Wie sieht die Zukunft des Motorsports aus? Das Motor Valley Fest liefert die Antwort

Wie können wir uns die Zukunft des Motorsports vorstellen, inmitten von Innovationen, neuen Technologien, die zunehmend auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, und notwendiger Offenheit für ein junges Publikum, das nur auf den ersten Blick weniger empfänglich für das Thema Rennsport zu sein scheint? Einige interessante Antworten brachte die von Motorsport.com organsierte Konferenz beim Motor Valley Fest 2021.

Motorsport ist seit jeher die technologische Spielwiese, auf der Auto- und Motorradhersteller neue Technologien entwickeln, die nach und nach in Serienprodukte einfließen. In den letzten Jahren haben wir dank Elektrifizierung und der allgemeinen Hybridisierung in allen Motorsport-Kategorien Rennsportarten erlebt, den man - obwohl es sich um keine grundlegend neue Technologie handelt - bisher noch nie als Feld für die Entwicklung von Hochleistungstechnik auf den Schirm hatte.

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Bei einem Treffen, das anlässlich des Motor Valley Fest 2021 organisiert wurde, gab es einen von Motorsport.com moderierten runden Tisch, an dem Top-Akteure vertreten waren, die auf verschiedenen Ebenen in Zwei- und Vierrad-Wettbewerben tätig sind.

"Zu Beginn der 2000er Jahre haben wir eine wichtige Investition getätigt, indem wir in die MotoGP eingestiegen sind, nachdem wir jahrelang in der Superbike aktiv waren", erklärt Davide Barana, Technischer Direktor von Ducati Corse. "Der technologische Effekt war sofort spürbar: Die MotoGP ist eine Meisterschaft für Prototypen, in der wir maximale Freiheit zum Experimentieren haben. Das Gelernte kommt stufenweise in der SBK an, um dann in das eigentliche Produkt umgesetzt zu werden. Ein leistungsfähiges Serienmotorrad ist einem Rennmotorrad näher als es bei Autos der Fall ist."

Davide Barana, Technischer Direktor Ducati Corse

Davide Barana, Technischer Direktor Ducati Corse

Foto: Motorsport.com

"Die neuen Technologien, vor allem die mit Elektromotor, sind gut auf die Bedürfnisse des Motorrads abgestimmt: Wir haben von Anfang an eine sehr lineare und kraftvolle Drehmomentabgabe, mit einem spürbaren Unterschied zu einem traditionellen Verbrenner. Aber ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, den Klang eines Verbrennungsmotors bei einem Elektrofahrzeug zu imitieren", so Barana weiter.

Ein weiterer Hersteller innerhalb der Volkswagen-Familie, der mit großem Interesse auf neue Technologien blickt, ist Lamborghini - einer der Referenzgeber in der GT3-Szene. "Wir wollen einen pyramidenförmigen Ansatz im Rennsport verfolgen: Nach all den Jahren, die wir im GT-Sport gut unterwegs sind, ist Le Mans mit Sicherheit unser Zielpunkt. Unsere Kunden fordern uns dazu auf und wir möchten dort auch mitspielen. Ganz zu schweigen vom LMH und LMDh", sagt Leonardo Galante, Technischer Direktor von Lamborghini Motorsport.

"Die Elektrifizierung ist ein unumkehrbarer Prozess, der in einer ganze bestimmten Richtung vorangeht. Auf Seiten des Motorsports bedeutet das, dass man eine gewisse Leidenschaft entwickeln muss. Doch diese Leidenschaft entstammt von zwei Seiten derselben Medaille: Wenn wir einerseits starke Beschleunigung fühlen möchten, dann sind Elektroautos das perfekte Beispiel. Wenn wir hingegen die Vibrationen eines endothermen Motors spüren möchten, haben wir bereits die passende Lösung. Das Publikum, das ein Rennen besucht, will Überholmanöver und Autos sehen, die Emotionen erzeugen können. Wir müssen Technologien entwickeln, die die Zuschauer begeistern. Das Fehlen von Ton kann das Ganze zerstören."

Franz Tost, Teamchef Scuderia Alphatauri

Franz Tost, Teamchef Scuderia Alphatauri

Foto: Motorsport.com

Und apropos Sound: Vor allem eine Kategorie kam bei der Umstellung auf Hybrid im Jahr 2014 fast unter die Räder. Jetzt aber ist die Formel 1 wieder einigermaßen im Ton, wie immer gepaart mit absolut ansehnlichen Leistungswerten. Und Franz Tost, Teamchef der Scuderia AlphaTauri, ist sich dessen bewusst. "Das Brüllen des Ferrari V10 war das goldene Zeitalter der Musik im Motorsport: Jetzt haben wir V6-Hybridmotoren, die ökologische Nachhaltigkeit zeigen. Ab dem nächsten Jahr werden wir in den Autos steigende Anteile an synthetischen Additiven und Naturfasern einsetzen. Wir arbeiten alle intensiv daran, 100 % Biosprit zu nutzen und es ist unser Ziel, in naher Zukunft einen umweltfreundlichen Kraftstoff zu verwenden".

Energica hingegen hat den Elektroantrieb sofort zu seinem Aushängeschild gemacht. Das Unternehmen hat vor drei Jahren mit der MotoE eine mit der MotoGP kombinierte Motorradkategorie geschaffen, in der vollelektrische Motorräder Rennen fahren. "Wir hatten unser letztes Rennen in Assen, im Rahmen der MotoGP. Aber dass wir nach dieser Kategorie angetreten sind, hat uns nicht der Gunst des Publikums beraubt, das auf den Tribünen bleiben wollte, obwohl die Königsklasse bereits abgetreten war. Die Karte, die wir zusammen mit Dorna und IRTA gespielt haben, war die, eine Meisterschaft zu schaffen, die mit den anderen mithalten kann, ohne den Vergleich zu scheuen: Im Rennsport zählt der Zeitmesser. Wer schneller fährt, gewinnt", sagt Franco Cevolini, Präsident von Energica.

"Das Elektromotorrad macht kein Geräusch, wenn es steht, aber wenn es sich bewegt, klingt es wie eine Turbine! Es ist ein unverwechselbares, charakteristisches Geräusch. Und eines, das die Leute dazu bringt, sich umzudrehen, wenn sie eines auf der Straße kommen hören", so Cevolini weiter.

Und wo wir gerade von Straßen sprechen, in letzter Zeit haben wir eine starke Zunahme von Elektrorollern in den großen Stadtzentren festgestellt. So stark, dass wir einen spontanen Wettbewerb ins Leben rufen wollten, wie Nicola Scimeca, Ycom-Gründer, erklärt.

"Wir hatten die Idee, eine Weltmeisterschaft der Mikromobilität zu schaffen, die F1 des Motorrollers, die wir von Grund auf entwickeln würden. Es geht darum, eine Disziplin, die es vorher nicht gab, von Grund auf neu zu erfinden, so wie es beim Kartsport der Fall war, als man mit Autos Rennen fuhr. Jetzt haben wir ein äußerst kundenfreundliches Mittel zur Verfügung, mit hohem Lenker, kleinen Rädern und mit der Möglichkeit, im Stehen zu fahren. Und die Resonanz und das Interesse, das wir sehen, ist sehr groß, sogar von einigen MotoGP-Fahrern, die das Ganze getestet haben".

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