Die Motorsport.com-Awards 2016, Teil 1

Willkommen zum 1. Teil der Motorsport.com-Awards. Wir blicken zurück auf die besten Fahrer, Rennen, Serien und Teams, um zu sehen, wer eine unserer Auszeichnungen verdient hat.

Die Autoren unserer internationalen Redaktionen haben gewählt und dabei herausgekommen sind 6 Nominierungen pro Kategorie, mit einem Gewinner, der die meisten Stimmen erhalten hat.

Der Titelkampf des Jahres

(Sieger 2015: MotoGP)

Formel 1 – Durch die Überlegenheit von Mercedes gegenüber dem Rest des Feldes war der Kampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg so gut, wie man es unter diesen Umständen erhoffen konnte. Natürlich halfen dabei auch die technischen Probleme auf Hamiltons Seite etwas mit. Seine Strategie in den letzten Runden des Finales in Abu Dhabi trug zusätzlich zur Spannung bei.

GP2 – Es ist immer schön, wenn ein neuer Name auftaucht und auf Anhieb die (irgendwie) etablierten Favoriten herausfordert. Durch den Vorsprung von Prema gegenüber der Konkurrenz war schnell klar, dass Pierre Gaslys größter Konkurrent um den Titel sein eigener Teamkollege sein würde. Antonio Giovinazzi machte es bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi spannend, am Ende hatte der Italiener aber keine Chance gegen den Franzosen.

Formel E – Wie schon die 1. Saison wurde auch Saison 2 beim letzten Rennen im Battersea Park in London entschieden. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr erreichte der Kampf seinen Höhepunkt bereits in der 1. Runde, als Lucas di Grassi den Bremspunkt verpasste und Sebastien Buemi ins Heck krachte. Das führte zu einem Katz-und-Maus-Spiel der schnellsten Runden, das schließlich zugunsten des Schweizers ausging.

NASCAR Cup – Was immer man auch vom Chase halten mag, in diesem Jahr produzierte er beinahe die idealen "letzten Vier": Alle 3 Hersteller waren vertreten und unter den Fahrern waren 2, die den Titel in den vergangen Jahren knapp verpasst hatten, der Titelverteidiger und eine Legende, die bereits 6 Titel hatte – die schließlich im 7. Himmel landete.

DTM – Marco Wittmann kam mit einem relativ komfortablem Punktevorsprung in Hockenheim an, aber Edoardo Mortara sorgte mit seiner Vorstellung für ein würdiges Finale, indem er das 2. Rennen aus der 3. Startreihe gewann und Wittmann in Atem hielt, bis der seinen 2. Titel in der Tasche hatte.

BTCC – Umgekehrte Startaufstellung und Zusatzballast machen den Titelkampf eiegntich immer spannend, der diesjährige Kampf zwischen Gordon Shedden und Sam Tordoff blieb aber bis zur letzten Minute atemberaubend. Derjenige, der im 3. Rennen in Brands Hatch vorne wäre, würde den Titel holen. Am Ende war es Shedden, der sich in Clearways an seinem Konkurrenten vorbei presste.

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W07 Hybrid leads Nico Rosberg, Mercedes AMG F1 W07 Hybrid, Sebastian Vettel, Ferrari SF16-H

Sieger: Formel 1

Überholmanöver des Jahres

(Sieger 2015: Max Verstappen)

Lucas di Grassi, 6 Stunden von Spa (WEC) – Es gibt mutig und dann gibt es Di-Grassi-in-Blanchimont-mutig! Im Kampf um Platz 2 gegen Sebastien Buemis Toyota in der Anfangsphase der 6 Stunden von Spa bekam der Brasilianer seine Chance gegen den Schweizer ausgangs der Paul-Frere-Rechtskurve. Er scherte nach innen aus und nutze dann die Wiese, um vorbeizukommen. Sogar mit 2 Rädern neben der Strecke – bei ca. 280 km/h – ging er nicht eine Sekunde vom Gas. Auftrag erledigt.

Will Power, Rennen 2 Detroit (IndyCar) – Was ist das nur mit Will Power und 90-Grad-Kurven? Man scheint ihn einfach nicht blockieren zu können. Teamkollege Montoya hat es dieses Jahr in Detroit versucht und Power hat trotzdem die Lücke gefunden. Aber Powers Manöver gegen Simon Pagenaud war klasse: Simon verteidigte sich, Will zog nach außen, bremste später, fuhr einfach an ihm vorbei und gewann. Aber Pagenaud rächte sich in Mid-Ohio.

Daniel Ricciardo, Grand Prix von Italien (Formel 1) – Heutzutage sind echte, altmodische Ausbremsmanöver selten geworden und auch wenn Ricciardo den Luxus von DRS hatte, kam der Australier von sehr weit hinten, als er in Rettifilo zum Überholen ansetzte. Er zwang Valtteri Bottas dazu, über den Randstein zu fahren, fuhr außen am Finnen vorbei und wurde 5.

Kevin Eriksson, Estering (Ralllycross) – Der Name mag Ihnen vielleicht nichts sagen, aber ein Blick auf seinen Drift vorbei an 3 Autos am Estering sagt Ihnen alles, was Sie über ihn wissen müssen. Fahrzeugbeherrschung vom Feinsten, die Eriksson seinen 1. Sieg in der Rallycross-WM einbrachte.

Scott McLaughlin, Gold Coast 600 (Supercars) – War es ein Verbremser? War es ein Überholmanöver? Wahrscheinlich war es von beidem etwas. 8 Runden vor Schluss des legendären Gold Coast 600 startete McLaughlin in Kurve 11 ein stürmisches Überholmanöver gehen Winterbottom, das in einem stehen Rad vorne rechts und Hinterrädern, die sich kaum drehten, resultierte. Irgendwie schaffte es McLaughlin, nicht links in die Mauer einzuschlagen bevor er vor Winterbottom schlitterte – und vorbei war.

Max Verstappen, Grand Prix von Brasilien (Formel 1) – Verstappen hat dieses Jahr für jede Menge Überholmanöver gesorgt, wir können den Niederländer aber nur ein Mal auf die Liste setzen. Das Überholmanöver außen gegen Rosberg in Becketts verdient Lob, ein ähnliches Manöver im Senna-S in Interlagos war aber atemberaubend – und eines, das den Formel-1-Fans noch für Jahre im Gedächtnis bleiben wird.

Max Verstappen, Red Bull Racing RB12 leads Nico Rosberg, Mercedes AMG F1 W07 Hybrid

Sieger: Verstappen gegen Rosberg in Brasilien

Rennen des Jahres

(Sieger 2015: Phillip Island MotoGP)

Grand Prix von Spanien (Formel 1) – Hamilton und Rosberg krachten in der 1. Runde auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya zusammen und schufen die Voraussetzungen für eines der unterhaltsamsten Rennen des Jahres. Beide Red Bull und Ferrari fochten einen strategischen Kampf aus, der schließlich zugunsten von Max Verstappen ausging – und das beim 1. Rennen des Niederländers, nachdem er Daniil Kvyat bei Red Bull Racing ersetzt hatte.

Grand Prix von Italien (MotoGP) – Ein Motorschaden mag Valentino Rosso zwar schon früh aus dem Rennen geworfen haben. Das Duell, das in sich Mugello zwischen Jorge Lorenzo und Marc Marquez entwickelte, war aber eines der besten der vergangenen Jahre. Marquez sah in der letzten Runde schon wie der sichere Sieger aus, aber Lorenzo nutzte auf er Geraden zur Ziellinie den Windschatten und gewann mit einem Vorsprung von 0,019 Sekunden.

24 Stunden von Le Mans (WEC) – Schon vor dem Drama um den #5 Toyota, der nach 23 Stunden und 57 Minuten in Führung liegend den Geist aufgab, war die 84. Ausgabe des berühmten La-Sarthe-Rennens eine denkwürdige, bei der die Top 3 für den größten Teil des Rennens Chancen auf den Sieg hatten. Der Anblick von Kazuki Nakajimas Auto, das auf der Zielgerade stehenblieb und Neel Jani im Porsche den Sieg schenkte, ist einer, der in die Motorsportgeschichte eingehen wird.

Bathurst 1000 (Supercars) – Für ungefähr 90 Runden sah das Duo Jamie Whincup/Paul Dumbrell absolut unschlagbar aus. In Runde 150 löste Whincup, der durch die Strategie zwar etwas zurückgefallen war, aber immer noch Chancen auf den Sieg hatte, einen der spektakulärsten Unfälle der Geschichte am Mount Panorama aus, als er Scott McLaughlin anstupste, beide ausfielen und auch gleich noch Garth Tander mit abräumten. Dadurch feierte das Ein-Auto-Team Tekno einen märchenhaften Sieg, nachdem Will Davison sich erfolgreich gegen die Attacken von Shane van Gisbergen hatte wehren können und einen unerwarteten Triumph feierte.

Ford EcoBoost 400 in Homestead (NASCAR) – Der Höhepunkt der NASCAR Sprint-Cup-Saison war vom Start bis ins Ziel dramatisch. Ein Titelkandidat, Jimmie Johnson, musste von hinten starten, nachdem NASCAR bemerkte, dass sein Team nach der Inspektion noch Änderungen an seinem Auto vorgenommen hatte. Im letzten Teil des Rennens krachten zwei weitere Titelkandidaten – Carl Edwards und Joey Logano – zusammen, bevor Johnson Logano in der Verlängerung überholte und seinen 7. Titel feierte.

Grand Prix von Brasilien (Formel 1) – Der vom Regen geprägte Grand Prix von Brasilien endete zwar mit den beiden Mercedes auf Platz 1 und 2 und Hamilton kam in den 3 Stunden, die es alles in allem dauerte, nie wirklich unter Druck, trotzdem war das Rennen ein Klassiker – zum großen Teil dank Max Verstappens sensationeller Fahrt auf Platz 3. Dabei zeigte er eine ganze Reihe sensationeller Überholmanöver (inklusive Nico Rosberg) und einen sensationellen Beinahecrash, den er dank seiner unglaublichen Reflexe und seines Könnens gerade noch verhindern konnte.

Checkerd flag for the race winner #2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Romain Dumas, Neel Jani, Marc Lieb

Sieger: 24 Stunden von Le Mans

Kontroverse des Jahres

(Sieger 2015: Streit Rossi vs. Marquez)

Die (beinahe) endlose Geschichte des Eliminierungs-Qualifyings (Formel 1) – In der Formel 1 gab es in der jüngeren Vergangenheit einige unpopuläre Regeländerungen, aber keine schlimmere als die schlecht durchdachte Änderung eines liebgewonnenen Qualifying-Formats. Diese resultierte darin, dass zu der Zeit, zu der normalerweise um die Pole-Position gefahren wurde, keine Autos mehr auf der Strecke waren. Das neue System wurde von allen so heftig abgelehnt, dass eine Einigkeit unter den Teams herrschte, die es nur selten gibt, als sie darum kämpften, es abzuschaffen – was glücklicherweise nach nur 2 Rennen erledigt war.

BoP-Politik macht in Le Mans Schlagzeilen (WEC) – Ford feierte in Le Mans mit seinem GT eine triumphale Rückkehr, 50 Jahre nach den faszinierenden Kämpfen gegen Ferrari an selber Stelle. Der Leistungsunterschied des Ford zwischen dem Testtag und dem Qualifying war aber umstritten und die folgende Anpassung der Balance of Performance (BoP) war beispiellos. Sogar nach dem Rennen hielt die Verbitterung an, als Ford und Ferrari gegeneinander Protest einlegten – und somit sicherstellten, dass der Kampf aus den 1960er-Jahren wieder auflebte.

Buemi gegen di Grassi im Battersea Park (Formel E) – Zwei ehemalige Formel-1-Fahrer wollen in der Formel E und der WEC mit Top-Teams unbedingt das Beste aus ihren Fähigkeiten machen, jeder mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit ausgestattet. Im Battersea Park in London wurde der Fehdehandschuh geworfen, als di Grassi Buemi in der 1. Runde des entscheidenden Rennens ins Heck knallte. Trotz Buemis Aussagen in der Hitze des Gefechts, herrscht zwischen beiden, wie bei allen guten Ribalitäten, ein gegenseitiger Respekt für das Talent des anderen.

Nemechek gegen Custer in Mosport (NASCAR Truck) – Im vorletzten Rennen vor dem Chase der NASCAR Truck-Serie verwehrte John Hunter Nemechek, (der seinen Platz im Chase schon sicher hatte) Cole Custer den Einzug, indem er ihn in der letzten Kurve der letzten Runde auf dem einzigen Rundkurs der NCWTS nach außen abdrängte. Sie fuhren nebeneinander über die Wiese und über die Ziellinie, wobei Nemecheck die Nase ein paar Zentimeter vorne hatte. Custer ist seinem Konkurrenten nach dem Rennen tatsächlich an den Kragen gegangen, aber NASCAR hat keinen der beiden bestraft.

Wortgefecht zwischen Rossi und Lorenzo in Misano (MotoGP) – 2016 war das Verhältnis zwischen Marc Marquez und Valentino Rossi zwar wieder relativ normal, zwischen dem Italiener und seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo war die Atmosphäre aber weiterhin frostig. In Misano kam es schließlich zur Explosion, als Lorenzo Rossi bei der Pressekonferenz nach dem Rennen und einem harten Überholmanöver vorwarf, ein "schmutziger Fahrer" zu sein. Zwischen dem Yamaha-Duo kam es daraufhin zu einem hitzigen Dialog.

Vettels Schimpftirade gegen Charlie Whiting (Formel 1) – In einer der etwas bizarreren Episoden des Jahres 2016 flippte Sebastian Vettel beim Grand Prix von Mexiko im Kampf gegen die beiden Red-Bull-Piloten um den letzten Platz auf dem Podium aus. Dabei beschimpfte er Rennleiter Charlie Whiting sich "zu verpissen", nachdem er die Ziellinie als 4. hinter Verstappen überquert hatte. Nach einer Strafe gegen den Niederländer rückte Vettel auf Platz 3 nach, der Ferrari-Fahrer wurde später aber selbst auf Platz 5 zurückversetzt und musste sich bei der FIA vielmals entschuldigen, um weitere Strafen zu vermeiden.

Sebastian Vettel, Ferrari in the FIA Press Conference

Sieger: Vettelss Schimpftirade gegen Charlie Whiting

Überraschung des Jahres

(Sieger 2015: Sieg von Hülkenberg/Tandy/Bamer in Le Mans)

Grosjean holt Platz 6 beim Haas-Debüt (Formel 1) – Die Erwartungen an das neueste Formel-1-Team waren in Melbourne gering, eine rote Flagge nach dem Crash von Fernando Alonso bescherte Grosjean einen freien Boxenstopp und eine Position auf der Strecke, die er ausnutzte. Am Ende überquerte er die Ziellinie im 1. Rennen für Haas auf Platz 6. Ein 5. Platz in Bahrain 2 Wochen später zeigte aber, dass das keine Eintagsfliege war.

Pawi dominiert in Argentinien (Moto3) – Der wenig bekannte malaysische Fahrer Khairul Idham Pawi wurde bei seinem Grand-Prix-Debüt in Katar ein unspektakulärer 22. Daher war es ein ziemlicher Schock, als der Youngster bei seinem erst 2. Start in Termas de Rio Hondo bei wechselnden Bedingungen einfach auf und davon fuhr. Ein 2. Sieg des 18-Jährigen am Sachsenring festigte seinen Ruf als echtes Regen-Ass.

Verstappen gewinnt in Spanien seinen 1. Grand Prix (Formel 1) – Die Degradierung von Daniil Kvyat zu Toro Rosso – und Max Verstappens Beförderung zu Red Bull Racing – wurde damals als brutal und eine vielleicht überstürzte Entscheidung der Österreicher angesehen. Die folgenden Ereignisse bewiesen aber, dass Red Bull absolut die richtige Entscheidung getroffen hatte, wie Verstappen bei seinem 1. Einsatz für das Team aus Milton Keyes zeigte.

Miller gewinnt Dutch TT (MotoGP) – Marc-VDS-Honda-Fahrer Jack Miller war der 4. unterschiedliche Sieger einer klassischen MotoGP-Saison, bei der es insgesamt nicht weniger als 9 unterschiedliche Sieger gab. Der Australier profitierte bei einem zweigeteilten Rennen in Assen vom nassen Wetter, um Marquez zu schlagen und einen unerwarteten 1. Sieg in der 1. Liega zu feiern – den 1. eines Nicht-Werksfahrers seit 2006.

Rossi gewinnt das Indy 500 (IndyCar) – Alex Rossi hat sich an den Spedway schnell gewöhnt und Andretti Autosport hatte den ganzen Monat lang schnelle Autos. Trotzdem hatte niemand erwartet, dass zum ersten Mal in 15 Jahren ein Rookie gewinnen würde. Nach 2 Comebacks von verpatzten Boxenstopps befolgte Rossi die genauen Anweisungen von der Boxenmauer, schaffte einen eigentlich unmöglichen Benzinverbrauch und rollte gerade noch über die Ziellinie, nachdem ihm in der letzten Runde der Sprit ausgegangen war – 4 Sekunden vor seinem Teamkollegen Carlos Munoz.

Chris Buescher gewinnt in Pocono (NASCAR Cup) – Martin Truex Jr. hatte Probleme mit den Reifen, Joey Logano wurde von Chase Elliott abgeschossen und so kam Kyle Larson an die Spitze. Ein Boxenstopp unter Grün warf Larson in Runde 139 von 160 aber auf Platz 6 zurück, als der Regen und Nebel in einem Rennen zurückkamen, das durch das Wetter schon auf Montag verschoben worden war. Als NASCAR das Rennen stoppte, führte Chris Buescher und der Rookie feierte den 1. Sieg für Front Row Motorsports in 3 Jahren.

Alexander Rossi, Herta - Andretti Autosport Honda race winner

Sieger: Rossi gewinnt das Indy 500

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