Mercedes: Warum Imola und Portimao schwierig werden könnten

Mercedes rechnet mit einem engen Kampf gegen Red Bull und sieht sich derzeit in keinem Bereich vorn - Imola und Portimao könnten dem W12 nicht liegen

Mercedes: Warum Imola und Portimao schwierig werden könnten

Es sind starke Aussagen, die von Mercedes nach dem Saisonauftakt in Bahrain kommen: "Ich würde sagen, dass wir im Vergleich zu ihnen keine Stärken haben", sagt der leitende Renningenieur Andrew Shovlin auf Red Bull angesprochen. "In vielen Jahren konnten wir uns auf unseren Speed auf den Geraden oder in Highspeed-Kurven verlassen, aber hier haben wir ihnen nirgendwo Zeit abgenommen."

Stattdessen habe der W12 in vielen Kurven sogar eine Menge auf den RB16B verloren, wie Shovlin betont. Vor allem die schnellen Ecken und Kurve 9 und 10 stellt der Ingenieur heraus. "In unseren besten Kurven waren sie genauso schnell wie wir, in anderen schneller. Wir brauchen ein schnelleres Auto. Ganz einfach."

Max Verstappen konnte Mercedes im Qualifying fast vier Zehntelsekunden abnehmen und belegte damit, dass Red Bull vorerst das schnellste Auto zu haben scheint. Bei Mercedes hatte man das vor allem am neuen Unterboden-Reglement festgemacht, das Autos mit einem niedrigeren Anstellwinkel ("Rake") stärker getroffen zu haben scheint.

"Ich weiß, dass sie das letzte Rennen [2020] gewonnen haben, aber generell lagen wir am Ende des Jahres vor ihnen. Jetzt ist das nicht mehr der Fall", sagt Shovlin. "Entweder wurden wir von den Regeln stärker getroffen oder sie haben eine schnellere Entwicklung gehabt."

Konzept nicht änderbar

Trotzdem betont er, dass Mercedes auch 2021 ein Auto hingestellt hat, das die Weltmeisterschaft gewinnen kann. Dazu brauche man aber clevere Entscheidungen, gute Arbeit und eine gute Umsetzung auf der Strecke.

Lewis Hamilton, Mercedes W12, Sergio Perez, Red Bull Racing RB16B

Lewis Hamilton, Mercedes W12, Sergio Perez, Red Bull Racing RB16B

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

"Am Anstellwinkel können wir jetzt aber nichts mehr machen. Wir können sicherlich nicht plötzlich sagen, dass wir das Auto um 30 Millimeter anheben und dann damit arbeiten. Damit würden wir die Saison abschreiben", so Shovlin. "Wir würden dabei so viel verlieren. Sich davon zu erholen, wäre nicht machbar."

Von daher muss Mercedes mit dem Konzept weiterarbeiten, das sie haben. Ein Blick in die nahe Zukunft lässt das Team aber nicht gerade optimistisch wirken, denn Red Bull habe zu keiner Zeit schwach ausgesehen.

Skepsis vor Imola und Portimao

"Hoffentlich finden wir Strecken, die uns mehr liegen", sagt Shovlin. Die nächsten Stationen in Imola und Portimao gehören aber wohl nicht dazu: "Ich glaube nicht, dass wir in den Highspeed-Passagen gut genug sind, und davon gibt es in Imola und Portimao eine Menge. Dort haben sie im Moment einen Vorteil uns gegenüber."

Trotzdem hält man beim Weltmeister-Team die Motivation hoch. Denn in Bahrain konnte man Red Bull trotz des unterlegenen Autos besiegen, und man ist überzeugt, noch nicht alles aus dem Paket herausgeholt zu haben.

Die Frage dürfte sein, wie stark kann Mercedes sein Auto im Vergleich zu Red Bull entwickeln. Die Teams dürften ihren Fokus generell schon auf der Saison 2022 haben, weil sich dort für alle eine große Chance bietet. Die Entwicklung in der aktuellen Saison ist ohnehin auf die Aerodynamik beschränkt: Mechanik des Autos und Motor bleiben, wie sie jetzt sind.

Außerdem wurde auch die Zeit im Windkanal und bei der CFD-Arbeit beschränkt, wobei Mercedes als Weltmeister am wenigsten von allen testen darf. Für das Team ist es daher umso wichtiger, bestmöglich vorbereitet an die Strecke zu kommen. "In der Weltmeisterschaft wird es auf feine Nuancen ankommen - noch mehr als sonst", sagt Shovlin.

Kein Team klar voraus?

Druck ist der Rennstall aber gewohnt, auch wenn es in den vergangenen sieben Jahren häufig nicht danach aussah. "2018 hat es aber auch vier Rennen gedauert, bis wir gewonnen haben", so der Ingenieur. "Wir hatten einige schwierige Jahre. Das ist uns nicht fremd."

Auch 2021 rechnet man mit einer großen Herausforderung gegen Red Bull: "Das Team macht nicht viele Fehler. Max [Verstappen] ist ein sehr reifer und sehr smarter Racer geworden, und er ist schwierig. Und sie entwickeln gut. Das haben sie in jeder Saison gezeigt", sagt Shovlin.

"Ich sehe nicht, dass wir bei der Entwicklung an einen Punkt kommen werden, an dem wir Red Bull deutlich voraus sein werden. Und hoffentlich wird Red Bull bei der Entwicklung nicht an einen Punkt kommen, an dem sie deutlich voraus sein werden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Teams Red Bull , Mercedes
Urheber Norman Fischer