Formel-1-Rennleiter Masi erklärt: Deshalb keine Verschiebung

Warum die Formel 1 den Belgien-Grand-Prix in Spa-Francorchamps nicht einfach auf den Montag verschoben hat und warum es einen späten Re-Start gab

Formel-1-Rennleiter Masi erklärt: Deshalb keine Verschiebung

Formel-1-Rennleiter Michael Masi und sein Team vom Automobil-Weltverband (FIA) waren beim Belgien-Grand-Prix 2021 in Spa-Francorchamps über Stunden gefordert, doch am Ende taucht nur eine einzige Rennrunde im provisorischen Klassement auf. Nach dem überaus kurzen Rennen stand Masi den Journalisten vor Ort Rede und Antwort, um seine Entscheidungen an diesem Sonntagnachmittag zu erklären.

Wieso ist die Formel 1 am Samstag im Regen gefahren, aber am Sonntag (fast) nicht?

Dazu sagt Masi: "Heute hatten wir das schlechteste Wetter. Wir hatten das ganze Wochenende über keine guten Bedingungen. Es gab aber immer ein paar Momente, in denen ein Fahrbetrieb möglich war. Heute aber hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Warum wurde das Rennen für die wenigen Runden wieder gestartet?

Hier verweist Masi auf die Möglichkeit einer Wetterbesserung im Verlauf des Nachmittags. "Es ging darum, zu sehen, wie die Bedingungen [auf der Strecke] sind. Wir standen ständig in Kontakt mit unserem offiziellen Wetterdienstleister. Wir erhielten die Info, es gäbe ein Fenster [für Fahrbetrieb]."

"Wir sind dazu verpflichtet, eine 10-Minuten-Warnung an alle Beteiligten auszusenden. Also sagten wir uns: Versuchen wir, dieses Fenster zu treffen."

"Einigen Teams ging es ebenso: Auch sie hatten dieses Fenster gesehen. Sie erkannten, was wir vorhatten mit diesem Wetterfenster. Dann aber hat uns das Wetter wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Wurden zwei Rennrunden gefahen oder nicht? Das Ergebnis sagt eine Runde …

"Nun, es wurden insgesamt drei Runden gefahren. Die dritte Runde war beendet, als die Autos in der Boxengasse über die Kontrolllinie gefahren sind. Die Klassifikation wird dann anhand der vorletzten Runde erstellt, bevor das [Rot-] Signal gegeben wurde", sagt Masi.

Er fährt fort: "Es gibt hier also zwei Faktoren, nämlich einmal, was getan werden muss, um ein Rennen zu haben. Das zweite Thema ist, was mit den WM-Punkten passiert."

Bestand eine realistische Chance auf ein Rennen? Oder ging es nur um Punkte?

"Wir waren nur auf ein Fenster aus, von dem wir glaubten, dass es da war. Auch die Teams haben es gesehen, dass da eine Wetterlage kam, von der wir dachten, wir würden etwas Fahrbetrieb unterkriegen", meint Formel-1-Rennleiter Masi.

"Als Motorsport-Fans wissen wir alle, wie schnell sich das Wetter hier in Spa ändern kann. Manchmal regnet es an einem Ende der Strecke und du hast Sonnenschein am anderen Ende. Wir glaubten, wir würden fahren können, aber dann hat sich das Wetter so schnell verschlechtert, dass es leider doch nicht ging."

Hat jemand von der Formel 1 im Rennen mit Masi gesprochen?

Dazu sagt Masi: "Ich spreche regelmäßig mit [Vertretern] der Formel 1, um sie auf Stand zu halten, vor allem aus TV-Sicht. Denn die Formel 1 überträgt das Weltsignal. Deshalb stehen wir regelmäßig in Kontakt. Wir haben eine direkte Verbindung zur Zeitnahme, damit alle Beteiligten jederzeit auf Stand sind, für die TV-Bilder, die Einblendungen und die Kollegen im Pressezentrum."

Gab es Druck von kommerzieller Seite, bezüglich einer Rennabsage?

"Absolut nicht, nein, null. Niemals. Und dergleichen würde ich nie in meine Überlegungen einbeziehen", sagt Masi.

Warum wurde das Rennen nicht auf Montag verschoben?

Ein solches Szenario schließt Formel-1-Rennleiter Masi kategorisch aus und sagt: "Es gibt keine Möglichkeit, das Rennen auf Montag zu verschieben."

Die Formel 1 habe angesichts der Umstände alles versucht, betont Masi. Er erklärt weiter: "Aus der Sicht von FIA und Formel 1 hat die Sicherheit von Fahrern, Teams und Zuschauern Priorität. Wir haben alle Möglichkeiten im Reglement und im Internationalen Sportkodex genutzt, um in der bestmöglichen Lage zu sein, ein Rennen zu fahren."

"Leider war es uns nicht möglich, dieses Mal die volle Distanz zu fahren. Wir hatten aber die Möglichkeit durch den Sportkodex, die Uhr anzuhalten. Das taten wir, um uns die Chance zu wahren, in das Wetterfenster zu gelangen und Fahrbetrieb zu haben."

Was genau hat eine Verschiebung des Rennens auf Montag verhindert?

Weil er in seiner ersten Antwort nicht konkret auf die Verschiebung geantwortet hat, erfolgt hierzu eine Nachfrage. Er spricht dann die vielen Vor-Ort-Personen an, die notwendig sind, um ein Formel-1-Rennen auszutragen. Masi nennt das "Personal bei der Organisation" und "alle Beteiligten" und meint: "Die Liste wäre seitenlang."

Hinzu kommt: Viele Helfer am Grand-Prix-Wochenende sind ehrenamtlich tätig und gehen unter der Woche ihren normalen Berufen nach. Auch das hat eine Verschiebung des Rennens auf Montag verhindert. O-Ton Masi: "Es gibt keine Möglichkeit, [das Rennen] auf den folgenden Tag zu verlegen."

Hätte man das Rennen später im Jahr nachholen können?

Masi antwortet nur vage: "Ich weiß nicht, ob es logistisch möglich wäre, das in die Tat umzusetzen."

Rennleiter Michael Masi

Formel-1-Rennleiter Michael Masi hat die Entscheidung zum endgültigen Abbruch getroffen

Foto: Motorsport Images

Tatsächlich wurde schon einmal ein Rennwochenende in Spa unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr fortgesetzt: 1985, nachdem beim Originaltermin der Asphalt aufgebrochen war. Die Formel 1 kehrte Monate später nach Spa zurück und setzte das Rennwochenende fort.

Hatte Rennleiter Masi mal direkten Kontakt mit einem der Fahrer?

Klare Antwort: "Nein. Ich stand in Kontakt zu den Teams. Ich fragte aktiv bei den Teams nach der Rückmeldung der Fahrer", sagt Masi.

"Während der Einführungsrunde ist es Fahrern und Teams nicht gestattet, miteinander zu kommunizieren. Ich bat die Teams aber darum, alle Fahrer zu befragen, um eine Rückmeldung zu bekommen."

"Wir in der Rennleitung verfolgten alle Funkkanäle, damit wir die Meinung der Fahrer über die Bedingungen, über die Sicht erfahren konnten. Das gleiche taten wir dann später, als wir erneut losgefahren sind."

Wie oft musste der Rennleiter etwas im Reglement nachschlagen, weil die Situation so außergewöhnlich war?

"Ich glaube, alle Teams haben individuell Antworten gefunden. [Die Umstände waren schon sehr speziell.] Wir sagen immer: Wir testen alle Bereiche des Reglements und finden so heraus, was wir für jede Veranstaltung besser machen oder weiterentwickeln können. Und heute haben wir wieder ein paar Dinge gelernt, die wir in Zukunft gemeinsam besser machen wollen, in Zusammenarbeit mit den zehn Teams."

Die Situation rund um Sergio Perez war so eine außergewöhnliche Situation …

"Genau. Das war ein Thema von der Sorte, was man nicht erwartet, aber trotzdem eintrifft."

Jeder ging davon aus, Perez würde nicht starten dürfen, aber die Regeln erwähnen diesen speziellen Fall nicht explizit, richtig?

"Teilweise", sagt Masi hierzu und weicht dann der eigentlichen Fragestellung aus, indem er weiter sagt: "Wir haben heute im Rahmen des Reglements und des Internationalen Sportkodex jede mögliche Gelegenheit genutzt, um aus unserer Perspektive ein Rennen zu haben - für die Teams, die Fans zuhause und die Fans an der Rennstrecke. Leider ist es uns in diesem Fall nicht gelungen, ein Rennen zu haben."

Warum wurde die (neue) 3-Stunden-Regel nicht eingehalten?

"Es gibt die 3-Stunden-Regel. Aber der Internationale Sportkodex gibt den Sportkommissaren die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen, obwohl es die 3-Stunden-Regel gibt. Daran halten wir uns. Die Kommissare haben haben die Möglichkeit, das zu tun, was sie heute getan haben."

Müsste es nicht eher heißen, es gibt keine Punkte, es sei denn, es gibt Rennrunden unter Grün?

Masi signalisiert Gesprächsbereitschaft und meint: "Nach diesem Wochenende und bei unserem nächsten Treffen werden wir uns viele Dinge anschauen und besprechen, was jeder haben will."

"Wie sie wissen, befinden wir uns an einem Punkt, an dem wir mit der FIA und allen zehn Teams daran arbeiten, die Formel-1-Regeln weiterzuentwickeln. Wir werden uns also mit den diversen Szenarien beschäftigen und die Rückmeldung der Beteiligten dazu einholen."

Kommt das zu spät für nächstes Jahr?

Kurze, klare Antwort von Masi: "Nein, überhaupt nicht." Dann fügt er noch hinzu: "Alle Beteiligten haben den Wunsch und die Bereitschaft für Verbesserungen. Wenn das also gewünscht ist, denken wir über alles nach. Und dann schauen wir uns jedes Thema separat an."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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