Formel 1 Melbourne 2018: Hamilton deklassiert Ferrari um 0,7 Sekunden!

Crash von Valtteri Bottas, aber Lewis Hamilton rettet die Mercedes-Ehre: Pole 0,7 Sekunden vor Kimi Räikkönen - Sebastian Vettel verliert Ferrari-Stallduell

Lewis Hamilton ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und beim Qualifying zum Grand Prix von Australien in Melbourne auf Pole-Position gefahren. Und zwar in dominanter Manier: 0,664 Sekunden betrug sein Vorsprung auf den ersten Verfolger Kimi Räikkönen. Sebastian Vettel (+0,674) im zweiten Ferrari wurde Dritter.

Ergebnis: Q1
Ergebnis: Q2
Ergebnis: Q3

Vettel lag nach dem ersten Q3-Run noch auf Augenhöhe mit Hamilton, fiel aber im zweiten Run zurück. "Ich hatte eine kleine Schrecksekunde in Kurve 13. Ich habe extrem spät gebremst. Hat nicht geklappt", ärgert er sich. Doch insgesamt ist die Laune bei Ferrari trotz des deutlichen Rückstands gut: "War eine gute Leistung", freut sich Räikkönen, attestiert jedoch gleichzeitig, dass man noch "viel Arbeit" zu erledigen habe, wegen des "großen Zeitunterschieds".

Woher dieser kommt, scheint nahe zu liegen. Schließlich hatte Hamilton schon im Winter von Mercedes' "Party-Modus" geschwärmt, der es auf eine schnelle Runde ermöglicht, den Motor mehr aufzudrehen als die Konkurrenz. Vielleicht wurde dieser Modus erst aktiviert, als nach der ersten Q3-Runde klar war, dass Ferrari näher dran ist als erwartet? Denn Hamilton gibt zu: "Mich hat überrascht, wie schnell die Ferraris sind."

Vettel grinst: "Ich hoffe, dass er den Motor aufgedreht hat, denn das würde bedeuten, dass er ihn morgen zurückdrehen muss." Aber 'Sky-Sports-F1'-Experte Nico Rosberg winkt ab. Für ihn steht fest, dass Hamilton das ganze Q3 hindurch volle Leistung hatte: "Das Risiko würde Mercedes nicht eingehen." Und auch Hamilton selbst beteuert: "Ich kann versichern, dass wir keinen 'Party-Modus' haben. Ich war in Q3 im gleichen Modus wie in Q2."

Video: Formel-1-Highlights in Melbourne

Wie dem auch sei: Dass es keine Doppel-Pole für Mercedes wurde, lag wohl vor allem am Crash von Valtteri Bottas in Q3. "Ich habe ausgangs Kurve 1 ein bisschen zu viel Strecke verwendet. Wahrscheinlich war es da vom Regen noch etwas feucht", erklärt sich der Finne, dessen Chassis besonders im Heckbereich stark zerstört wurde. Dass sein Getriebe das überlebt hat, ist fast ausgeschlossen.

Umso größer ist die Freude über die Hamilton-Pole. Sportchef Toto Wolff knallte erst beim Bottas-Crash mit der Faust auf den Tisch; später klatschte er mit Partner Lauda erleichtert ab. "Sieben Zehntel Vorsprung sind unglaublich", jubelt Lauda. Und auch für Hamilton ist die erste Pole der Saison kein Routine-Ereignis: "Man sollte meinen, dass wir nach all den Jahren daran gewöhnt sind. Dem ist aber nicht so. Es ist so intensiv, mein Herz rast richtig!"

Nach dem ersten Q3-Run lagen die jeweils schnellsten Fahrer der drei Topteams noch innerhalb von sechs Hundertstelsekunden. Das zog sich dann doch noch auseinander. Max Verstappen (Red Bull) wurde letztendlich Vierter, 0,041 Sekunden hinter Vettel. Vor seiner letzten Runde hatte der Niederländer gefunkt: "Ich brauche mehr Grip auf der Vorderachse."

Sein Teamkollege Daniel Ricciardo war um weitere 0,273 Sekunden langsamer, wird am Sonntag aber nicht als Fünfter, sondern als Achter ins Rennen starten. Dadurch rücken die beiden Haas-Piloten sensationell in die dritte Startreihe auf. Technikchef Günther Steiner hatte bereits vor dem Qualifying seinen Optimismus durchblicken lassen: "Ich bin vorsichtig optimistisch. Hoffentlich nachher auch noch!"

Nico Hülkenberg belegte Platz acht, letztendlich doch hauchdünn vor seinem Renault-Teamkollegen Carlos Sainz. Renault war damit dritte Kraft, vor McLaren. Sowohl Fernando Alonso (11.) als auch Stoffel Vandoorne (12.) schieden in Q2 aus. Aber Alonso trägt's mit Fassung: "Sehr gut, okay", funkte er ohne Ironie, als er über P11 informiert wurde. Später fügte er an, er gehe davon aus, dass es von Melbourne an nur aufwärts gehen könne.

In Q2 schieden neben den beiden McLaren-Fahrern auch die beiden Force Indias aus. Das Update für Melbourne zeigte nicht die erhoffte Wirkung. Als 14. flog auch Lance Stroll (Williams). Und in Q1 erwischte es mit beiden Toro Rossos und beiden Saubers die ohnehin hinten erwarteten Kandidaten. Und auch Sergei Sirotkin (19.) zählte nicht unbedingt zu den heißesten Q2-Anwärtern.

Dass allerdings Pierre Gasly (Toro Rosso) Letzter werden würde, hatten die Wenigsten auf dem Schirm. Was daran lag, dass der junge Franzose auf seiner schnellsten Runde neben die Strecke rutschte. Für Toro Rosso war es nach den ermutigenden Wintertests ein ernüchterndes erstes Qualifying mit dem neuen Motorenpartner Honda.

Brendon Hartley (16.) verpasste Q2 nur knapp. Dabei wäre mehr drin gewesen: "Ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein paar Zehntel rausholen hätte können. Das ärgert mich ein bisschen." Positiv bewerten die Sauber-Fahrer trotz des Ausscheidens in Q1 den Auftakt. Charles Leclerc (18.) sagt: "Wir hätten nicht damit gerechnet, so nahe an Q3 dran zu sein." Zumal er ohne einen "Fehler in Kurve 4" noch weiter vorne gelegen wäre.

Das Rennen in Melbourne startet am Sonntag um 7:10 Uhr deutscher Zeit. Aufpassen: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Das bedeutet: Eine Stunde weniger Schlaf, bevor der Live-Ticker von Motorsport-Total.com aktiviert wird. Und der ist die perfekte Info-Ergänzung zum TV-Signal der Kollegen von RTL ...

Video: Das ist der Albert Park Circuit

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Melbourne
Unterveranstaltung Qualifying, Samstag
Rennstrecke Melbourne Grand Prix Circuit
Artikelsorte Qualifyingbericht
Tags auftakt, australien, melbourne, training