alle Kapazitäten genutzt werden, um den Rückstand aufzuholen. Doch das ist auch durch den dichten Rennkalender alles andere als einfach.

"Speziell jetzt kommt uns dieser Zwei-Wochen-Rhythmus überhaupt nicht entgegen", erklärt Biermaier. "Es wäre schön gewesen, zwischen dem ersten und dem zweiten Rennen vier Wochen Pause zu haben, um ein bisschen aufholen zu können, aber so ist das relativ schwierig. Du kommst heim von Riad, dann bist du vier Arbeitstage in Simulator und dann fliegst du nach Indien. In diesen vier Tagen kannst du natürlich nicht so viel aufholen wie sonst."

Zudem ist es aktuell nicht gerade ein Vorteil, dass Frijns wegen seiner Handverletzung ausfällt. "Es tut mir Leid für Robin - und das tut uns natürlich auch sehr weh", sagt Biermaier. "Er ist einer der erfahrensten Formel-E-Fahrer. Den hätten wir vor allem am Anfang der Saison sehr stark benötigt, aber wir sind sehr happy mit allen drei Fahrern, die wir haben."

Großes Lob für Kelvin van der Linde: "Hat schon überrascht"

Lob gibt es vor allem für Frijns-Ersatzmann Kelvin van der Linde, der abgesehen von Simulatorerfahrungen und dem Rookie-Test 2020 in Marrakesch, den er damals für Audi bestritt, in Riad als Frijns-Ersatz eine blitzsaubere Leistung bot. Der Südafrikaner, der für Abt in den vergangenen zwei Jahren auch in der DTM startete, war teilweise sogar schneller als Stammpilot Nico Müller und blieb auch noch fehlerlos.

"Er hat das sehr gut gemacht, war auch in der Vorbereitung hochprofessionell, hat sehr viel gearbeitet. Und er hat alle Vorgaben, die wir mit ihm gemeinsam besprochen haben, perfekt umgesetzt", zieht Biermaier vor dem Indien-Rennen eine erste Bilanz. "Da gibt es nichts zu meckern - ganz im Gegenteil: Da gibt es ein Lob."

Biermaier gibt zu, dass er von der Leistung des 26-jährigen Südafrikaners durchaus überrascht war. "Dass wir ihm das zugetraut haben, war klar, sonst hätten wir ihn nicht genommen", sagt der Abt-Teamchef. "Aber dass er so ein solides und gutes Wochenende hinlegt, hat mich zum Schluss schon überrascht."

Nur im Rennen, in dem das Energiemanagement eine enorme Rolle spielt, habe sein Schützling noch Entwicklungspotenzial. "Aber dafür kann er nichts", stellt Biermaier klar. "Da fehlt ihm die Erfahrung. Auf eine Runde hat er es schon sehr gut gemacht."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

Wir wollen Deine Meinung!

Was würdest Du gerne auf Motorsport.com sehen?

An unserer 5-Minuten-Umfrage teilnehmen

- Das Motorsport.com-Team

Weiterlesen :

Diese Story teilen oder speichern

Link kopieren

Auf Facebook teilen

Auf Twitter teilen

Auf WhatsApp teilen

Auf Linkedin teilen

Auf Pinterest teilen

Auf Viber teilen

Vorheriger Artikel Dennis sieht Jaguar als größte Bedrohung für Porsche in der Formel E

Nächster Artikel Formel E Hyderabad: Wehrlein nach Trainingsunfall im Krankenhaus

Mehr von

Sven Haidinger



Audi Sport bekommt neue Führung: Ex-Sportchef soll China-Geschäft retten

DTM

DTM 13 h

Audi Sport bekommt neue Führung: Ex-Sportchef soll China-Geschäft retten



Hypercar-Aus für Porsche steht offenbar fest: Geht Penske schon 2027 fremd?

WEC

WEC

24h Le Mans

17 h

Hypercar-Aus für Porsche steht offenbar fest: Geht Penske schon 2027 fremd?



Bewegende Bilder nach DTM-Finale: Wie kam es zur Umarmung der Erzrivalen?

DTM

DTM

Hockenheim

1 T.

Bewegende Bilder nach DTM-Finale: Wie kam es zur Umarmung der Erzrivalen?

Aktuelle News



MotoGP-Liveticker Australien: Der Trainingsfreitag auf Phillip Island

MotoGP

MGP MotoGP

Phillip Island

4 Min.

MotoGP-Liveticker Australien: Der Trainingsfreitag auf Phillip Island



Beeindruckendes Comeback: Wie hat Red Bull seine Saison 2026 gerettet?

Formel 1

F1 Formel 1 2 h

Beeindruckendes Comeback: Wie hat Red Bull seine Saison 2026 gerettet?



Ferrari-Duell bei Haas: Bearman und Camara kämpfen um Scuderia-Cockpit

Formel 1

F1 Formel 1 2 h

Ferrari-Duell bei Haas: Bearman und Camara kämpfen um Scuderia-Cockpit



Sainz skeptisch: Formel 1 kann Finale im Nahen Osten noch nicht garantieren

Formel 1

F1 Formel 1

Abu Dhabi

3 h

Sainz skeptisch: Formel 1 kann Finale im Nahen Osten noch nicht garantieren

Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!

Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.

Du hast 2 Optionen:

Jetzt registrieren Schon registriert? Dann hier einloggen!

Adblocker deaktiviert?
Dann versuche es mit Seite neu laden

Benachrichtigungs-Einstellungen

Registrieren