"Wir wissen nicht warum": Yamaha in Thailand plötzlich konkurrenzfähig

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Autor: Gerald Dirnbeck
05.10.2018, 11:59

In Thailand beginnt Yamaha mit konkurrenzfähigen Rundenzeiten, aber man selbst kennt die Gründe dafür nicht. Valentino Rossi von neuer Winglet-Verkleidung nicht überzeugt.

Yamaha präsentierte sich am ersten Trainingstag auf dem neuen Buriram-International-Circuit deutlich konkurrenzfähiger als vor zwei Wochen in Aragon. "Der Vormittag war fantastisch", lacht Valentino Rossi. Er belegte in FT1 hinter seinem Teamkollegen Maverick Vinales den zweiten Platz. Trotzdem ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu genießen, wie Rossi festhält: "Viele Topfahrer haben keinen frischen Reifen verwendet. Deswegen entspricht dieses Ergebnis nicht der Realität."

Im zweiten Training war Yamaha auch konstant in den Top 10, aber die Konkurrenz von Honda und Ducati präsentierte sich ebenfalls gewohnt stark. Als in der Schlussphase die Zeitenjagd begann, konnte sich Vinales auf Platz zwei festsetzen. Rossi klassierte sich als Neunter, aber sein Rückstand war mit 0,3 Sekunden gering. Interessanterweise fuhr Vinales seine persönliche Bestzeit vorne und hinten mit dem harten Reifen, während Rossi in seiner schnellsten Runde vorne mit dem Medium-Reifen und hinten mit der weichen Variante unterwegs war.

Maverick Vinales schlägt beim Set-up seiner M1 anderen Weg ein

Vinales und seine Crew verfolgten eine andere Herangehensweise bei der Abstimmung der M1. Es wurde mit der Gewichtsverteilung, der Schwingenlänge und anderen Details experimentiert. "Das hätten wir schon vor einigen Monaten ausprobieren sollen", meint der Spanier. "Wir versuchten die Bremsphase und die Beschleunigung etwas zu verbessern. Das haben wir auch geschafft. Diese Tests sind auch schon für 2019 sehr wichtig."

Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing

Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Die 46-Crew wagte keine derartigen Experimente. Rossi sagt: "Ich weiß, dass Maverick größere Veränderungen bei der Balance des Motorrades vorgenommen hat. Wir haben aber normal gearbeitet. Ich weiß nicht ob es daran liegt, aber Maverick war heute schneller als ich. Am Nachmittag sind 95 Prozent der Fahrer eine Zeitattacke gefahren und er ist trotzdem Zweiter. Er hat auch eine gute Pace."

Yamaha kennt die Gründe für die Formschwankungen nicht

Warum es für Yamaha in Thailand plötzlich besser läuft, stellt auch das Team vor ein Rätsel. Viel hängt mit den Gripverhältnissen, dem Zusammenspiel von Reifen, Asphalt und Motorrad zusammen. "Ich weiß es nicht, wir wissen es nicht", drückt Rossi die Ratlosigkeit bei Yamaha aus. "Wenn eine Strecke mehr Grip hat, können wir attackieren. Aragon war sehr schwierig, aber warum? Das Problem ist, dass wir es nicht wissen. Yamaha weiß es auch nicht."

Das Dilemma geht also wie gewohnt weiter. Das gute Freitagsergebnis in Thailand bedeutet nicht automatisch die Trendwende aus der Krise. "Die Situation ist etwas schwierig, weil das Motorrad gleich ist", seufzt Rossi. "Aber heute hatten wir weniger Probleme, was gut ist. Aragon war ein Desaster, weil wir keinen Grip hatten. Hier sollten wir von der Papierform her auch leiden, aber heute war es besser als erwartet."

Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing

Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Die Schwankungen bei Yamaha zwischen einer guten Strecke für die M1 und einer schlechten sind viel extremer ausgeprägt als bei der Konkurrenz. "Es ist seltsam", meint Honda-Star Marc Marquez auf die Frage, ob ihn die Yamaha-Zeiten in Thailand überraschen. "Manchmal sind sie sehr, sehr schnell und heute waren sie sehr, sehr schnell. Dann haben sie wieder Probleme. Es ist schwierig zu verstehen, auch für sie selbst."

Allerdings hält der amtierende Weltmeister fest, dass das Wochenende erst begonnen hat. Viel kann sich noch ändern: "Heute war Maverick schnell und er ist gut gefahren, aber erst morgen werden wie sehen wo jeder ist, denn heute war es etwas seltsam. Jeder hat die verschiedenen Reifen ausprobiert und hat versucht das Set-up zu verstehen. Nach FT4 wird es einfacher sein zu verstehen, wo jeder steht."

Trotzdem hatte Yamaha für Thailand etwas Neues im Gepäck. Für das zweite Training wurden neue Winglets montiert, die ein zweites Element haben und an einen Formel-1-Flügel erinnern. "Ich habe diese Verkleidung ausprobiert", sagt Rossi zur einzigen neuen Entwicklung aus Japan. "Normalerweise ist das besser für die Wheelies, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich damit weitermachen werde, denn es fühlt sich sehr ähnlich wie die bisherige an." Vinales testete die neue Verkleidung nicht und wollte auf das Feedback seines Teamkollegen warten.

Mit zusätzlichen Informationen von Oriol Puigdemont und Scherazade Mulia Saraswati.

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