Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli

Cal Crutchlow ist teilweise schneller als Franco Morbidelli - Der kleine Aufwärtstrend ist zuletzt wieder verpufft - Auch Pol Espargaro steht im Schatten von Marc Marquez

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli
Audio-Player laden

Liebe MotoGP-Fans,

beim Grand Prix von Japan in Motegi waren die Rollen bei Ducati quasi vertauscht. Während Jack Miller einen dominanten Sieg eroberte, erlebte Francesco Bagnaia ein verkorkstes Rennen. Neben seinen beiden Siegen im Regen war das wohl Millers beste Performance im Trockenen.

Für Bagnaia lief es vom ersten Training an schwierig. Der Sturz im Rennen war dann die Krönung eines Wochenendes zum Vergessen. 18 Punkte beträgt nun sein Rückstand auf Fabio Quartararo. Fünfmal ist Bagnaia in diesem Jahr ausgefallen. Insgesamt hatte er schon zwölf Stürze.

Das klingt nicht sehr weltmeisterlich, wenn man es mit Quartararo vergleicht. Der Weltmeister hatte nur zwei Ausfälle und ist nur fünfmal gestürzt. Aber die Ducati-Mannschaft ist insgesamt so stark, dass Bagnaia weiterhin Chancen hat. Noch einmal sollte er aber nicht ausfallen.

Francesco Bagnaia

Zum fünften Mal schied Francesco Bagnaia in dieser Saison aus

Foto: Motorsport Images

Quartararo kann eine sehr gute Pace fahren. Aber wenn er in der Gruppe feststeckt, kann er mit seiner Yamaha kaum überholen. Knüpft Bagnaia an seine Performance der vergangenen Wochen an, dann gibt es genug Fahrer zwischen ihm und Quartararo, die dem Franzosen Punkte wegnehmen.

Crutchlow: "Bin schneller als die regulären Fahrer"

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema dieser Kolumne. Cal Crutchlow hat nach dem Rennen einen Satz gesagt, der es auf den Punkt bringt: "Ich bin zurückgetreten! Sie haben den alten Hund angerufen, und ich bin schneller als ihre regulären Fahrer!"

Damit meinte der Test- und Ersatzfahrer natürlich nicht Quartararo. Aber Darryn Binder gab nach dem Motegi-Rennen zu, dass ihm Crutchlow davongefahren ist. Crutchlow kam direkt hinter Franco Morbidelli als 15. ins Ziel.

Franco Morbidelli, Cal Crutchlow

Cal Crutchlow machte im Motegi-Rennen Druck auf Franco Morbidelli

Foto: Motorsport Images

Der Brite hatte keinen guten Start und arbeitete sich von hinten durch das Feld. Mit seiner Pace schätzt er, dass er deutlich weiter vorne hätte sein können. Blickt man auf die Rundenzeiten, dann waren Morbidelli und Crutchlow in einem ähnlichen Bereich unterwegs.

Aber Morbidelli müsste eigentlich deutlich schneller als der "alte Hund" sein. Nach der Sommerpause hat man einen kleinen Aufwärtstrend bei Morbidelli erkennen können. Aber in Aragon und nun auch in Motegi war wieder kaum etwas von dem Italiener zu sehen.

Wird es mit der neuen M1 besser?

Seit einem Jahr läuft Morbidelli nun seiner Form hinterher und ist weit hinter Quartararo. Yamaha hat stets betont, dass man am Vizeweltmeister von 2020 festhält. Loyalität wird groß geschrieben, was auch prinzipiell schön zu sehen ist!

Franco Morbidelli

Die Fahrer hatten beim Misano-Test einen guten Eindruck von der neuen M1 für 2023

Foto: Dorna Sports

Im Training zeigt Morbidelli immer wieder eine gute Rundenzeit, aber er kann sie nicht konstant abrufen. Quartararo bremst etwas anders und nimmt mehr Speed in die Kurven mit. Das zu kopieren, ist für Morbidelli schwierig. Auch Andrea Dovizioso ist daran gescheitert.

Der neue Yamaha-Motor soll für nächstes Jahr etwas stärker sein. Wie das die Charakteristik des Motorrads verändert und ob Morbidelli damit besser zurechtkommt, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, dann steht Yamaha-Manager Lin Jarvis vor schwierigen Entscheidungen.

Noch hält Lin Jarvis an Morbidelli fest

Die meisten MotoGP-Fahrer haben Verträge für 2024. Neben Morbidelli haben nur Augusto Fernandez (GasGas), Johann Zarco (Pramac-Ducati), Takaaki Nakagami (LCR-Honda), Fabio di Giannantonio und Alex Marquez (Gresini-Ducati) sowie das VR46-Ducati-Duo Luca Marini und Marco Bezzecchi Verträge nur für 2023.

 

Jorge Martin (Pramac) könnte nach dem nächsten Jahr aus seinem Ducati-Vertrag aussteigen. Wobei es fraglich ist, ob Fahrer aus den Ducati-Satellitenteams zu Yamaha wechseln wollen. Yamaha betreibt seit dieser Saison in Kooperation mit VR46 ein Moto2-Team.

Lin Jarvis

Welche Alternativen hätte Lin Jarvis für den zweiten Platz?

Foto: Motorsport Images

Manuel Gonzalez und Keminth Kubo haben sich bisher aber nicht für die MotoGP aufgedrängt. Yamaha ist auch nicht dafür bekannt, einem talentierten Rookie im Werksteam eine Chance zu geben. Der Letzte war Jorge Lorenzo im Jahr 2008.

Vielleicht kann Morbidelli im nächsten Jahr mit der verbesserten M1 den Schalter umlegen. Ich wünsche es ihm. Denn wir wissen, dass Morbidelli Rennen gewinnen kann. Aber falls er auch in der nächsten Saison hinterherfährt, dann wird sich Yamaha etwas überlegen müssen.

Marc Marquez stellt seine Markenkollegen in den Schatten

Ähnlich ist die Situation auch bei Honda. Dass Marc Marquez nach seiner Pause zurückkommt und seine Markenkollegen und vor allem Pol Espargaro derart in den Schatten stellt, ist für die restlichen Honda-Fahrer eigentlich ein Armutszeugnis.

Pol Espargaro

Seit Portimao im Frühling war Pol Espargaro nicht mehr in den Top 10

Foto: Motorsport Images

Bei Pol Espargaro geht eigentlich schon seit Mugello nichts mehr. Ich will ihm das nicht unterstellen, aber von außen wirkt es so, dass er mit Honda abgeschlossen hat. Seit er weiß, dass er in die KTM-Familie zurückkehren kann, fährt er die Saison einfach nur noch zu Ende.

Ihr,

Gerald Dirnbeck

Wie ist deine Meinung? Sag es mir doch auf Facebook unter "Racing inside mit Gerald Dirnbeck". Dort gibt es meine Texte, Insiderinfos, Meinungen und Einschätzungen zu aktuellen Themen. Und natürlich die Möglichkeit, diese Kolumne zu diskutieren!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Marquez in Motegi Vierter: "Hatte keine Schmerzen, das ist das Wichtigste"
Vorheriger Artikel

Marquez in Motegi Vierter: "Hatte keine Schmerzen, das ist das Wichtigste"

Nächster Artikel

Keine Stallregie bei Ducati: Bastianini kämpft mit Bagnaia, Bezzecchi nicht

Keine Stallregie bei Ducati: Bastianini kämpft mit Bagnaia, Bezzecchi nicht