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Analyse

WEC-Performance-Analyse 2025 nach BoP: Cadillac

Was die Einstufungen der Hypercars über die Leistung in der WEC-Saison 2025 verraten - Heute: Cadillac V-Series.R

WEC-Performance-Analyse 2025 nach BoP: Cadillac

Ein gewohntes Bild in der zweiten Jahreshälfte: Cadillac fährt auf Pole

Foto: FIA FIA

Der BoP-Graph spricht bei Cadillac eine klare Sprache: Innerhalb von nur vier Rennen verschlechterte sich das Leistungsgewicht des V-Series.R um 0,171 kg/kW. Einen solchen Sprung hat in dieser Saison nicht einmal Ferrari hingelegt. Cadillac ist der Aufsteiger des Jahres.

Möglich gemacht haben das sowohl ein Elektronik-Update über den Winter und der Wechsel zum Team Jota Sport. Es übernahm den Einsatz des amerikanischen LMDh-Boliden vor der Saison 2025 von Chip Ganassi Racing. Der Performance-Sprung war vom ersten Rennen an sichtbar.

Traditionell war der Cadillac eines der am günstigsten eingestuften Fahrzeuge in der WEC. entsprechend erhielt der V8-Bolide auch für den Saisonauftakt in Katar hinter dem Peugeot 9X8 mit 2,048 kg/kW die zweitbeste Einstufung im wichtigen Bereich unter 250 km/h.

Prompt schlugen die Jota-Boliden komplett ein: In Katar waren die V-Series.R hinter Ferrari die zweitstärkste Kraft und kamen durch einen strategischen Kniff beim ersten Safety-Car sogar an die Spitze.

Bis beide Boliden sich durch die unfassbare teaminterne Kollision beim Restart selbst um jede Chance auf eine vordere Platzierung brachten. Rückblickend kostete dies den Cadillac #12 mindestens Platz drei in der Fahrer-Gesamtwertung und Cadillac Platz zwei oder drei in der Herstellerwertung.

Vielleicht war der starke Einstieg sogar kontraproduktiv. "Wir standen noch komplett am Beginn der Lernkurve, trotz der Testfahrten, die wir absolviert hatten", sagte Jota-Teamchef Dieter Gass im Gespräch mit Motorsport-Total.com in Bahrain.

"Im Motorsport kommt es darauf an, dass man sich [intern] möglichst blind versteht, dass die eine Hand genau weiß, was die andere macht. Und davon waren wir in Katar noch relativ weit entfernt."

Dabei geht es insbesondere um die Integration von Performance-Ingenieuren von Cadillac in das bestehende Gebilde Jota. Die Kollision war möglicherweise eine Folge der noch nicht optimalen Kommunikation.

Große Schwachstelle Imola

Mit einer etwas besseren Einstufung (2,041 kg/kW) ging es nach Imola, traditionell die schwächste Strecke von Cadillac überhaupt. Das änderte sich auch beim zweiten Rennen der Allianz Jota-Cadillac nicht.

Auch Jota konnte das Kernproblem des Fahrzeugs noch nicht lösen, unter anderem beim Räubern über die Randsteine. Ein Trainingsunfall der #12 half nicht weiter, insgesamt erlebten die Jota-Boliden ihr schwächstes Rennen der Saison und konnten in das Strategie-Schach an der Spitze gar nicht angreifen.

Für Spa-Francorchamps gab es eine erste Anpassung nach oben in der Einstufung, relativ zu den anderen Hypercars blieb der V-Series.R aber recht günstig eingestuft. Umso überraschender kam es, dass die Jota-Boliden bei der Pace doch hinter Ferrari und Alpine leicht zurückhingen. Als drittbeste Kraft holten sie immerhin die Plätze fünf und sechs.

Die Sonder-Einstufung für Le Mans blieb unter 250 km/h mit 2,006 kg/kW die zweitbeste, allerdings war der Abstand zu anderen Hypercars (unter anderem Ferrari und Toyota) deutlich geringer als auf anderen Strecken. Oberhalb von 250 km/h (in Le Mans relevant) waren bei einem Wert von 2,022 kg/kW Porsche, BMW und Aston Martin besser eingestuft.

Insgesamt stand Cadillac damit leicht besser da als 2024 mit 2,035 kg/kW (sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zur Konkurrenz). Dennoch ist die Einstufung bemerkenswert, denn in den ersten drei Rennen der Saison war der Cadillac im Bereich über 250 km/h mit großem Abstand am besten eingestuft. Das wurde in der Sonder-BoP für Le Mans außer Kraft gesetzt.

Ab Le Mans zeigten sich zwei Trends: Erstens trumpfte Cadillac von nun an im Qualifying auf. Irgendetwas hat Jota vor Le Mans gefunden, um den V-Series.R im Quali zur Rakete zu machen. Und zweitens war die #12 von nun an immer deutlich schneller als die #38, daher konzentrieren wir uns von hier an auf die #12. Die beiden amerikanischen Cadillac von Wayne Taylor Racing und Action Express spielten in Le Mans unterdessen gar keine Rolle.

Im Renntempo war Cadillac hinter Ferrari und dem übermäßig stark auftretenden Porsche #6 die drittstärkste Kraft. Gemessen an der Einstufung relativ zu den anderen Fahrzeugen war das eine starke Leistung, zeigt aber auch, dass Le Mans seine ganz eigenen Gesetze hat und die spezielle BoP dort gerechtfertigt ist.

Riesige Fortschritte in zweiter Saisonhälfte

Für Sao Paulo erhielt Cadillac mit 2,016 kg/kW zwar eine leicht schlechtere Einstufung als in Le Mans, war aber in Relation zur Konkurrenz gut wie nie in der Saison eingestuft. Der Elfmeter wurde prompt mit der überlegensten Fahrt eines Herstellers in der gesamten Saison verwandelt. Die #12 hätte das Potenzial gehabt, das gesamte Feld zu überrunden.

Jota hielt damit eine interessante Statistik in der WEC aufrecht: Das Team von Sam Hignett hat seit seinem WEC-Einstieg 2016 in jedem Jahr mindestens ein Rennen seiner Klasse gewonnen.

Es dauerte, bis sich dieser Sieg in der BoP wirklich manifestierte, doch die Zahlen unterstreichen, welch einen Fortschritt Cadillac und Jota in Sachen Performance hinlegten. Der Cadillac schoss beim Leistungsgewicht vorbei an Alpine, BMW und im letzten Rennen sogar Toyota und beendete die Saison mit einem Leistungsgewicht von 2,187 kg/kW.

Das Aero-Update mit dem niedrigen Heckflügel ist optisch spektakulär

Das Aero-Update mit dem niedrigen Heckflügel ist optisch spektakulär

Foto: Lumen via Getty Images

Ein solcher Sprung in nur drei Rennen ist absolut bemerkenswert. "Wir fassen das mal als Kompliment auf", so Gass‘ kurzer Kommentar.

Und es blieb nicht dabei: Auf dem Fuji Speedway hätte nach Pole und anfänglicher Doppelführung durchaus der zweite Sieg folgen können, doch strategisch griff Cadillac bei allen Gelbphasen auf die bitterste mögliche Weise ins Klo und verlor daher alle Chancen auf den Sieg.

In Bahrain litt Cadillac dann unter einer Einstufung, die der V-Series.R in der WEC noch nicht ansatzweise hatte. Die #12 machte aber strategisch alles richtig und rettete den sechsten Platz, während die #38 mit einer Strafe Jenson Button unrühmlich in den Ruhestand verabschiedete.

Was das Update für 2026 bewirken soll

Natürlich bleiben Baustellen. Austin zeigte, dass der Cadillac im Regen noch Luft nach oben hat, außerdem bleibt die seltsam auseinanderdriftende Schere zwischen den beiden Jota-Fahrzeugen ab Le Mans.

Gass sieht noch eine andere Baustelle: "Das Auto ist sehr gut, wenn es alleine fährt, ohne ein anderes Auto vor sich. Aber sobald man ein anderes Auto vor sich hat inklusive Dirty Air, dann ist es ganz einfach für uns schwierig. Und das macht es natürlich auch schwierig, zu überholen, selbst wenn man die Pace theoretisch hätte."

Dennoch hat Jota Sport erst gezeigt, was im Cadillac V-Series.R wirklich steckt. Mit einem spektakulären Update mit extrem niedrigem Heckflügel und einem Brems-Update wird Cadillac versuchen, die Schwächen abzustellen. Nach dem ersten WEC-Sieg können für 2026 nur Le-Mans-Sieg und WEC-Titel ins Visier genommen werden.

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