Stroll-Sitzprobe bei Racing Point: Ocon schon in Monza raus?

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Stroll-Sitzprobe bei Racing Point: Ocon schon in Monza raus?
Autor: Heiko Stritzke
Co-Autor: Dieter Rencken
25.08.2018, 17:06

Lance Stroll wird kommende Woche eine Sitzprobe bei Racing Point absolvieren - Esteban Ocon plötzlich im Abseits: "Er hat mein Cockpit gekauft"

Das finanzielle Stühlerücken in der Formel 1 könnte sich schon ab dem Großen Preis von Italien in Monza am nächsten Wochenende auf die Fahrerpaarungen auswirken: Wie 'Motorsport.com' erfahren hat, wird Lance Stroll in Spa-Francorchamps voraussichtlich sein letztes Rennen für das Williams-Team fahren. Bereits am Dienstag soll er eine Sitzprobe absolvieren und könnte damit schon am kommenden Wochenende in Monza Pink tragen. Verlierer wäre Esteban Ocon, der plötzlich ohne Cockpit dastehen wird - ausgerechnet nach seiner Glanzvorstellung im Spa-Qualifying.

Was der Mercedes-Junior von dieser Aktion hält, macht er im Gespräch mit Sebastian Vettel klar, als dieser sich nach seinen Plänen für 2019 erkundigt: "Nichts Neues wegen nächstem Jahr?" "Nein." "Wirst du denn da bleiben (bei Racing Point; Anm. d. Red.)?" "Nein, nein. Das Cockpit ist weg." "Oh, wer?" "Rate mal! Derjenige, der es gekauft hat!" Doch es könnte noch schlimmer kommen, denn die Ablösung könnte schon nach Spa erfolgen.

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Eine Anfrage von 'Motorsport.com' zur bevorstehenden Sitzprobe Strolls ließ das Force-India-Nachfolgeteam unbeantwortet. Es liegt aber auf der Hand, dass Lance Stroll möglichst schnell von der neuen Situation profitieren will, nachdem Vater Lawrence in das Team investiert und es in "Racing Point Force India" umbenannt hat. Perez ist im Team gesetzt und steht vor einer Vertragsverlängerung, denn er bringt eigene Sponsoren aus Mexiko mit. Ocon hat nur die Mercedes-Förderung, die in diesem Fall wohl nicht mehr ausreicht.

Den freigewordenen Sitz bei Williams würde Robert Kubica einnehmen. Der Pole hat nämliche eine Vertragsklausel, die ihm ein Cockpit garantiert, sollte eines frei werden, womit gleichzeitig die Tür für Ocon in Grove zu ist. Mit der Abwanderung von Stroll käme er unverhofft plötzlich zum ersehnten Formel-1-Comeback. "Ich fühle mich bereit, sonst hätte ich den Williams-Vertrag für dieses Jahr ja nicht unterschrieben", sagt er am Rande des Großen Preises von Belgien.

Hamilton und Vettel loben Ocon in den Himmel

Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn Ocon ausgerechnet nach seinem hervorragenden Spa-Qualifying das Cockpit für einen Bezahlfahrer räumen müsste. Lewis Hamilton nimmt das auf der Pressekonferenz nach seiner Pole-Position zum Anlass, um die Situation in der Formel 1 generell zu kritisieren: "Esteban ist ein Ausnahmetalent, sowohl von seinem Verhalten her als auch seiner Leistungen auf der Strecke. Leider ist die Formel 1 ein merkwürdiges Geschäft, bei dem Teams statt des nächsten Supertalents lieber das Geld nehmen."

 

"Die besten Fahrer müssen im besten Auto sitzen und er ist einer der absoluten Topfahrer. Man kann doch nicht jemanden, der mehr Geld mitbringt, einem besseren Fahrer vorziehen. So etwas sollte nicht passieren. Das zeigt, dass in der Formel 1 etwas mit der Verteilung der Einnahmen fundamental schiefläuft. In meinem Team gibt es keinen Platz, in Sebastians Team auch nicht. Bei Red Bull gab es welchen. Eigentlich müsste man da ein Shootout oder so etwas veranstalten. Manchmal wünsche ich mir, ich würde ihn managen." Ocon scheint angesichts der verzweifelten Lage jedenfalls nicht abgeneigt: "Lass uns später mal reden."

Auch Sebastian Vettel äußert sich sehr positiv über den Formel-3-Europameister von 2014, der in jener Saison unter anderem Max Verstappen im direkten Kampf schlug: "Er steht auf Platz drei, wo er mit diesem Auto eigentlich nicht hingehört. Das sagt doch alles. Zumal man bei diesen Bedingungen schnell einen Fehler macht. Da muss man sich konzentrieren können - und das hat er getan."

"Leider leben wir in einer Zeit, in der ein Neueinsteiger schnell als Superheld gefeiert wird. Und wenn dann der nächste Superheld kommt, gerät der andere schnell in Vergessenheit, auch wenn er sehr gute Leistungen bringt. Er ist einfach kein Thema mehr. Deswegen glaube ich, dass dieses Ergebnis für ihn heute gut ist. Er sollte mehr Beachtung erhalten."

Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11

Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11

Foto: Manuel Goria / Sutton Images

Schneller Wechsel zu McLaren nicht möglich

Wenn es so kommt, wie es aussieht, bleibt Ocon nichts anderes übrig, als seine Hoffnungen auf 2019 zu legen. Er wird mit McLaren in Verbindung gebracht. Eine vorzeitige Ablösung des bisher blassen Stoffel Vandoorne noch während der Saison 2018 ist wenig wahrscheinlich. Ocon ist nämlich zu groß für den McLaren MCL33. Und da man in Woking die katastrophale Saison 2018 bereits abgeschrieben hat, ist es wenig wahrscheinlich, dass man sich noch die Mühe machen wird, das Auto noch einmal komplett für ein paar Rennen umzubauen.

Vandoorne wähnt sich jedenfalls fest im Sattel: Er habe "keine Zweifel", auch in Monza neben Fernando Alonso zu fahren. "Es gibt viel Spekulation in der Presse, aber ich bin zu 100 Prozent zuversichtlich. Alles, was ich tun kann, ist, mich auf meinen Job zu konzentrieren. Und ich bin sehr, sehr dicht an Fernando dran." In Budapest konnte er das Ruder nach einer ziemlich desolaten Saison mit einem neuen Chassis herumreißen.

"Da haben wir gezeigt, dass alles wieder zurück auf Normalzustand war", so der 26-Jährgie. "Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass bei den nächsten Rennen die Resultate sich wieder da einpendeln werden, wo ich hingehöre. Natürlich werden das bei unserer Position keine Wunderdinge, aber momentan habe ich ein positives Gefühl."

Stoffel Vandoorne, McLaren MCL33

Stoffel Vandoorne, McLaren MCL33

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

Ocons Situation bleibt prekär. McLaren hat Carlos Sainz für 2019 bestätigt und würde am liebsten Eigengewächs Lando Norris holen, obschon dieser in der Formel 2 eine schwierigere Saison hat als erwartet. Dort wächst aber schon die nächste Gefahr für Ocon heran: Mercedes-Junior George Russell sorgt mit bärenstarken Auftritten für hausinterne Konkurrenz.

Zunächst geht es für Ocon nur mehr darum, überhaupt 2019 noch in der Formel 1 zu fahren. "Ich will nächstes Jahr Rennen fahren und arbeite dafür jeden Tag hart", bekräftigt er. "Ich werde von Mercedes betreut. Sie haben in der Vergangenheit großartige Entscheidungen für mich getroffen und werden es auch in Zukunft tun." Trotzdem bleibt es dabei: Esteban Ocon wirkt ratlos, obschon an seinen sportlichen Leistungen nichts auszusetzen ist.

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Teams Racing Point
Urheber Heiko Stritzke
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