präsentiert von:

Warum die Formel 1 doch erst 2025 auf reinen E-Fuel-Kraftstoff setzt

Die Formel 1 will nun doch erst 2025 mit komplett synthetischem Kraftstoff fahren - FIA-Motorenchef Gilles Simon erklärt, warum man jetzt doch mehr Zeit benötigt

Warum die Formel 1 doch erst 2025 auf reinen E-Fuel-Kraftstoff setzt

Eigentlich sollte die Formel 1 bereits ab der Saison 2023 mit 100 Prozent synthetischem Kraftstoff fahren. Doch dieser Plan wurde inzwischen verworfen und um zwei Jahre verschoben. Nun soll der reine E-Fuel-Kraftstoff erst mit dem neuen Motorenreglement ab 2025 kommen. FIA-Motorenchef Gilles Simon erklärt die Hintergründe.

"Wir haben zwei Möglichkeiten. Entweder warten bis 2025 oder den Sprit schon 2023 bringen und zwei Jahre später den neuen Motor. Der zweite Weg kostet Geld, weil die Hersteller die Arbeit zweimal machen müssen", so Simon gegenüber 'auto motor und sport'. Die Motoren müssten dann extra für zwei Jahre noch einmal angepasst werden.

"Mit den aktuellen Motoren wird diese Anpassung viel komplexer sein als mit den Triebwerken, die uns ab 2025 vorschweben. Die Motoren von heute sind so speziell, dass sie ganz besondere Anforderungen an einen Kraftstoff stellen. Die Kraftstoffe sind deshalb extrem effizient mit einer sehr hohen Energiedichte", erklärt Simon.

Die FIA hat bereits einen E-Fuel-Prototypen entwickelt und jedem Motorenhersteller 200 Liter davon zur Verfügung gestellt. Dieser sei laut Simon "sicher noch nicht perfekt." Aber: "Er erfüllt die physikalischen Erfordernisse für einen Formel-1-Motor. Die Motoren laufen damit. Das erste Ziel war es, ihn früh zu vernünftigen Preisen zur Verfügung zu stellen."

Motorenhersteller testen Prototypen

Die vier Motorenhersteller Mercedes, Ferrari, Honda und Renault testen diesen Kraftstoff gerade. "Sie fahren auf ihren Prüfständen mit ihren Standard-Einstellungen. So lernen wir besser über die Unterschiede zwischen unserem Sprit und dem Benzin, das sie sonst benutzen", erklärt Simon, der in einem Monat Ergebnisse erwartet.

"Wir werden von allen vier Herstellern die Daten sammeln, sie analysieren und zu Schlussfolgerungen für den nächsten Schritt kommen. Ich glaube wir liegen gut im Marschplan", zeigt sich Simon zuversichtlich. Er stellt allerdings klar, dass es bei dem Projekt lediglich darum gehe, etwas über E-Fuels zu lernen.

"Wir haben nicht die Absicht, selbst Sprit herzustellen", betont er und erklärt: "In Zusammenarbeit mit den Herstellern nähern wir uns auf pragmatische Weise der Lösung. Der Datenaustausch ist natürlich delikat, weil sie Wettbewerber sind. Trotzdem glaube ich, dass sich da eine technische Gemeinschaft bildet, die das Thema vorantreibt."

Grundsätzlich würden die aktuellen Antriebe jedenfalls bereits mit dem neuen Kraftstoff laufen. "Jedes Formel-1-Triebwerk kann mit diesem Sprit betrieben werden, ohne dass der Motor auseinanderfliegt. Das ist schon mal eine Leistung. Ich erwarte etwas Leistungsverlust, weil die Motoren für diesen Sprit nicht adaptiert wurden", so Simon.

Zuverlässigkeit ein großes Thema

Der neue Sprit würde zwar ein paar PS kosten, doch Simon erklärt: "Ich glaube nicht, dass das schlimm wäre. Formel-1-Autos wären immer noch schnell. Ein wichtigeres Thema ist die Standfestigkeit. Die Motoren werden alle haarscharf an der Klopfgrenze betrieben. Ein bisschen drüber, und du zerstörst alles."

"Wir müssen schauen, dass wir ein zuverlässiges Paket schnüren. Deshalb wird es noch ein paar Jahre dauern, diesen Sprit in der Formel 1 einzusetzen", erklärt er und ergänzt: "Dann ist da auch noch das Mengenproblem. 1.000 Liter sind schnell hergestellt. Eine Million ist schon schwieriger."

"Im Moment tut sich bei der Komponentenherstellung von E-Fuels viel. Aber es wird noch ein bisschen Zeit brauchen", kündigt Simon an. Ziel der FIA sei es, langfristig alle Serien auf nachhaltige Kraftstoffe umzustellen. "Vielleicht geht es in anderen Kategorien sogar schneller. Zum Beispiel dort, wo es nur einen Spritlieferanten gibt", so Simon.

Hintergrund: In der Formel 1 setzen die Teams auf unterschiedliche Lieferanten. Ferrari arbeitet zum Beispiel mit Shell zusammen, Mercedes mit Petronas und Red Bull mit ExxonMobil. "Unsere Benzinfirmen in der Formel 1 forschen gerade in verschiedene Richtungen. [...] Wir befinden uns gerade in einem Lernprozess", erklärt Simon.

Dieser wird wohl noch einige Zeit dauern.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Formel-1-Liveticker: Lewis Hamilton zu Aston Martin? Stroll: "Verlockend"

Vorheriger Artikel

Formel-1-Liveticker: Lewis Hamilton zu Aston Martin? Stroll: "Verlockend"

Nächster Artikel

Perez statt Hülkenberg: "So viel macht der 'Doktor' nicht falsch!"

Perez statt Hülkenberg: "So viel macht der 'Doktor' nicht falsch!"
Kommentare laden

Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Urheber Ruben Zimmermann