VLN8 2018: HTP Motorsport als Sieger bestätigt, Titelentscheidung vertagt

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VLN8 2018: HTP Motorsport als Sieger bestätigt, Titelentscheidung vertagt
Autor: Heiko Stritzke
06.10.2018, 16:22

No further action: HTP Motorsport gewinnt den achten VLN-Lauf und verhindert die große Premiere von SPS - Meistertitel wird erst im letzten Rennen entschieden

Der 50. Barbarossapreis hätte beinahe eine historische Note bekommen: SPS Performance schrammte um ein Haar am ersten Gesamtsieg bei einem ersten Einsatz eines Fahrzeugs in der VLN seit mindestens 35 Jahren vorbei. Doch Renger van der Zande und Edoardo Mortara mussten sich knapp den Markenkollegen von HTP Motorsport aufgrund einer Strafe beugen. Patrick Assenheimer und Dominik Baumann verhinderten einen historischen Erfolg bei strahlendem Sonnenschein auf der Nürburgring-Nordschleife, mussten auf die Bestätigung des Triumphs aber warten.

Die Entscheidung hing nach der Zieldurchfahrt zunächst in der Luft: Gegen die Sieger lief nach dem Rennen eine Untersuchung wegen eines möglichen Gelbvergehens. Etwa zehn Minuten nach Fallen der Zielflagge stand die Entscheidung der Rennkommissare fest: "No further action", also keine Strafe. Damit gewinnt der HTP-Mercedes #13 mit 3,651 Sekunden Vorsprung vor dem SPS-Mercedes #10. Dominik Baumann hat so, obschon er bereits zweimal das 24h-Qualifikationsrennen gewinnen konnte, seinen ersten Karrieresieg in der VLN eingefahren.

Lange Zeit hatte SPS das Rennen angeführt, weil man die Black-Falcon-Taktik aus VLN7 zu kopieren versuchte. Der werksunterstützte AMG #10 kam nach fünf Runden an die Box, zwei Runden vor allen anderen. Dadurch hatte die Mannschaft aus der Nähe von Heilbronn über weite Strecken des Rennens freie Fahrt, während es dahinter teils spektakuläre Kämpfe gab, bei denen es auch zu einigen verhängnisvollen Berührungen kam (s.u.).

SPS lag somit auf Siegkurs, doch kurz vor Schluss gab es plötzlich eine Strafe gegen den AMG, weil Mortara die Mindestzeit in der Boxengasse unterschritten hatte. "Wir müssen analysieren, wie das passieren konnte", sagt Mortara, der von dem Vergehen ziemlich verblüfft war. "Unter diesen Umständen Zweiter zu werden, ist natürlich enttäuschend. Aber wir haben gezeigt, dass wir das Potenzial haben, um die Spitze zu kämpfen. Das war eine ausgezeichnete Vorbereitung für das 24-Stunden-Rennen 2019."

Durch die Strafe wurde es dramatisch. Mortara kam nach der Stop-&-Go-Strafe sechs Sekunden hinter Baumann zurück auf die Strecke. Die beiden AMG lieferten sich im Schlussstint eine spannende Hetzjagd durch die "Grüne Hölle", doch Mortara konnte Baumann nicht mehr abfangen; es reichte nur, den Abstand noch fast zu halbieren.

Kollisionen fordern GT3-Opfer

Der achte VLN-Lauf war bei spätsommerlichen Verhältnissen und über 20 Grad ein knallhartes Vollgasrennen an der Spitze mit fast einem Dutzend siegfähiger GT3-Autos. Natürlich kamen bei so einem Aufeinandertreffen bei weitem nicht alle Favoriten durch. Schon beim Start gab es eine Kollision rund um den HTP-Mercedes #47 (Buhk/Dontje/Hohenadel), der sich bei dieser Gelegenheit zwei Reifenschäden auf einmal anfing und fortan keine Rolle mehr spielte.

Dahinter fuhr Christopher Mies über ein Trümmerteil und holte sich seinerseits einen Reifenschaden ab. Für den Land-Audi #29 (Mies/van der Linde) waren damit alle Siegchancen dahin; nach einem weiteren Reifenschaden kurz nach Rennhälfte gab Land-Motorsport das Rennen auf. Als Führender kam aus der ersten Runde Solist Augusto Farfus auf dem Schnitzer-BMW #42 zurück, kam jedoch an die Box. Schnitzer absolvierte einen Reifentest für BMW im Hinblick auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2019 und hatte kein Interesse an einem starken Ergebnis.

Noch vor dem ersten Boxenstopp spielte sich eine weitere kontroverse Szene im Bereich der Mercedes-Arena ab. Der schnelle Kolumbianer Oscar Tunjo kämpfte auf dem Phoenix-Audi #9 (Tunjo/Hofer/Richard) mit den Porsches von GetSpeed (#2, Böckmann/Hamprecht) und Frikadelli (#31, Siedler/Müller). Bei einem Angriff zog ihm Hamprecht so vors Auto, dass die Front beschädigt wurde. Dabei muss es auch einen Kühlschlauch erwischt haben, denn der Audi rollte mit Überhitzungssymptomen wenig später aus. Der GetSpeed-Porsche kam auch nicht viel weiter.

Wenig später war auch für den Frikadelli-Porsche #31 in einem Trümmerfeld Schluss. Der Rapport von Norbert Siedler: "Beim Überrunden bin ich kurz vor dem zweiten Karussell [Schwalbenschwanz] auf einen langsameren Porsche Cayman aufgelaufen, der wiederum von einem BMW überholt wurde. Ich wollte in der Mitte durch, dabei hat mich der Porsche übersehen und ist mir aufs Hinterrad gefahren, wodurch ich im rechten Winkel in die Leitplanken abgebogen bin."

Noch schlimmer erging es dem Konrad-Lamborghini #7 (Brück/di Martino). Christopher Brück brachte nach einem Unfall im Qualifying den Italo-Sportwagen an die Box zurück, wo die Mechaniker ein Rennen gegen die Zeit aufnahmen. Sie schafften es, den Huracan GT3 zum Start fertig zu bekommen. Nach einem Start aus der Box kam man aber nicht weit; der 5,2-Liter-V10 war bei Brücks Rettungsaktion überhitzt und gab seinen Geist auf. Bei Konrad spricht man mittlerweile selbst von der schlimmsten Saison der Teamgeschichte.

Frikadelli akzeptiert Strafe gegen Arnolds Willen

An der Spitze bekämpften sich in der Anfangsphase die beiden Mercedes, der Frikadelli-Porsche #30 (Abbelen/Arnold/Laser) und der WTM-Ferrari #11 (L. Weiss/N. Menzel/C. Menzel). Nico Menzel fuhr in einem sensationellen ersten Stint von Startplatz elf bis an die Spitze nach vorn. Nach seinem Überholmanöver bog der SPS-Mercedes vom Kampf genervt an die Box ab. Doch das Glück sollte nicht auf Seiten des Wochenspiegel-Teams sein; nach 90 Minuten war aufgrund eines Unfalls im Stefan-Bellof-S Schluss.

Damit hatte nun der Frikadelli-Porsche #30 die besten Chancen aufs Podium und ging zwischenzeitlich sogar am späteren Sieger vorbei. Den großen Schock gab es aber in Schlussstunde: Lance David Arnold soll unter Gelb überholt haben und erhielt eine Zeitstrafe von drei Minuten. Das Team nahm die Strafe an, weil der Sieg in der SP9 Premium für Pro-Am-Besatzungen auch mit Strafe sicher war. Arnold tobte, denn so blieb nur Rang sechs. So kam schlussendlich der Walkenhorst-BMW #35 mit Jonathan Hirschi, Jordan Tresson und Hunter Abbott auf Rang drei ins Ziel.

Die GT3-Prototypen hielten durch und fuhren vom Ende der ersten Startgruppe bis auf die Plätze vier (Aston Martin #56) und fünf (Car-Collection-Audi #52) vor. Beide Fahrzeuge kamen ohne Probleme durch das Rennen. Zwar hatten sie im Qualifying unter wenig aussagekräftigen Bedingungen die Startplätze eins und zwei geholt, mussten jedoch aufgrund des Starts als GT3-Prototyp vom Ende des Feldes starten und längere Boxenstopps einlegen. Sowohl Aston Martin Racing als auch Car Collection können jedoch sehr zufrieden sein; für den Aston Martin war es sogar die Nordschleifen-Premiere.

Meisterschaftskampf entscheidet sich beim Finale

Der Titelkampf in der VLN-Saison 2018 bleibt weiter offen: Marcel Manheller und Carsten Knechtges gelang es mit dem Sieg in der teilnehmerstarken Klasse V4 (Serienwagen bis 2,5 Liter Hubraum), den Titelkampf offen zu halten. Sie setzten sich auf ihrem BMW 325i E90 #492 gegen das baugleiche Fahrzeug von #490 mit den Fahrern Christopher Rink, Danny Brink und Philipp Leisen durch. Ein Boxenstopp ging bei Adrenalin Motorsport in die Hose, weswegen man 30 Sekunden verlor - im Ziel hatten Rink/Brink/Leisen einen Rückstand von 28 Sekunden.

Manheller/Knechtges haben Meisterschaftschancen, wenn sie beim Finale den Klassensieg holen. Ob ein zweiter Platz Rink/Brink/Leisen zum Titelgewinn reichen würde, hängt schlussendlich ganz von der Anzahl der Starter in der Klasse ab. Allerdings laufen auch in der V4 noch Proteste, weshalb sich das Bild noch ändern kann.

Das Finale der VLN Langstreckenmeisterschaft 2018, der 43. Münsterlandpokal, findet am 20. Oktober statt.

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Rennserie VLN
Event VLN 8
Urheber Heiko Stritzke
Artikelsorte Rennbericht