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Ein Blick ins Reglement: Warum McLarens Diffusor-Trick legal ist

McLaren überraschte beim MCL35 mit einem Diffusor, der auf den ersten Blick den Regeln widerspricht, doch ein Blick ins Reglement zeigt, warum die Lösung legal ist

Ein Blick ins Reglement: Warum McLarens Diffusor-Trick legal ist

Die clevere Diffusorlösung von McLaren war ein großes Gesprächsthema bei den Testfahrten der Formel 1 in Bahrain. Doch wie und warum hat das Team sich dafür entschieden, diese Entwicklung zu verfolgen?

Der Streitpunkt um den Diffusor des MCL35M betrifft vor allem die zentrale Sektion und was McLaren getan hat, um die neuen Einschränkungen bei der Höhe der Streben innerhalb des Diffusors zu umgehen.

Die neuen Regeln für 2021 legen in Artikel 3.7.9 b) des Technischen Reglements fest, dass die Streben 50 Millimeter kürzer sein müssen als in den Saisons zuvor. Allerdings sind die zentralen 500 Millimeter des Autos davon ausgenommen, die der Breite der sogenannten Planke entsprechen.

Kontinuität? Kein Problem!

Um Streben mit der kompletten Länge in diesem Bereich zu verhindern, hat die FIA unter Artikel 3.7.10 jedoch zwei Kontinuitätsklauseln in das Reglement geschrieben. Dort ist vorgeschrieben, dass jegliches Bodywork in diesem zentralen Bereich eine "durchgängige Krümmung" besitzen muss.

Dort hat McLaren angefangen, das alte Spiel zu spielen und darauf zu schauen, wie eine Veränderung im Reglement mit einer anderen interagiert. Das Design stützt sich auf das Zusammenspiel der neuen Wordings im Reglement.

Diffusor

Die neuen Diffusorregeln nehmen die zentralen 500 Millimeter aus

Foto: FIA

Um mit diesen langen Streben fahren zu können, startet das Design als Verlängerung des Übergangs zwischen Referenz- und Stufenebene, bevor es die Kante der sich verjüngenden Heck-Sektion des Diffusors bildet. Die gewünschte Kontinuität erreicht McLaren damit auch, denn es wird eine kontinuierliche Krümmung damit geformt.

Darum besitzen die Streben auch eine besondere Form, da sie die Konturen des Hecks verfolgen. Und darum gibt es in ihnen auch keine federartigen Schlitze wie in den anderen Streben, da man damit die vorgegebene Kontinuität nicht erfüllen würde.

Weitere Veränderungen

Der Faktor Kontinuität ist dabei keine neue Herausforderung für Designer, da sie in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Hürden nehmen mussten, wenn sie etwa Nase oder das Bodywork der Seitenkästen designen müssen.

Jeder dieser Bereiche wird von entsprechenden Regeln überwacht, damit die Lösungen nicht mehr so komplex werden wie vor einigen Jahren.

Interessanterweise nutzt McLaren seine langen Streben in Kombination mit einem Redesign des sich verjüngenden Hecks, das in seiner neuen Variante etwas abgeflacht wurde. Das könnte nicht nur bei der Lösung des Kontinuitätsproblems helfen, sondern spielt wohl seine eigene Rolle darin, den Aerodynamik-Einfluss zu verringern, wenn man den zentralen Kanal vom äußeren Fluss abtrennt.

McLaren-Diffusor

Im Vergleich werden die Unterschiede deutlich sichtbar

Foto: Motorsport Images

Die Streben sind aber nur ein Element dieses komplizierten Bereiches. Die Veränderungen an Unterboden und bei den Finnen in der hinteren Bremsbelüftung haben ebenfalls eine große Rolle dabei gespielt, wie die Designer den Diffusor überarbeiten mussten. Schließlich wollte man die Abtriebsverluste so gut wie möglich auffangen.

Und während McLaren dies als die beste Lösung für sich ansieht, heißt das nicht, dass man als einzige darauf geschaut hat. Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner gab bei den Testfahrten gegenüber 'Sky' zu: "Ich glaube, das ist ein Konzept, das wir uns angeschaut haben."

In drei bis fünf Wochen nachgebaut

Bei McLaren ist man sich zudem bewusst, dass es nicht lange dauert, bis andere Teams das Konzept kopiert und eine eigene Variante gefunden haben: "Heutzutage kann man eine Idee, die man bei anderen gesehen hat, einfach innerhalb einer Woche verfolgen", sagt Technikchef James Key.

"Es geht darum zu verstehen, wie es mit deinem Auto funktioniert. Das ist der Schlüssel. Du kannst zwar eine einzigartige Geometrie haben, weil du das Prinzip verstehst, aber dann musst du es auch so anpassen, dass es mit deinem Auto funktioniert."

Mit anschließenden Windkanaltests geht Key davon aus, dass es "zwischen drei und fünf Wochen" dauert, bis man eine Idee am Auto hat, wenn man Gas gibt.

Allerdings müssen die Teams dank Budgetgrenze und dem Handicap-System bei CFD- und Windkanal-Nutzung selektiver bei der Auswahl sein, welche Entwicklungsrichtungen sie verfolgen.

Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Teams McLaren
Urheber Matt Somerfield