Kampf gegen Vettel: Toto Wolff glaubt an Karma

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Kampf gegen Vettel: Toto Wolff glaubt an Karma
Autor: Christian Nimmervoll
Co-Autor: Adam Cooper
01.07.2018, 07:03

Warum Valtteri Bottas den Sieg in Österreich verdienen würde, wo Sebastian Vettel die Zeit verliert und worauf es für Mercedes dieser Tage wirklich ankommt

Mercedes-Teamchef Toto Wolff freut sich über die Pole-Position seines Fahrers Valtteri Bottas beim Grand Prix von Österreich. Zwar liegt Bottas in der Weltmeisterschaft 2018 53 Punkte hinter Spitzenreiter Lewis Hamilton und hat damit nur noch Außenseiterchancen auf den Titel, aber nach einer Reihe unglücklich verlaufener Rennen sei Spielberg jetzt die große Chance auf ausgleichende Gerechtigkeit.

Auf die Frage, ob Bottas die Pole verdiene, antwortet Wolff: "Mit dem Wort 'verdient' tu ich mich schwer, denn für mich sind beide Fahrer wichtig. Aber Valtteri hatte so viel Pech. Nehmen wir Baku. Dort hätte er gewinnen müssen. Oder Schanghai. Auch dort hätte er gewinnen können. In Le Castellet war er in der ersten Runde ein Opfer. Zählt man das alles zusammen, könnte er heute sehr nahe an der WM-Führung dran sein."

Doch Wolff kann sich gut vorstellen, dass Bottas auf dem Red-Bull-Ring, den der Finne zu seinen Lieblingsstrecken zählt, seinen ersten Saisonsieg feiern wird: "Ich glaube an Karma und ich glaube, dass sich Valtteris Pech an irgendeinem Punkt ins Glück verkehren wird. Ob das morgen passiert oder zu einem anderen Zeitpunkt, das weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass es passieren wird."

Bottas' Leistung im Qualifying-Krimi war beeindruckend, denn Hamiltons letzte Runde war ebenfalls fehlerfrei. Am Ende lagen 0,019 Sekunden zwischen den beiden. Auf dem 4,318 Kilometer langen Red-Bull-Ring entspricht das einer Distanz von gerade mal 1,3 Metern. Warum Hamilton nicht schneller war? Erstens, weil Spielberg Bottas-Land ist. Aber laut Wolff gibt es noch einen zweiten Grund.

 

"Sie haben leicht unterschiedliche Set-ups", verrät er. "Lewis war nach dem Abschlusstraining nicht happy, also musste er sich entscheiden: Bleibe ich so, wie es ist, oder ändere ich das Set-up? Er entschied sich dafür, es nicht zu ändern, weil das zu viel Risiko gewesen wäre. Ob es wirklich Set-up ist oder nur Fahrstil, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber Fakt ist, dass Lewis mit dem Auto nicht ganz happy war, Valtteri aber schon."

Gegner, so vermutete man nach dem Qualifying, gibt's eh nur einen: Sebastian Vettel. Aber selbst der Ferrari-Pilot wird es im Rennen wegen seiner Rückversetzung vom dritten auf den sechsten Startplatz schwer haben. Wolff geht zwar davon aus, dass auch Kimi Räikkönen ein ernstzunehmender Gegner sein wird. Aber in den Freien Trainings war der "Iceman" klar nur die Nummer 2 bei Ferrari.

Vettel hingegen fuhr in Spielberg Kopf an Kopf mit den Silberpfeilen, bis die in Q3 den "Party-Modus" aufdrehten. Am Ende waren es doch drei Zehntelsekunden - recht viel auf einer so kurzen Strecke. Aber: "Für das Rennen mache ich mir weniger Sorgen, denn ich glaube nicht, dass wir langsamer sind", sagt Vettel. "Ich glaube, wir können ein starker Gegner sein." Das war allerdings noch bevor er wusste, dass er von P6 ins Rennen gehen muss.

Die Sektorenanalyse zeigt die Unterschiede zwischen Mercedes und Ferrari schön auf. Im ersten Sektor, der mit Ausnahme von Kurve 1 nur aus Geradeausfahren besteht, verlor Vettel 0,145 Sekunden. Im zweiten Sektor war er sogar um 0,100 Sekunden schneller als Bottas. Und im dritten (von der ehemaligen Lauda-Kurve bis Start und Ziel) bekam er weitere 0,289 Sekunden aufgetischt.

"Im dritten Sektor", sagt Vettel, "ist Mercedes extrem stark, besonders in der Lauda-Kurve. Und die Gerade auf den Hügel rauf nehmen sie mehr Geschwindigkeit mit. Da verlieren wir am meisten Zeit. Die letzten zwei Kurven sind gar nicht so schlecht." Kleines Detail am Rande: Im ersten Sektor fuhr Vettel sogar um 0,097 Sekunden langsamer als Räikkönen.

 

Die Weltmeisterschaft geht mit dem "Triple-Header" Frankreich/Österreich/Großbritannien in ihre heiße Phase. Und Mercedes weiß, dass in den nächsten Wochen einige Strecken dabei sind, die dem F1 W09 EQ Power+ eigentlich liegen müssten: Spielberg, Silverstone, eventuell Hockenheim, Spa-Francorchamps und Monza.

"Wir müssen die Punkte auf den Strecken, wo das Auto und die Fahrer gut funktionieren, machen", weiß Wolff. "Darum war Montreal für uns ein Rückschlag, denn dort hätten wir eigentlich erwartet, uns einen Punktevorsprung herauszufahren. Das ist uns nicht gelungen. Daher ist morgen ein wichtiger Tag. Die Pole ist schön, aber morgen brauchen wir die Punkte."

Und dafür wirft Mercedes momentan alles in die Waagschale. Bereits in Le Castellet debütierte der neue Spec-2.1-Motor, in Spielberg kam ein Aero-Update dazu. Da kommt Ferrari nicht mit: "Wir fahren ziemlich so wie letztes Wochenende", gibt Vettel zu, "aber wir haben unseren eigenen Plan für neue Teile. Wir machen da schon Druck, aber wenn wir etwas ans Auto schrauben, müssen wir uns auch sicher sein, dass es wirklich schneller ist."

"Momentan scheint Mercedes wieder einen Hauch voraus zu sein. Zumindest in den letzten zwei Qualifyings", fürchtet er. "Aber das kann sich schnell ändern, wer weiß? Wir müssen auf uns selbst schauen. Es gibt immer etwas, was man von den andern lernen kann, was man sich abschauen kann von dem, was sie ans Auto schrauben. Aber das gilt nicht nur für Mercedes, sondern für alle anderen Teams."

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