Spritsparen in Melbourne: "Schlimm" oder nur Panikmache?

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Spritsparen in Melbourne:
Autor: Dominik Sharaf
22.03.2018, 12:03

Der Formel-1-Auftakt könnte von dem Thema Benzinverbrauch bestimmt werden - Einige Fahrer wittern daher Reifen- und Bremsprobleme, andere Hysterie um nichts

Dass der Formel 1 in der Saison 2018 eine Dauerdebatte um das Thema Benzinsparen droht, ist seit den Tests in Barcelona klar. Im Vorfeld des Auftakt-Grand-Prix' in Australien alles im Live-Ticker miterleben! gehen die Meinungen über das Ausmaß des Problems aber weit auseinander. Die Piloten mit Renault- oder Honda-Antrieb scheinen ärger gebeutelt als diejenigen, die auf Mercedes- oder Ferrari-Power vertrauen. Hinzu kommt: Nur vom Gas zu gehen ist nicht des Rätsels Lösung.

Die größten Sorgen macht sich Toro Rosso – nicht nur um die Performance, sondern auch um die Attraktivität der Rennen. "Ziemlich schlimme Verhältnisse" erwartet Pilot Pierre Gasly in Melbourne. Er fürchtet, dass das "Lift and Coast" (Lupfen des Gaspedals vor Kurven statt bis zum Bremspunkt Vollgas zu geben, um Sprit zu sparen) in einen Teufelskreis führt: "Wer vor Kurven langsamer ist, kann nicht so hart bremsen. Man bekommt Probleme mit Brems- und Reifentemperaturen."

 

 

Mögliche Folgen sind Bremsplatte durch stehende Räder, viel Rutschen, weniger Tempo auch in den Kurven und letztlich fehlende Konkurrenzfähigkeit. Teamchef Franz Tost sieht seine Schützlinge bei dem Spagat zwischen Effizienz und Leistung mit einer kniffligen Aufgabe gestraft: "Die Piloten werden sich abmühen, es umzusetzen", sagt er. "Für die Rennaction ist es nicht gut." Verstärktes Schonen der Pneus bedeutet auch, dass das Hinterherfahren hinter einem Konkurrenten tabu ist.

Wie also überholen, wenn man a) auf der Geraden nicht schneller ist als der Konkurrent und b) den Windschatten nicht nutzen kann? Red-Bull-Pilot Max Verstappen ahnt Böses: "Uns trifft es massiv, weil wir uns länger auf den Geraden befinden, wenn wir dort langsamer fahren als andere", deutet er an, dass sich Renaults PS-Malus gegenüber Mercedes und Ferrari nicht in Luft aufgelöst hätte.

Weil ein Formel-1-Hybride mit weniger Pferdestärken paradoxerweise mehr verbraucht (weil der Vollgasanteil höher ist), könnte Red Bull großer Verlierer der Spritproblematik sein – sogar, wenn die durch das Reglement auf 105 Kilogramm beschränkte Tankfüllung für eine komplette Renndistanz ohne "Lift and Coast" reicht. Dann könnte die Konkurrenz wohl mit weniger Triebstoff an Bord starten und über einen Gewichtsvorteil Zeit gutmachen sowie auch noch die Reifen schonen.

 

Marcus Ericsson, Sauber C37, Max Verstappen, Red Bull Racing RB14
Marcus Ericsson, Sauber C37, Max Verstappen, Red Bull Racing RB14

Foto Joe Portlock / LAT Images

 

Nicht jeder betrachtet die Lage so dramatisch. McLaren-Pilot Fernando Alonso, neuerdings ebenfalls mit Renault-Motor unterwegs, meint: "Es wird keine große Rolle spielen. Es wird ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Es braucht ein aerodynamisch effizientes Auto mit wenig Abtrieb und einen Motor, der viel Power hat." Der MCL33 dürfte zumindest über das richtige Chassis verfügen.

Den richtigen Antrieb hat dagegen Force India im Heck – einen Mercedes, der Expertenmeinungen zufolge weniger durstig ist als alle anderen Motoren. "Ich habe nicht vernommen, dass sich andere Hersteller so arg über den Benzinverbrauch beklagt hätten", redet Sergio Perez den Vorteil klein. Er hat offenbar weder den Worte Helmut Markos noch denen Günther Steiners gelauscht. Der Haas-Teamchef wittert "viel Spritsparen" – nicht nur auf dem verbrauchsintensiven Albert Park Circuit.

Tost unterstreicht: "Wir kommen auf allen Strecken an das Limit." Das mag auf Toro Rosso und Honda zutreffen, offenbar jedoch nicht auf Ferrari. "Einige Rennen werden schwieriger als andere", schätzt Scuderia-Pilot Kimi Räikkönen. "Es hängt an den einzelnen Teams und allen möglichen Bedingungen." Mehr DRS-Zonen wie am Wochenende in Melbourne helfen, Safety-Car-Phasen und Regen auch. Kühlere Außentemperaturen und glatter Asphalt sind dagegen große Spritfresser.

 

 

Deswegen könnte sich die Panikmache als übertrieben erweisen. Bei den Tests in Barcelona gab es selten Temperaturen im zweistelligen Gradbereich, dazu eine brandneue Fahrbahndecke. Pirellis weichere 2018er-Mischungen könnten die Rundenzeiten ebenfalls limitieren und das Problem entschärfen. Haas-Fahrer Kevin Magnussen glaubt, dass sich am realen Verbrauch mit den neuen Autos "kaum etwas geändert" hätte und sich das Paddock täuschen lassen würde.

Dennoch wird vor dem ersten Rennen der Ruf nach Gegenmaßnahmen laut. Franz Tost prescht voran und fordert "Regeländerungen". Räikkönen erkennt Möglichkeiten, aber keinen Bedarf: "Es wäre genügend Platz in den Autos für größere Benzintanks, um mit Vollgas durchzufahren – aber so sind die Regeln nicht gestaltet", erklärt der Finne und meint, dass Spritsparen zum Spiel dazugehöre.

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Rennserie Formel 1
Urheber Dominik Sharaf
Artikelsorte News