Kolumne von Alejandro Agag: Formel E steckt mitten im Wachstum

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Kolumne von Alejandro Agag: Formel E steckt mitten im Wachstum
Alejandro Agag
Autor: Alejandro Agag , Kolumnist
31.05.2018, 12:38

In seiner neuen Kolumne spricht Alejandro Agag über das Wachstum der Formel E und die neuen Schauplätze in der Meisterschaft

Luca Filippi, NIO Formula E Team, Alex Lynn, DS Virgin Racing
Daniel Abt, Audi Sport ABT Schaeffler
Nick Heidfeld, Mahindra Racing
Nelson Piquet Jr., Jaguar Racing
Jérôme d'Ambrosio, Dragon Racing, Mitch Evans, Jaguar Racing
Daniel Abt, Audi Sport ABT Schaeffler
Oliver Turvey, NIO Formula E Team
Antonio Felix da Costa, Andretti Formula E Team, Stéphane Sarrazin, Andretti Formula E Team
Felix Rosenqvist, Mahindra Racing, Sébastien Buemi, Renault e.Dams, Alex Lynn, DS Virgin Racing

Es war für uns ein großartiger Moment, als Nico Rosberg in Berlin das neue Formel-E-Auto der zweiten Generation eingeweiht hat. Ich erinnere mich an die Preisverleihung des Automobil-Weltverbands (FIA) in Wien. Dort hat er seinen Rückzug aus der Formel 1 bekanntgegeben. Ich habe mich am Ende des Essens seiner Frau vorgestellt. Ich sagte ihr: "Ich bin Alejandro Agag von der Formel E und ich würde gerne mit Ihrem Mann sprechen." Sie antwortete: "Denken Sie gar nicht erst darüber nach. Er wird keine Rennen mehr fahren."

Deshalb war es für uns ein ganz besonderer Moment, in bei uns in Berlin dabei gehabt zu haben – sowohl als Investor als auch Fan der Serie. Es gibt viele Spekulationen darüber, ob er im neuen Formel-E-Team von Mercedes eine Rolle spielen wird. Ich habe noch nichts gehört, was dafür spricht. Das heißt aber nicht, dass es nicht so sein wird.

Berlin hat uns an die Wurzeln unserer Meisterschaft erinnert. Es ist die einzige Stadt, in der wir jede Saison ein Rennen ausgetragen haben. Wir blicken aber auch auf die Zukunft und versuchen, die Meisterschaft weiterzuentwickeln. Deshalb werden wir zum Start der fünften Saison auch in Saudi Arabien reisen.

Der Distrikt in Riad ist sehr wichtig für uns. Wir glauben, dass der Sport die Gesellschaft inspirieren kann. Wir wollen ein Teil des positiven Wandels in diesem Land sein, der gerade von statten geht. Im Juni dürfen Frauen in Saudi Arabien erstmals Autofahren und das ist ein geschichtsträchtiger Moment. Wir haben von den Organisatoren außerdem die Versicherung bekommen, dass Frauen am Event teilnehmen und zuschauen dürfen. Auch die Frauen, die in der Meisterschaft arbeiten, dürfen mitkommen.

Das ist ein großes Element des Wandels in diesem Land, denn früher gab es diese Rechte nicht. Es ist toll, dass wir ein Teil davon sind. Die Formel E kann etwas Gutes tun, wie in diesem Fall. Es ist ein spezieller Ort und ein besonderes Land und wir können etwas dazu beitragen, wenn wir dort sind. Ich bin mit unserer Entscheidung sehr glücklich. Ich verstehe aber auch die Diskussion, die es wegen des Rennens gibt.

Sport sollte über der Politik stehen und nicht mit ihr vermischt werden. Wenn der Sport wegen Politik, wie bei Olympia und der Fußball-Weltmeisterschaft, boykottiert wird, sollten wir darüber stehen. Sobald die Fans die Rennen sehen, wird es ein tolles Event werden. Die Strecke ist sehr spektakulär. Die Fans, die nicht hinter der Entscheidung stehen – und davon gibt es sicher einige – haben ihre eigene politische Sichtweise und das respektiere ich.

Vor Riad werden wir nach Zürich reisen, dem ersten Rennen in der Schweiz seit dem Rennsportverbot aus dem Jahr 1955. Wir schulden TAG-Heuer-Geschäftsführer Jean-Claude Biver eine Menge, denn das Unternehmen ist seit der Gründung ein Partner. Julius Baer, TAG und ABB – unser Titelpartner – haben ihre Sitze in der Schweiz. Es ist ein weiterer Beweis, wie die Formel E die Welt verändert, denn bis jetzt war Rennsport in diesem Land verboten. Wir ändern das.

Es ist gut für den Motorsport, dass wir neue Länder bedienen, insbesondere Länder wie die Schweiz. Sie hat so viel Potenzial und so viele Unternehmen, die eine Rolle im Motorsport spielen könnten. Einer unserer besten Piloten, Sebastien Buemi, kommt aus der Schweiz. Es ist der perfekte Ort für ein Formel-E-Rennen.

Es gab ein gutes Momentum bei der Planung des Events in der Schweiz, weshalb wir sehr geduldig waren. Das Land wollte das Rennen und einige Parlamentarier haben deshalb viel Druck ausgeübt. Deshalb gibt es jetzt die Gesetzesänderung, sodass Rennsport – insbesondere elektrischer Rennsport – wieder erlaubt wird. Das ist jetzt geschehen.

Schon vor dem Rennen passieren spannende Dinge. Das Land erwartet einen großen Erfolg. Die Meisterschaft befindet sich in einer echten Wachstumsphase. Wir haben große neue Hersteller, die bald einsteigen, neue Rennen und einige große Namen, die die Autos steuern. Nico wird keine Rennen fahren, aber ich freue mich auf Felipe Massa, der in der fünften Saison zu uns stößt.

Bildergalerie: Die Formel E in Berlin

Dinge geschehen nicht einfach über Nacht. Nico, Felipe, Zürich: sie sind alle das Produkt harter Arbeit. Ich habe mit Felipe drei Jahre lang gesprochen. Er ist ein toller Fahrer, ein netter Mensch und ein Freund. Das kann ich mit stolz sagen. Wir haben alles gegeben, dass er zu uns kommt. Letztendlich treffen aber die Teams die Entscheidung. Ich kann ihnen keinen Piloten aufzwingen. Ich kann nur hoffen, dass sie ihn nehmen. Ich habe auch weitere Nachrichten von anderen Formel-1-Piloten erhalten. Uns interessiert es aber nicht, woher die Fahrer kommen. Es geht eher darum, welche Qualität sie vorweisen und wie gut sie zu uns passen. Felipe wird für die Formel E eine echte Bereicherung sein.

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Artikel-Info

Rennserie Formel E
Urheber Alejandro Agag
Artikelsorte Kolumne