WSBK Portimao: Profitiert Kawasaki von einer kontroversen Reifensituation?

Pirelli untersagt in Portimao die Verwendung des SCX-Reifens in den Hauptrennen: Diese Entscheidung dürfte Yamaha zurückwerfen und Kawasaki helfen

WSBK Portimao: Profitiert Kawasaki von einer kontroversen Reifensituation?

Der weiche Rennreifen (Pirelli SCX) wurde in der laufenden Saison regelmäßig von WM-Leader Toprak Razgatlioglu in den Hauptrennen verwendet. Titelverteidiger Jonathan Rea hingegen hatte immer wieder Probleme, diese Reifenoption zu verwenden. Beim finalen WSBK-Event in Europa in Portimao untersagt Pirelli die Verwendung des SCX-Reifens in den beiden Hauptrennen.

Der WSBK-Reifenlieferant sorgt sich um die Haltbarkeit der Reifen. Besonders die langgezogene Schlusskurve in Kombination mit den hohen Asphalttemperaturen und Geschwindigkeiten in Portimao belastet den Hinterreifen stark. Die Entscheidung, den SCX-Reifen für die beiden Hauptrennen aus dem Aufgebot zu ziehen, soll die Sicherheit gewährleisten.

Kawasaki spielt diese Entscheidung in die Karten. Zuletzt erlebte Jonathan Rea in Jerez und Barcelona enttäuschende Rennen mit dem SCX-Reifen. In Portimao kommt dieser Reifen maximal im Sprintrennen zum Einsatz.

Jonathan Rea

Bestzeiten in beiden Trainings: Jonathan Rea ist der Favorit in Portimao

Foto: Motorsport Images

"Ich konnte den SCX-Reifen noch nicht testen. Das werde ich vielleicht am Sonntagmorgen im Warm-up machen", erklärt Rea. "Dann sind die Bedingungen am schlimmsten, weil es vergleichsweise kalt sein wird. Ich will sehen, ob der SCX-Reifen für eine oder mehrere Runden funktioniert. Doch normalerweise kreiert dieser Reifen bei unserem Motorrad nur Probleme."

Jonathan Rea hinterfragt Pirellis Entscheidung

Dass Pirelli die Verwendung des SCX-Reifens nur im Superpole-Rennen erlaubt, kann Rea nur bedingt nachvollziehen: "Ich verstehe die Logik dahinter nicht, den Reifen nur für das Sprintrennen zuzulassen. Das ist meiner Meinung nach kein gutes Marketing. Man sollte Reifen bringen, die man in allen Rennen verwenden kann oder den Teams die Wahl überlassen."

Am Freitag holte sich Rea in beiden Trainings die Bestzeit. Bereits in der Vergangenheit war Rea immer schnell in Portimao. Warum ist das so? "Dieser Kurs ist ungewöhnlich. Der Kurs stellt den Fahrer vor viele Herausforderungen. Auf dieser Strecke kann der Fahrer einen großen Unterschied ausmachen", begründet der Kawasaki-Pilot.

"Die Position des Oberkörpers ist hier sehr wichtig. Meine Motocross-Erfahrung hilft hier. Man kann damit einige Dinge kompensieren. Doch das Motorrad muss natürlich auch gut funktionieren", berichtet der Rekord-Weltmeister.

Kann Alex Lowes Schützenhilfe leisten?

Aktuell liegt Rea 20 Punkte hinter Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu zurück. In Portimao kann Rea diesen Rückstand verringern, bevor die Superbike-WM nach Argentinien und Indonesien reist. Auch Kawasaki-Teamkollege Alex Lowes lag am Freitag vor Razgatlioglu und könnte den WM-Leader zusätzliche Punkte kosten. Doch die Nummer zwei von Kawasaki ist weiterhin angeschlagen.

"Alex ist nah dran. Und das, obwohl er verletzt ist. Er ist ein harter Kerl und wird vermutlich nicht zugeben, wie verletzt er wirklich ist. Er ist sehr schnell. Das zeigt, dass unser Motorrad gut funktioniert. Ich wünschte, er wäre fitter, denn er kann an der Spitze kämpfen", kommentiert Rea.

Alex Lowes

Alex Lowes verletzte sich seine Hand beim WSBK-Event in Barcelona

Foto: Motorsport Images

"Ich muss noch abwarten, ob ich hier die Rennen fahren kann", gesteht Lowes, der zuletzt in Jerez auf das zweite Rennen verzichtete, weil seine Hand nach Lauf eins zu stark angeschwollen war. Wenn er in Portimao ähnliche Probleme bekommt, dann muss er erneut passen.

"Wenn man alleine fährt, dann kann man mal eine weite Linie wählen. Doch wenn man mit anderen Fahrern fährt, dann muss man sicherstellen, die Sache zu 100 Prozent unter Kontrolle zu haben", begründet Lowes. "Ich gehe es hier von Session zu Session an. Ich kämpfe in der Meisterschaft nicht um eine Position. Es ist egal, ob ich Fünfter, Sechster oder Siebter werde."

"Ich bin hier, damit ich vorne mitfahre. Ich würde Jonathan gern helfen und ein paar Dinge probieren. Doch wenn ich nicht 20 Runden mit ordentlichem Tempo fahren kann, dann brauch ich nicht teilnehmen", kommentiert Lowes.

Toprak Razgatlioglu gesundheitlich angeschlagen

Das Fehlen des SCX-Reifens ist nicht die einzige Sorge, die Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu in Portimao hat. Bereits in Jerez ging Razgatlioglu gesundheitlich angeschlagen ins Wochenende. Und auch in Portimao ist der Türke nicht bei vollen Kräften.

"Ich musste in die Clinica Mobile gehen, weil es mir weiterhin nicht gut geht. Es ist genauso wie vor einer Woche. Es ist unverändert, vielleicht sogar noch schlimmer", gesteht der WM-Führende, der aber dennoch alles geben will: "Ich will erneut um den Sieg kämpfen. Es wird nicht einfach, aber ich versuche es."

Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglu klagt auch in Portimao über gesundheitliche Beschwerden

Foto: Motorsport Images

"Mir fehlt ein bisschen die Kraft, doch ich fuhr einen Longrun über 18 Runden und auch die Rundenzeit war nicht schlecht. Ich denke, es wird kein Problem sein", grübelt Razgatlioglu und gibt in Sachen Coronavirus Entwarnung: "In Jerez habe ich einen Corona-Test gemacht, der negativ war."

Am Freitag fuhr Razgatlioglu mit dem normalen Rennreifen (Pirelli SC0) und war überrascht. "Ich hatte Angst auf Grund der Reifenwahl, doch der SC0-Reifen funktioniert gut auf dieser Strecke. Der neue Belag hat viel Haftung", erklärt der Yamaha-Pilot, der am Freitag Gesamtfünfter wurde und 0,283 Sekunden zurücklag.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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